ToneCity. Musikalienhandel.

YouTube ist ja Teufelszeug. Bin ja seit Wochen süchtig nach den Videos von Andertons und bin irgendwann auf dieses Video gestoßen, in welchem eine Serie kleiner Effektpedale von „Tone City“ vorgestellt wird.  Bei dem Preis (und da der Chef auch noch eine kostenlose Stromversorgung drauflegt) habe ich gleich mal zwei Pedale in England geordert und vor meinen Verstärker gehängt. Bin ehrlich gesagt kein Pedalspezi, aber beide gefallen mir ausgesprochen gut.

plexicream

Das linke Pedal („Sweet Cream“) liefert, je nach Einstellung der Reglers in der Mitte, einen sehr leichten bis mittleren Crunchsound und bietet sich sehr schön für Rhythmuspassagen und bluesige Leadparts an. Dabei reagiert es sehr dynamisch auf den Anschlag und die Lautstärke der Gitarre. Das rechte Pedal („Golden Plexi“) macht seinem Namen alle Ehre und liefert (quasi in allen Einstellungen) den „typischen“ Sound eines Marshall Plexi. Das schnelle Intro-Riff von „Rest in Peace“ trifft in etwa den Sound, den das Pedal produziert. Dabei sind beide Pedale nicht einmal halb so groß wie ein Standard Boss-Pedal. Auch im Preis sind die „Tone City“-Pedale nur halb so groß: Normalerweise kosten Effektpedale so zwischen 100 – 150 Euro, da sind die beiden kleinen für jeweils ca. 45€ wirklich Schnäppchen. Dabei sind beide recht schwer und wirken sehr stabil, ganz im Gegensatz zu dem Behringer-Pedal, das ich mir vor ein paar Jahren für etwa den gleichen Preis zugelegt habe (und dessen Effektqualität man getrost in der Pfeife rauchen kann). Ergo: Wenn der Brexit kommt, wird es bitter, denn dann dürfte es wohl wieder etwas schwieriger werden, Ware aus GB zu beziehen.

Musikalienhandel.

Bin dann gestern mangels Patch-Kabeln im örtlichen Musikalienhandel gewesen, wo der große Verkaufsraum recht trostlos vor sich hin wartete. Ein einsamer Kunde zupfte zaghaft an einer Akustikgitarre, ein Verkäufer versteckte sich hinter seinem Computerbildschirm und ich packte mir sechs Patchkabel ein, bevor ich die kleine Wendeltreppe in den Verkaufsraum im Keller stieg, um die Lage an der E-Gitarrenfront zu checken. Ernüchternd: Nur eine Marke vorrätig, die meisten Gitarren mit Tremolo und auch bei den Verstärkern herrschte Flaute. Eine Hand voll Verstärkermodelle – immerhin in den Marken etwas breiter aufgestellt als bei den Gitarren – aber auch hier fehlt das Neue. Auch bei den Effektgeräte herrschte massive Mauheit. Ich prophezeie den baldigen Untergang, wenn sich der Laden nicht mit Tasteninstrumenten über Wasser halten kann.

Denn die Konkurrenz ist unfassbar groß: Da gibt es einerseits die Musikalien-Giganten wie Thomann, Musik-Produktiv oder den Kölner Musicstore – wo man nahezu jedes gewünschte Equipment bestellen kann –  und andererseits die internationale Konkurrenz, wie besagte Andertons aus Guildford, die ihre Kundschaft auch massiv über YouTube erreichen, eigene Produktkanäle eingerichtet haben und mit fast täglichen Updates, britischem Humor und Produktpräsentationen abseits des Mainstreams in der Gitarrencommunity schon Kultstatus erreicht haben. Statt sich hinter dem Bildschirm zu verkriechen,  zeigen die vor dem Bildschirm das,  was ihre Kunden interessiert. Beispiel gefällig? Gerne:

So bin ich gerade auf der Suche nach einem nicht allzu lauten, cleanen und bezahlbaren Verstärker. Da käme z. B. von Fender (Markenzeichen: perlende Cleansounds) der Blues Junior III mit 15 Watt in Frage. Aktuell hat Fender aber auch ein neues Modell, den Bassbreaker 15, im Angebot. Auch mit tollem Cleansound, aber auch mit der Möglichkeit, ordentlich rockig zu verzerren. Hmm – da wäre ein Vergleich doch toll… und schwupp: Schon haben die Jungs von Andertons ein Video dazu produziert und hochgeladen, welches nicht nur eine kühle Produktpräsentation, sondern darüber hinaus auch noch unterhaltsam ist. Das merkt auch die Konkurrenz und zieht nach. Auf deutscher Seite gibt es den Kanal von EytschPi42, der zahllose Thomann-Produkte rezensiert.

Der kleine Musikalienhändler, in der Stadt, die es nicht gibt, wird erst merken, dass sein Zug abgefahren ist, wenn er der Musikalienhändler der Stadt ist, in der es keinen Musikalienhändler mehr gibt.

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