Eltern verbieten!

Ich wollte Ursel von der Leyen ja die Tage eigentlich einmal ausdrücklich loben. Jawohl. L o b e n! Und zwar dafür, dass sie das dämlichste und dümmste Interview, das zwei Hansel vom STERN je gegeben haben, so tapfer hat über sich ergehen lassen. Eigentlich wollte ich darüber schreiben, dass der STERN ein unglaublich erbarmungswürdiges, inhaltsleeres Blatt mit überflüssigen Texten ist, aber das muss ich mir jetzt sparen, weil die Ponderosa-Ranch um Chef-Cowboyteuse Merkel so viele Hüftschüsse abgibt, dass man eigentlich nur noch schnell in Deckung springen kann.

Mal wieder geht es um – Killerspiele. Frau "Ich ertrage Stern-Interviews" von der Leyen will jetzt verbindliche Regeln aufstellen, um Killerspiele zu definieren und diesen den Garaus zu machen:

Extrem gewaltbeherrschte Trägermedien (z. B. Computerspiele, Videos, DVD) sind in Zukunft per Gesetz automatisch für Kinder und Jugendliche verboten. (…) 

Man will auch exekutiv richtig durchgreifen:

Gesetzliche Zulassung von Testkäufen durch die zuständigen Behörden, damit diese besser kontrollieren können (…)

Einen gewissen Sinn für Denunziation hat Frau von der Leyen auch – kein Wunder, ist sie doch CDU-Mitglied:

Initiative zur Umrüstung von Kassensystemen, damit das Verkaufspersonal durch akustische oder optische Warnhinweise auf die jugendschutzrechtlichen Abgabeverbote hingewiesen wird. "Wenn die Spiele dann über die Ladentheke gehen, ist es nicht mehr zu überhören, dass es sich um ein Spiel handelt, das nicht an Jugendliche unter 18 verkauft werden darf", erklärt Bundesministerin von der Leyen. (Quelle: Bundesministerium für HilfewaseinTitel…)

Sagt mal!? Wie wärs mit gesetzlich vorgeschriebenen Videokameras und wöchentlicher Meldepflicht für alle Menschen, die Spiele spielen, die unseren verunsicherten CDU-Granden nicht gefallen? Rallt Ihr eigentlich nicht, dass Eure Forderungen zum Schutz für Zehnjährige ein feister Griff ins prall gefüllt Klo sind? 

Erstens: Kinder, die schon im zarten Alter von zehn Jahren an solche Spiele kommen, haben Eltern, denen das sowieso scheißegal ist. Ich möchte wetten, dass Papa zu Weihnachten dann gerne auch das Splatter-Spielchen auf seinen Ausweis nimmt. 

Zweitens: Jeder Depp kann sein Spiel im Internet kaufen. Oder bimmeln dann auch Alarmglöckchen irgendwo im Bundesminis… diesem Dings mit dem langen Titel? Oder an Schäubles Rollstuhl? Wie kontrolliert Amazon eigentlich den Ausweis meiner Tochter, wenn sie irgendwann über meinen Account Spiele bestellt?

Drittens: Sollen die Ein-Euro-Jobber auf den Schulhöfen jetzt auch Schultaschen durchschnüffeln? Wenn nein, dann haben Sie ein Problem, Frau voll der Ursel. Denn Schulhöfe sind schlimmer als jede Tauschbörse, von wegen Gruppenzwang, Reiz des Verbotenen und so…

Womit wir bei viertens wären: Tauschbörsen. EMule mit Ausweiskontrolle? Muahahahaha! Ich leg mich weg! Ich hau mich hin! Und da gibt es die ganz harten Versionen, liebe Frau Bundesministerin. 

Das Einzige, was Sie erreichen, ist, dass sich der Bezug dieser Spiele vom Handel (auch bei Erwachsenen) auf Internet und illegale Angebot verlagern wird. Aber Sie brauchen ja auch nur die rückläufige Verkaufsquote, um ihren "Erfolg" belegen zu können. Hahaha! Ich komme drauf zurück, das verspreche ich Ihnen. Und dann werden ich weiterlachen, über Ihre traurige Symbolpolitik.

Denn eigentlich, folgt man einer unbefriedigenden UNICEF-Studie, sollte man Eltern verbieten. Also mich. Und meine Frau. Verbieten. Einfach so. Wegmachen. Puff. In Luft auflösen. Ursel von der Leyen verschränkt die Hände vor der Brust wie die bezaubernde Jeannie und zwinkert neckisch mit ihren Rehäuglein, während sie zackig mit dem Kopf nickt. Palimpalim. Dann wären alle Probleme weggezaubert. Wie die "Killerspiele".

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3 Gedanken zu “Eltern verbieten!

  1. Bei dem was so die letzten Tage von unseren Politikern zu lesen war, habe ich es auch einfach aufgegeben! *weiße Fahne*

    Eigentlich kann man da wirklich nur sagen:
    „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten!“

    Können die sich nicht um wirklich wichtige Probleme kümmern? Den Dingen mal auf den Grund gehen?

    Aber vielleicht auch ganz lustig, denn nach deren Definition von „Killerspielen“ und deren Folgen, müssten wir uns doch schon zum gemeinsamen Bomben bauen treffen und virtuelle den Sturm des Ministerium und ganz Bayerns vorbereiten, oder etwa nicht?

    Machen wir? Machen wir doch nicht?
    Nein, machen wir nicht! Schließlich können wir noch unterscheiden was real und was Fiktion ist *lol*

  2. hokey du übersiehst das naheliegende. wenn man die „killerspiele“ verbietet, die deutsche spieleindustrie zerstört und alle in die tauschbörsen treibt, so hat man ein paar große vorteile.
    deutsche staat hat dann schliesslich *alles* (lol) dafür getan, das jugendliche vor gewalt geschützt werden. aber das böse, böse internet macht alle anläufe zunichte. somit hat man eine prima basis um das internet stärker zu überwachen bzw zu zensieren. vielleicht gehen die jugendlichen dann auch wieder verstärkt an die frische luft um ihre wut loszuwerden. sprich man heut halt dem nachbarsjungen paar aufs maul, statt einfach ein paar monster abzuballern. und siehe da, schon hat man wieder den nachweis dafür, das die jugend durch killerspiele total versaut wurde.

    mittlerweile geht es dabei auch nicht mehr nur um ego-shooter, sondern betrifft fast jedes spiel in dem gewalt auftaucht. soweit ich die diskussion verfolgt habe, müsste z.b. auch world of warcraft demnächst in deutschland verboten werden, da gewalt im mittelpunkt des spieles steht.

  3. Man müsste erst mal definieren, was „Gewalt“ überhaupt ist. De facto bewegen sich da lediglich bunte Bildpunkte – ist das etwa Gewalt? Doch nur ein [i]Abbild[/i] von Gewalt, oder?

    Ist es Gewalt, wenn man „Tekken“, ein Box-Sportspiel oder möglicherweise nur einen Boxmanager spielt? Ist es Gewalt, wenn ich meine Abwehrreihe beim Fußballmanager auf „Blutgrätsche“ einstelle? Ist das Brettspiel „Risiko“ nicht voller Gewalt? Was ist mit Pen&Paper? Wieviele (un-)schuldige Wesen mein Halbork da schon weggemetzelt hat…

    Ich bin überzeugt, viele Killerspiele-Maulaufreißer sind in der Realität weitaus gewalttätiger als die meisten Computerspieler. Egal ob direkt, indem sie ihren Kindern mal ordentlich eins hinter die Löffel geben oder „indirekt“ durch Mobbing, Intrige und Lüge. Von diesen tauben Nüssen lasse ich mir nicht sagen, was „Gewalt“ ist und was nicht.

    Was ist mit überhaupt wirtschaftlicher Gewalt? Ist es etwa statthafter, Jugendliche in Wirtschaftssimulationen zu Raubtierkapitalisten zu erziehen?

    Die Diskussion ist so überflüssig wie lächerlich. Symbolpolitik. Ohne Wirkung. Geldverschwendung. Zeitverschwendung. Meine Stimme bekommt keiner von denen. Keiner, der ernste Probleme nicht ernst nimmt, und bei jedem Kleinkram in hektischen Aktionismus verfällt.

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