Krieg. Facebook. Echo.

Mit der Wahrscheinlichkeit, dass die persönlichen Probleme Trumps größer werden, wächst die Gefahr eines handfesten Krieges zur Ablenkung von innenpolitischen Problemen unter vorgeschobenen, erlogenen Begründungen. Die deutschen Regierungen haben bisher immer gut daran getan, sich aus diesen Konflikten herauszuhalten. Sie sollte es auch diesmal tun.

Facebook.

Alles richtig gemacht hat auch Mark Zuckerberg. Musste mich während meiner Arbeitsphase als studentische Hilfskraft mit der Forschung zu Skandalen auseinandersetzen. Grundkonsens war: Es ist nahezu gleichgültig, wie schwerwiegend der Skandal ist; solange man reumütig öffentlich zu Kreuze kriecht und Besserung gelobt, wird die Öffentlichkeit dir armem Kerl fast alles verzeihen. Das haben Zuckerbergs Berater offensichtlich auch gelesen. So kommt er ungeschoren aus der Sache heraus und kann weitermachen wie bisher. Andererseits: Wer als Facebook-User nach all den Änderungen der Nutzungsbedingungen nicht geschnallt hat, dass man williges Manipulationsobjekt ist, dem ist auch nicht mehr zu helfen. (Aber man kann ja nie wissen, vielleicht hat ja das Teilen von Protestbildchen geholfen…)

Echo.

Werde langsam wieder zum Campino-Fan. War ja schon letztens ganz angetan, und auch zum Echo gibts es +1 von mir für Campinos Worte gegen Antisemitismus. Kann das nicht verstehen, dass es da nun eine Generation gibt, die sich in breiter Masse geschmacklosen antisemitischen Texten hingibt. Schlimm genug, dass das in dem seriösen Feigenblatt des Springer-Verlages, der Welt, auch noch verteidigt wird.

Dort argumentiert Autor Dennis Sand mit einem Strohmannargument:

Auf diesem Song rappt Farid Bang: „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen / Ich tick‘ Rauschgift in Massen, ficke Bauchtaschenrapper.“  Ein Wie-Vergleich, mit dem er aussagen will, dass Bang, erklärter Fitnessfanatiker, einen sehr geringen Fettanteil, also einen definierten Körper hat. […]

Kein 14-Jähriger würde im Jahr 2018 auf die Idee kommen, dass ein Kollegah tatsächlich Tonnen von Kokain vertickt und Frauen für sich anschaffen lässt.

Nein, das behauptet niemand, für so klug halten wir unsere Jugendlichen in der Regel schon. (Sand seine Welt-Leserschaft offensichtlich nicht, sonst müsste er die Zeile nicht erklären.) Aber: jeder 14-Jährige lernt, dass es absolut preisverdächtig ist, wenn man die Opfer des Vernichtungslagers Auschwitz herabwürdigt. Geil! Hätten wir das Tabu auch endlich gerissen! Und das in einer Zeit, in der Parteien in den Bundestag einziehen, deren Mitglieder in nicht unerheblichem Ausmaß den Holocaust leugnen und in der der Antisemitismus immer häufiger unverhohlen gezeigt wird.

Bin ja so gar nicht drin im Hip-Hop. Gibt es da niemanden, der ähnliche Strahlkraft hat, wie früher Die Ärzte, Die toten Hosen oder kleiner Bands wie Wizo? Ist da niemand in der Commuity, der „Arschloch“ schreit oder sich über Nazis lustig macht? Das können doch nicht alles tumbe Bizeps-Proleten sein?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.