Aug 22 2010

Die grauen Männer

Hokey

Große Schreibflaute aktuell. Fragt mich nicht warum und wieso, aber momentan ist bei mir nicht viel mit schreiben. Ich lese Bücher, starre auf mein iPhone, konsumiere Computerspiele und bin von Kopf bis Fuß auf Konsum eingestellt. Bloß nichts machen, bloß nicht denken, bloß nicht aufregen.

Es hätte vor vielleicht zwei Jahren nur eines kleinen Funken bedurft, damit ich auf die Palme gehe, wenn kleine Werbe-Blondinchen-Momos von den „grauen Männern“ gefaselt hätten, weil ihnen das genau diese grauen Männer aufgetragen haben, hätte dem föhnfrisierten Jüngling entgegengeschmettert, dass er die jungen Menschen nicht verunsichern soll, wenn sie sich versichern wollen.

Ich hätte eine wutentbrannte Mail an die Redaktion des Presseclubs geschrieben, dessen hochkarätig besetzte Redaktion es tatsächlich letzte Woche nicht geschafft haben will, in ganz Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern, ein, nur einen Journalisten zu finden, der sich gegen eine Rente ab 67 aussprechen würde. Heute gelingt mir nur ein müdes Kopfschütteln.

Vor zwei Jahren hätte ich mich zornentflammt zum Kiosk begeben, um eine große Tageszeitung mit der Anzeige der Atom-Lobby zu kaufen, um zu dokumentieren, wie schwächlich und verachtungswürdig unsere Regierung auf die Drohungen der Wirtschaft reagieren wird und welche erbarmungswürdigen Gestalten diesen Appell unterschrieben haben.

Ich hätte mir Gedanken über die sogenannte Bildungscard gemacht und mich über Bigotte kaputtgelacht, die bei Google ihre Hauswand tünchen lassen, um, stolz auf ihren Protest, vor der unscheinbaren Standardfassade ihres viereckigen Häuschens in der  lokalen Käsepresse zu posieren.

Gespeit hätte ich, Gift, Galle und Geifer, beim Lesen dieses Artikel der FR (via) über die Praktiken unserer ach so demokratischen westlichen Welt:

Die schwedische Staatsanwaltschaft hat den Haftbefehl gegen den Gründer des Internetdienstes WikiLeaks aufgehoben. Julian Assange werde nicht mehr der Vergewaltigung verdächtig, sagte eine Sprecherin der Behörde am Samstag. Die polizeilichen Ermittlungen würden aber fortgeführt.

Aber ich habe darauf einfach keine Lust mehr, fragt mich nicht warum. Vielleicht weil ich die bittere Erkenntnis nicht los werde, dass die grauen Männer und Frauen immer siegen werden werden.


Jul 28 2010

Keine Sicherheitskopie?

Hokey

buchenwald.de konnte immerhin zum Teil wiederhergestellt werden. Es existieren allerdings nicht für alle Dokumente Sicherheitskopien. Die Online-Ausgabe des Totenbuchs etwa, das die Namen von rund 38.000 Opfern des Naziregimes umfasst, ist verloren. (Spiegel Online)

Wie kann es sein, dass Menschen in mühsamer Handarbeit 38.000 Namen eintippen und Dokumente scannen – und niemand legt wenigstens eine Sicherheitskopie an? Festplatten kosten doch heutzutage wirklich nicht die Welt! Dass die Braunen eines Tages vorbeischauen würden, war doch abzusehen…


Mai 14 2010

Koch, der alte Haifisch

Hokey

Kaum liegt Finanzminister Schäuble im Krankenhaus, kommt der Hessen-Hai herangeschwommen und beißt zu. Als großer und brutalstmöglicher Sparer möchte er dastehen, sich selbst eine Visitenkarte ausstellen für Künftiges. Und als brutalstmöglich gilt man in hessischen CDU-Kreisen offensichtlich immer nur dann, wenn man sich die Schwächsten vorknöpft und an diesen seine Brutalität auslässt: Bei Kinderbetreuung und Bildung will er nun sparen, der eiserne Roland, so wie er bislang auch immer gerne andere Minderheiten verbal verfolgt und für Wahlkampfzwecke instrumentalisiert hat. Und der im Wahlprogramm der NPD wildert. Mich würde dagegen viel mehr interessieren, was Koch gegen die verbrecherische Großfinanz in seinem schönen Frankfurt unternimmt?


Apr 15 2010

Pendelminister

Hokey

Zu Guttenberg wird zum Pendler zwischen Afghanistan und Deutschland. Bei jedem Flug kann er ein paar Zinksärge mehr mitnehmen. Während er jedoch immer gesund zuhause ankommt, reisen seine Soldaten per One-Way-Ticket in den Tod. Schon wieder vier tote Soldaten in Afghanistan. Was man allerdings nicht vergessen sollte, bevor jetzt alle in Panik ausbrechen: Wer freiwillig Soldat wird, nimmt den Tod (im wahrsten Sinne des Wortes) in Kauf. Geld gegen Risiko. Ein Auslandseinsatz mit der Bundeswehr -  das ist eben wie eine entschärfte Variante russisches Roulette.


Apr 8 2010

Globales

Hokey

Zu den in den Starter-Versionen fehlenden Funktionen nannte Capossela ein paar konkrete Beispiele. So könne das abgespeckte Word selbst komplexe Dokumente anzeigen, aber keine Makros ablaufen lassen. Außerdem sei es nicht möglich, Inhaltsverzeichnisse automatisch zu erzeugen oder Kommentare in Dokumente einzufügen. (Heise)

MS Office minus Kommentarfunktion =  OpenOffice installieren. OpenOffice kann nämlich durchaus Kommentare aus doc(x)-Dokumenten anzeigen und auch eigene Kommentare einfügen, wozu dann kostenlosen, funktionskastrierten M$-Werbeschrott? Dieser ganze Formatblödsinn geht mir sowieso mächtig auf den Keks. Jedes regulär käufliche Blatt Papier wird DIN-mäßig reglementiert, aber digitale Dokumentformate gibt es wie Sand am Meer, sodass ich – obwohl ich echt nicht erst seit gestern einen Computer besitze – manchmal mit Formaten zu kämpfen habe, die keines(!) meiner drei Textverarbeitungsprogramme (MS Word, OO Writer und Apples Pages) kennt. Die Oberkrätze kriege ich bei diesen wps-Dokumenten, die anscheinend von Microsoft Works produziert werden, welche aber von Microsofts Word schon nicht mehr geöffnet werden können. Weg damit, weg damit. „Ab mit seinem Kopf!“

Upps. Da bin ich wohl bei „Alice im Wunderland“ gelandet. Habe zum ersten Mal einen 3D-Film gesehen und war schon bei der Vorschau völlig baff, und eigentlich muss ich mich demnächst unauffällig unter das junge ToyStory-Publikum mischen, um den 3D-Effekt noch einmal bei einem ausgewachsenen Trickfilm bestaunen zu können, denn dort scheint 3D noch besser zu wirken als bei Filmen mit Schauspielern aus Fleisch und Blut. Gleichwohl Alice auch oder ganz besonders dreidimensional eine entzückende Figur macht und besser gar nicht hätte besetzt sein können, was auch die Synchronstimme betrifft. Und Johnny Depp als Hutmacher ist natürlich ein Volltreffer und hat ganz anders gespielt, als ich es aus der Vorschau erwartet hätte. Ein feiner Film, mit oder ohne drei Dimensionen, würde ich jederzeit wieder schauen.

Wiederschauen – Stichwort für die Autoindustrie, die bald mehr Autos zurückrufen muss, als sie produzieren kann: Schon wieder müssen vermutlich Millionen Autos wegen verrosteter Bremsen zurückgerufen werden. Ja holla, sechs Millionen Mal Schrott verbaut – jetzt interessiert mich doch noch eines: Wo hat man diese Bremsen denn produziert? Nachtigall, ick hör’ die Globalisierung mal wieder trappsen…

… global haben aber nicht nur die Autobauer Qualitätsprobleme, auch die katholische Kirche stümpert weltweit von einer Dummheit in die nächste – und dürfte mittlerweile auf der Bösewichtskala irgendwo zwischen Hannibal Lecter und Freddy Krueger oszillieren. Erst diese Osteraktion (“Heiliger Vater, das Volk Gottes ist mit Dir und wird sich nicht von dem unbedeutenden Geschwätz dieser Tage beeinflussen lassen”, Stern), Prügelvorwürfe an dem erhabensten aller Bischöfe Mixa, und heute verweist Fefe auf eine Sauerei ohnegleichen. Der Bischof von Teneriffa „blames children abuse on the children“.

So. Genug für heute. Morgen ist ja die Trauerfeier für die drei gefallenen Soldaten, die während dieses… ähm… umgangssprachlich „Krieg“ genannten Einsatzes ums Leben gekommen sind. Wir nähern uns der Wahrheit in Trippelschritten, aber wir nähern uns ihr. Bald darf es Krieg heißen, es kann nicht mehr lange dauern. Guttenberg nimmt als Repräsentant der Bundesegierung an der Trauerfeier teil. Die BILD-Zeitung schickt übrigens auch jemanden: Angela Merkel.


Mrz 30 2010

Oceans 2010

Hokey

Finanzkrise, Casino-Überfälle am laufenden Band und Tunnelgräber in Banktresoren. Die Sache ist klar: Alles deutet darauf hin, dass die aktuellen Verbechen von den Kinomachern inspiriert worden sind.

Beginnen wir mit den Verbrechern in den Banken: Kaum ist die Yuppie-Kinowelle mit ellenbogengestählten Erfolgstypen wie Michael-Douglas, Demi Moore oder Tom Cruise, flankiert von unzähligen Nebenrollen-Yuppies mit Hundeknochen-Handys, abgeebbt, da hat sich auch schon die Generation der Kinogänger auf die reale Bankenwelt gestürzt und imitiert ihre armseligen Vorbilder bis zum knappen Weltbankrott.

Damit nicht genug, etabliert sich aktuell eine weitere der Kinokultur entnommene Verbrechenskultur: Der Casinoraub. Nachdem harte smarte Typen es vor wenigen Jahren in der Oceans-Trilogie kultiviert haben, sind plötzlich Casino-Überfälle schwer en vogue, und auch das Tunnelbuddeln, ein Relikt guter alter Lucky-Luke-Comics, kommt wieder in Mode. Tankstelle war gestern, heute wird filmreif überfallen – was bleibt einem auch, wenn schon überall Überwachungskameras hängen?

Was kommt als Nächstes? Orks und Vampire prägten die jüngsten Kinojahre…


Feb 20 2010

Ich sag ja gar nix.

Hokey

Dieses Mal macht es gar keinen Spaß, über Olympia zu meckern und über verrotzte, aufgeputschte Biathleten herzuziehen. Auch das Nichtbeachten der sportlichen “Großereignisses” im Blog vorzuzeigen, reizt mich nicht wirklich, und das kann man getrost auch auf weitere Ereignisse ausdehnen, die sich aktuell abspielen. Dass z.B. neben Raabs Kandidaten für den Eurodingenskirchencontest die Hand voll Katzenjammerer bei “Deutschland sucht den nächsten Auszulutschenden” jetzt schon einen Klassen- und Charismaunterschied machen, der sich gewaschen hat, bleibt unerwähnt. Zum Gepolter um Helene Hegemann verstumme ich. Der Pilotenstreik juckt mich nicht die Bohne und ob Verdi Mitarbeiter unter Tarif bezahlt, soll andere Hunde wecken. Zu Westerwelle ist alles gesagt. Dass Jürgen Rüttgers sich Gesprächstermine landesfürstlich entlohnen lässt, überrascht nicht und muss ungesagt sein, die Griechenlanspleite wird in Stille beobachtet, die Flutung der Kölner U-Bahn stumm erwartet.

Ist doch alles wie immer.


Feb 1 2010

Eine neue Kultur digitaler Kommunikation?

Hokey

iPad. Fantasielos, aber simpel, wie alles bei Apple: ein großes iPhone ohne Telefonfunktion. Der Computer wird im Wesentlichen auf seine Funktionen reduziert – demnächst wischen wir also mit unseren Fingern über Glasdisplays, sofern wir das nicht schon beim iPhone tun. Und so wie es aussieht, hat Springer mit seinen kostenpflichtigen Apps auf das richtige Pferd gesetzt: Wer ein solches Tablet-Schätzchen sein Eigen nennt, wird an Nachrichten und andere Informationen auf Dauer nur herankommen, wenn er die kostenpflichtige App dafür gekauft oder abonniert hat, womit all das Gejammere über die Kostenlos-Mentalität sich in Wohlgefallen auflösen wird. Es ist traurig, aber wahr: Wie auch schon bei den Musikdownloads hat Apple die Nase vorn, weil Apple etwas anbietet, anstatt zu jammern. Gleichzeitig wird der Nutzer immer mehr zum Konsumenten und kann selbst immer weniger Einfluss nehmen.

Das Ganze geht so weit, dass man bei der FAZ philosophiert, ob die Entwicklung hin zu iPhone und iPad nicht sogar eine neue “Kultur digitaler Kommunikation” einführt, bei der – losgelöst von Tastatur und Entwicklertools – ein geschlossenes System die Bahnen vorgibt, auf denen wir kreisen, um den Preis der Kreativität. Letzteres mag fraglich sein, jeoch muss ich zugestehen, dass ich einen Beitrag wie diesen niemals auf dem iPhone tippen würde.  Spannend ist auch die Frage, wie die Generationen mit dem Netz umgehen werden, die unter Umständen den guten alten Desktop-Computer nur noch als Erbstück von Opas Schreibtisch kennenlernen? Wo werden die Generationen von jungen Computerspezialisten bleiben, wenn sie tagtäglich mit ihren Fingern über iPads wischen und Facebook-Neuigkeiten checken, statt Facebook zu hacken?

Oder werden die iPads einfach im Laden liegenbleiben und als Flop auf dem großen Müllhaufen der Technikgeschichte landen?


Jan 23 2010

Quittung

Hokey

Ach wie schön, endlich kann ich wieder einen Artikel aus Firefox heraus schreiben – denn mit dem Sprung auf Version 3.6 scheint Firefox wieder eine schnelle Alternative zu Opera und Safari zu sein. Vorher war der Seitenaufbau bei Firefoc ja eher… hm… träge. Jetzt paddelt er nicht mehr, jetzt surft er wieder! Habe auch gestern erst die Video-”Ausleih”-Funktion bei iTunes entdeckt und gesehen, dass man da viele tolle Filme für relativ wenig Geld ausleihen kann. Finde ich gut, werde ich demnächst öfter mal nutzen – es erspart einem die Enttäuschung schon verliehener Filme in muffigen Videotheken, in die man auch die Tochter nicht gerne mitnehmen möchte. Kennt vielleicht jemand noch eine weitere Alternative?

Ein kurzer, aber unvermeidlicher Austritt in die Politik. Ich kenne da einen FDP-Wähler, der mir vor der Wahl erzählt hat, wer weiß wie wenig Lobbypartei die FDP wäre und wie toll die Wirtschaftskompetenz der Partei wäre, und mit Besserverdienern nichts am Hut hätte und… und… und nun sammele ich. Fleißig. Jedes kleine Gesetz, jede kleine Entscheidung, jede Spende, jedes Gerangel um (wirklich) freidenkendes Personal. Und wir stehen erst am Anfang.

Aber ich will keinen jammern hören, der die Mövenpick-Partei gewählt hat. Und auch die stolzen Nichtwähler sollen weiterhin brav die Zähne zusammenbeißen und das stumme Maul nur öffnen, um zu schlucken, was die gelb-schwarze Hornisse ihnen zu fressen gibt. Jetzt bekommt ihr vier Jahre eure Quittung und ich will das voll auskosten.


Jan 9 2010

Drama! Drama!

Hokey

Oh Gott! HILFE! Ziegengrippe, Schweinegrippe, Pferdegrippe, Quallengrippe, Shrimpsschnufpen und nun noch DAISY! Wir werden alle sterben, niemand das Jahr 2010 überleben, der Golfstrom wird versiegen, Putin Weltherrscher und Berlusconi Europakanzler. Gigantische Schneewehen werden unser weißes Grab sein, aus dem die wenigen Überlebenden unsere virenzerfressenen Körper eines Tages  ausbuddeln müssen, um unsere von Krankheiten ausgezehrten Körper in tiefen, strahlungs- und virensicheren Stollen zu verfrachten, damit die Menschheit vor uns sicher ist. Wilde Eisbären werden ab nächster Woche Bruno rächen und Pinguine auf unseren Straßen dazu feiern. Kriegerdenkmäler werden vom Frost zerrissen und stattdessen Gedenktafeln für Meteorologen aufgerichtet werden. Ben Wettervogel wird unser Nationalheld sein und der Schlittenbau Deutschlands wichtigste Schlüsselindustrie. Merkel wird zur Eissäule erstarren und Leichtmatrose Westerwelle mit seinem Narrenschiff in der Nordsee für ewig eineisen – wie auch immer: Der totale Untergang droht uns heute, jetzt, in diesem Augenblick!

“Drama” ist das Stichwort einer zweitklassigen Pro-Sieben-Werbefigur für Billigtelefonie: “Drama” ist leider auch das Stichwort unserer ach so seriösen Nachrichtenvermittler. Ich muss sagen, “Drama” verliert schwer an Reiz. Und die Nachrichtenschwätzer aller Kanäle sollen doch endlich mal wieder den Ball flach halten.