11. April 2012

Der ungestüme Lärm verklingt – die Debatte um Grass’ Gedicht scheint sich etwas abzukühlen und immer mehr besonnene Stimmen wagen sich nun von verschiedenen Seiten aus dem Verdeck, nachdem doch die Brüllaffen keinen Dreck mehr finden, den sie nicht schon geworfen hätten. Ich empfehle hier einmal den Oeffinger Freidenker (inklusive Kommentare), der streckenweise ziemlich genau das geschrieben hat, was ich mir auch zu diesem Thema gedacht habe. Was für eine erbärmliche journalisische (und politische) Schlammschlacht sich da in den letzten Tagen abgespielt hat – ich spare mir die bösen Metaphern, die gerade auf meiner Tastatur tanzen.

Mal was anderes: Die Kaltmamsell hatte sich in den letzten Wochen ein wenig mit dem Thema “Introvertiertheit” beschäftigt und tatsächlich findet man da viele schöne Denkanstöße (Link 1, Link 2, Link 3). Ich fühle mich ja auch eher dieser Sorte Mensch zugehörig. Ein kurzes Zitat als Appetizer muss genügen:

Ein echter Augenöffner! Endlich fühle ich mich verstanden. Ich bin also kein Freak – wo ich mich doch immer seltsam fühlte, weil ich einerseits mit Leidenschaft und Energie Vorträge halte und präsentiere, (…) doch mich in Wirklichkeit bei Small Talk immer wie eine schlechte Schauspielerin fühle, gesellige Anlässe aktiv meide und sie in meinem Leben zur absoluten Ausnahme mache.

Habe durch meinen kurzen Spanien-Aufenthalt den Espresso für mich entdeckt, nachdem mir nach meiner Ankunft in Deutschland plätzlich morgens die deutsche Padbrühe nicht recht über die Lippen wollte. Habe mir daraufhin für 30 Euro eine Bialetti Brikka besorgt und koche mir jetzt damit meinen Kaffee. Der schmeckt jetzt wieder voll und kräftig und nicht nach Wasser.

Kinder, Kinder

Hui – das Nuf wagt sich an ein heißes Thema:

Dann hat das Ganze in mir gearbeitet und ich habe meine Meinung inzwischen komplett geändert und ich fordere: Ja! Schafft die Kleinkindabteile ab! Schafft sie ab! Ich will keine Extrawürste für Familien mit Kindern mehr. Ich will, dass die Gesellschaft Kinder akzeptieren lernt. Dass die Menschen lernen aufeinander Rücksicht zu nehmen. Dass es akzeptiert wird, dass Kinder ein bißchen lauter sind als Erwachsene.(…)

(…) wie seltsam es ist, Kinder in eigene Abteile zu schließen, schwant einen, wenn man andere Abteile eröffnet. Behindertenabteile (ist doch toll!), Altenabteile (super!), Frauenabteile (grandios!), Abteile für Ausländer (Applaus!), …

Die Idee mit den Rentnerabteilen fände ich gar nicht schlecht, immerhin trifft man besonders in Zügen häufig Rentnerweibchen, die ghettoblasterbewehrt ihre Mitmenschen mit Andrea-Berg-Musik und derber Alkoholfahne belästigen, Sekt und Schnaps auf dem Boden verschütten und mit ihrem gackernden Gejohle auf allerlei Nerven herumtanzen. Da sind mit laute Kinder tausendmal lieber. Die lernen das mit der Rücksicht nämlich vielleicht noch.

Kein Schnee im Februar

Seit Längerem mal wieder ein arbeitsfreies Wochenende gehabt, Fünfe gerade sein lassen und einfach mal nichts gemacht. Virtuelle Maschinen vom Mac heruntergelöscht; ich brauche weder eine Windows-VM noch eine Linux-VM.

Widme mich ein wenig dem Fotografieren, sofern es die Zeit zulässt, und habe vor einer Woche versucht, die „blaue Stunde“ zu nutzen, da die Lichtverhältnisse im Winter oft eher mager sind. Leider fehlt mir noch ein Stativ, um auch bei weniger Licht längere Belichtungszeiten und höhere ISO-Werte nutzen zu können. Würde mich ja sonst gerne mal mit einer 30-sekündigen Belichtungszeit im Dunkeln auf die Autobahnbrücke stellen. Bei der Gelegenheit bin ich natürlich noch auf der Suche nach Fotoblogs. Zwei schöne habe ich schon gefunden: Das von Jeriko und The Sartorialist.

Vorgestern acht Acta-Demonstranten durch Bielefeld laufen gesehen, vielleicht war das ja nur die Nachhut einer viiiel größeren Demo. In anderen Städten sollen ja durchaus tausende unterwegs gewesen sein.

Ach ja, da war ja noch der Sauerland, den man in Duisburg nun abgewählt hat, was ich für ein ausgezeichnetes Signal halte, dass man politische Fehltritte eben nicht einfach aussitzen kann, wie der unauffällige Herr Wulff das versucht. Umso lustiger, dass ausgerechnet der Wulff Sauerland einst an seine politische Verantwortung erinnerte.

 

Der Ton, der Ton…

Es gibt dieses schöne Sprichwort: Der Ton macht die Musik. Und es ist so wahr…

Der „Ton“ muss dabei nicht immer das gesprochene Wort meinen. Das fiel mir erst gestern auf dem Bielefelder Weihnachtsmarkt wieder einmal auf, denn dort hatten sich militante Vegetarier, Tierschützer, Weiß-der-Geier-welcher-Ideologie-sie-frönten zusammengefunden und demonstrierten mit über die ganze Breite der Einkaufspassage aufgespannten Bannern für mehr Liebe zum Fest: Man solle doch auf dem Teller anfangen und auf Fleisch verzichten.

Sowas ist für mich doch immer glatt ein Grund, gleich die nächste und billigste Dönerbude zu besuchen, um dort einmal „Döner blutig, am besten lebendig“ zu bestellen. Dabei könnte ich es mir durchaus vorstellen, mich vegetarisch zu ernähren, aber wenn mir einer so blöde und im falschen Ton daherkommt, dann schon aus Protest nicht. Mehr Ruhe und Verzicht auf Missionarismus würde manchen Bewegungen besser stehen, als solch ein plump-sporadischer Aktionismus.

Reaktionen auf Sony-Panne

Dieser eine einleitende Absatz eines Spiegel-Artikels sagt schon alles:

In den USA gab ein Unterausschuss des Repräsentantenhauses eine Untersuchung des Falls in Auftrag, mehrere US-Staatsanwälte haben begonnen, sich mit der Angelegenheit zu befassen, und eine US-Anwaltskanzlei hat in Kalifornien bereits eine Sammelklage gegen Sony angemeldet. Auch deutsche Politiker und Datenschützer sind empört.

Während in den USA gehandelt wird, empören sich beim Thema Datenschutz in Deutschland bestenfalls politisch Randständige. Ach, was soll’s! Sind ja nur meine Daten, die da jetzt in kriminellen Kreisen kursieren… anständige Menschen haben ja keine Playstation, mit der sie ihre Zeit verblödeln…