Aug 25 2010

Facebook-Verbot

Hokey

Oh Mann, manchmal sendet die Politik Signale, die nicht nur unglaublich hilflos, sondern auch noch derart unsinnig sind, dass man nicht wirklich einschätzen kann, ob die das aus Absicht machen oder weil sie einfach absolut realitätsinkompatibel sind. Ich tippe auf Ersteres. Ein schönes Beispiel ist aktuell das „Facebook-Verbot“ für Arbeitgeber. Die sollen soziale Netzwerke nicht mehr dazu nutzen dürfen, um Informationen über Bewerbungskandidaten zu sichten. Oho – da werden die Arbeitgeber aber zittern! Und sich ganz gewiss dran halten. Ehrenwort


Aug 23 2010

9/11-Doku

Hokey

Gestern lief eine beeindruckende Dokumentation über 9/11 auf einem der öffentlich-rechtlichen Sender, ich glaube, im Rahmen der Reihe ZDF-History. Das Interessante an dieser Doku sind nicht zahllose Verschwörungstheorien und Detailanalysen, sondern das puristische Gegenteil: Die Doku bedient alleine sich des Materials all der Menschen, die am 9.11.2001 ihre Kameras auf Süd-Manhattan gerichtet hatten und blendet zwischendurch immer wieder auch den Funkverkehr der Rettungskräfte ein – immer mit Untertitel. Der Spannungsbogen reißt, dank der Imposanz des Ereignisses und einem geschickten Schnitt sowie der fast unmerklichen Hintergrundmusik, nicht ab.

Dabei geht die Doku chronologischen vor und es kommt, abgesehen von dem Schauder, den dieses Ereignis immer noch hervorzurufen imstande ist, zu wirklich überraschenden Momenten und neuen Einsichten. Da ist die Familie, die aus sicherer Entfernung ihre Kamera auf ein Stativ platziert hat, um das Grauen zu filmen. Plötzlich tönt aus dem Off überrascht die erste Erkenntnis: “Ich glaube, ein Turm ist eingestürzt.” Eine halbe Stunde später wieder Überraschung: “Oh, beide Türme sind verschwunden.”

Die Kinnlade fiel mir dann runter, als ein Kameramann sich nach dem Einsturz des Südturms in das eingestürzte Gebäude wagt und im Foyer auf einen geschäftigen Feuerwehrmann trifft: “Man hat uns gesagt, die Spitze sei eingestürzt. Hier war alles voller Glas und Staub. Ich bin der Letzte hier.” Da überlebt dieser Mann im Zentrum des Orkans einen Gebäudeeinsturz gigantischen Ausmaßes und scheint nicht einmal zu ahnen, dass alleine schon wegen der Staubwolke, die dieser Einsturz verursacht hat, halb Manhattan auf der Flucht war.

Apropos Staubwolken: Diese alleine auf O-Töne zurückgreifende Dokumentation zeigt deutlich, wie sich Ängste gerieren. Von Beobachtern wurden Ähnlichkeiten mit Atompilzen ausgemacht und nicht wenige schienen besorgt zu sein, dass radioaktives Material die Luft verseuchen würde. Menschen, bedeckt von einer zentimeterdicken Staubschicht, hatte ich auch nicht mehr so im Gedächtnis. “Ich bin 69 und kann immer noch rennen.”, stellt ein staubbedeckter Mann fest. Andere wollen den Krieg, sofort, diese Araber, alle sollen sie dran glauben, jetzt.

Auch wenn die Ordnungshüter bisweilen sehr bemüht waren, Filmer und Kamerateams vom Ort des Geschehens fernzuhalten, so war ich ihnen am Ende doch dankbar für diesen multiperspektivischen Blick auf das Geschehen am 9.11.2001.


Aug 22 2010

Die grauen Männer

Hokey

Große Schreibflaute aktuell. Fragt mich nicht warum und wieso, aber momentan ist bei mir nicht viel mit schreiben. Ich lese Bücher, starre auf mein iPhone, konsumiere Computerspiele und bin von Kopf bis Fuß auf Konsum eingestellt. Bloß nichts machen, bloß nicht denken, bloß nicht aufregen.

Es hätte vor vielleicht zwei Jahren nur eines kleinen Funken bedurft, damit ich auf die Palme gehe, wenn kleine Werbe-Blondinchen-Momos von den „grauen Männern“ gefaselt hätten, weil ihnen das genau diese grauen Männer aufgetragen haben, hätte dem föhnfrisierten Jüngling entgegengeschmettert, dass er die jungen Menschen nicht verunsichern soll, wenn sie sich versichern wollen.

Ich hätte eine wutentbrannte Mail an die Redaktion des Presseclubs geschrieben, dessen hochkarätig besetzte Redaktion es tatsächlich letzte Woche nicht geschafft haben will, in ganz Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern, ein, nur einen Journalisten zu finden, der sich gegen eine Rente ab 67 aussprechen würde. Heute gelingt mir nur ein müdes Kopfschütteln.

Vor zwei Jahren hätte ich mich zornentflammt zum Kiosk begeben, um eine große Tageszeitung mit der Anzeige der Atom-Lobby zu kaufen, um zu dokumentieren, wie schwächlich und verachtungswürdig unsere Regierung auf die Drohungen der Wirtschaft reagieren wird und welche erbarmungswürdigen Gestalten diesen Appell unterschrieben haben.

Ich hätte mir Gedanken über die sogenannte Bildungscard gemacht und mich über Bigotte kaputtgelacht, die bei Google ihre Hauswand tünchen lassen, um, stolz auf ihren Protest, vor der unscheinbaren Standardfassade ihres viereckigen Häuschens in der  lokalen Käsepresse zu posieren.

Gespeit hätte ich, Gift, Galle und Geifer, beim Lesen dieses Artikel der FR (via) über die Praktiken unserer ach so demokratischen westlichen Welt:

Die schwedische Staatsanwaltschaft hat den Haftbefehl gegen den Gründer des Internetdienstes WikiLeaks aufgehoben. Julian Assange werde nicht mehr der Vergewaltigung verdächtig, sagte eine Sprecherin der Behörde am Samstag. Die polizeilichen Ermittlungen würden aber fortgeführt.

Aber ich habe darauf einfach keine Lust mehr, fragt mich nicht warum. Vielleicht weil ich die bittere Erkenntnis nicht los werde, dass die grauen Männer und Frauen immer siegen werden werden.


Jul 27 2010

“Ja,ja” heißt “Leck mich am Arsch!”

Hokey

“Ja,ja” heißt “Leck mich am Arsch!” – das ist ein Spruch, in dem viel Wahres steckt. Wenn er auch in dieser Form eher auf Baustellen gegenüber faulen Azubis fallengelassen wird, so hat er ein politisches Äquivalent, auf das wir diesertags in Duisburg stoßen. Konfrontiert mir den offensichtlich massiven Warnungen vor einer Loveparade in Duisburg äußert Bürgermeister Sauerland folgendes:

Es gebe bei der Planung solcher Veranstaltungen immer kritische Stimmen, die man auch immer sehr ernst nehme. (Süddeutsche)

Wir nehmen kritische Stimmen immer sehr ernst, so lernt man als politisch wacher Bürger, heißt schlichtweg nichts anderes als: Kritiker, leckt mich am Arsch. Grüne Grütze möchte einem auch hochkommen, wenn wahr sein sollte, was der SZ-Artikel weiterhin berichtet:

Vor allem [...] Polizeipräsident Rolf Cebin hatte sich wegen Sicherheitsbedenken heftig gegen die Austragung der Loveparade gewandt. Daraufhin soll der Duisburger CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg nach SZ-Informationen in einem Brief an den damaligen FDP-Innenminister Ingo Wolf die Absetzung des Polizeipräsidenten gefordert haben. (ebd.)


Jul 24 2010

Tatsachen

Hokey

Die Banken bestehen den Stresstes und Lance Armstrong fährt immer noch bei der Tour de France mit. Die Post kann jetzt auch E-Mail. Bücher kauft man heuer am besten immer noch auf Papier. Die CDU will die Presse auf gemeinsame Inhalte verpflichten und lanciert probehalber Vorschläge an die Öffentlichkeit, Hartz-IV-Empfänger statt auf 45 doch eher auf 25 qm Wohnraum unterzubringen. Die Entscheidung darüber überlässt man gnädigerweise den klammen Kommunen. Auch Frauen machen asoziale Politik. Ich habe die nicht (nicht-)gewählt. Tatsache.


Jul 16 2010

Ihr habt sie (nicht)gewählt – schmeckt eure Medizin!

Hokey

Die Pläne der Bundesregierung, das Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger zu streichen, gehen weiter als bislang bekannt. Mit einem geringeren staatlichen Zuschuss müssen auch Mini-Jobber und Paare rechnen, die den sogenannten Kinderzuschlag erhalten.(…)

Nicht gekürzt wird dagegen bei Personen mit einem Nettoeinkommen von mehr als 2770 Euro. Sie erhalten weiter den Höchstbetrag an Elterngeld in Höhe von 1800 Euro.(Süddeutsche)

Da! Fresst, Ihr Nichtwähler! Schluckt das, Ihr schwarz-gelben Freunde. Euch gilt mein Mitleid nicht. Ich hoffe, sie kürzen euch noch viel mehr, damit ihr das nächste Mal eure breiten Ärsche wahlsonntags hochbekommt.


Jul 15 2010

Proporzpöstchen

Hokey

„Alles für das Land“ – das ist doch nur Politpalaver! Alleine, dass die neue Ministerpräsidentin Kraft darauf geachtet hat, die Landes-Pöstchen paritätisch auf die Geschlechter zu verteilen, zeigt doch, dass es nicht um das Land, sondern bis ins Letzte um Proporz geht. Mehr Frauen als Männer oder umgekehrt wären da glaubwürdiger gewesen. Jetzt stinkt alles nach Ausgewogenheitspolitik. Bloß keinem wehtun, bloß nicht anecken. Wie will man mit einer solchen Haltung politische und gesellschaftliche Probleme in Angriff nehmen? Mir gehen die beiden Damen jetzt schon gehörig auf den Senkel, obgleich deren politische Richtung mir eher liegt als die der schwarzen Vorgänger.

Naja, erstmal abwarten und Tee trinken…


Jul 11 2010

5 Jahre Lovecraft und anderer Unsinn

Hokey

Oh Mann, ich bin zu gut für diese Welt. Ohne zu flattrn oder flashige Werbebanner sitze ich jetzt freiwillig hier auf diesem Schreibtischstuhl und schwitze mir für euch das letzte bisschen Wasser aus dem Körper. Eigentlich sollte ich im Planschbecken der Tochter liegen und mir ein kühles Getränk durch die Kehle rinnen lassen, aber Bloggen verpflichtet…

Durch Hinweise von Herrn Rau bin ich zuletzt auf H.P. Lovecraft gestoßen, habe einige Geschichten gelesen und mich gefragt, wie man das nur als Rollenspiel spielen kann. Zufällig habe ich gestern jemanden auf einer Geburtstagsfeier getroffen, der mehrere Jahre Lovecraft-Rollenspiel gespielt hat und, trotz Kenntnis anderer Rollenspiele wie AD&D, DSA & anderen, berichtete, dass das Lovecraft-Rollenspiel das beste gewesen sei, das er je gespielt hätte. Und dabei hat seine Gruppe beeindruckende fünf Jahre jede Woche an einer größeren Kampagne gespielt in der immergleichen Stadt.

Fünf Jahre, das ist eine komplette Bundespräsidenten-Amtszeit. Dabei ist mir gestern eingefallen, was mich an der Wulff-Präsidentschaft so stört: Hatte ich bislang immer den Eindruck, egal ob bei Weizsäcker, Herzog, Rau oder Köhler, dass das Amt wirklich ein Ehrenamt ist, das nur charismatischen oder verdienten Politikern vorbehalten bleibt, so ist es mit der Wulff-Präsidentschaft vom höchsten Amt zum einfachen Pöstchen degradiert worden. Zum teuren Gnadenbrot für chancenlose Ministerpräsidenten, die den Gipfel ihrer Karriereleiter erreicht haben. Das letzte Amt mir Würde wurde machtpolitisch verschachert. Jetzt ist es beschädigt, erst jetzt. Hoffen wir, dass Wulff trotzdem die Kurve kriegt.

Ach, und falls ihr demnächst den freundlichen Steffen Seibert in der Glotze seht, vergesst nicht, dass der Kerl jetzt für die schwarze Seite der Macht arbeitet. Irgendwie behagt mir Politik in letzter Zeit nicht recht. Hier in NRW versucht jetzt eine rot-grüne Minderheitenregierung ihr Glück, aber wenn ich die beiden regierenden Damen sehe, grummelt es mir im Magen. Fragt mich nicht warum, aber ordentlich Politik traue ich denen irgendwie nicht zu… wem eigentlich noch?

Immerhin wollen sie die Studiengebühren und die Kopfnoten abschaffen. Ersteres wird den Studenten wieder ein wenig Luft verschaffen, die dank schwarz-gelb wieder einmal leer ausgehen und keine Bafög-Erhöhung bekommen, während gleichzeitig ein sogenanntes Eliten-Förederprogramm finanziell gebuttert wird. Dass gerade im Bildungsbereich die „Elite“ zumeist eine Herkunftselite und keine Leistungselite ist, verschweigt uns die liebenswürdige Frau Schavan. Immerhin hält sich die christlich-demokratische Politikerin brav an ein biblisches Diktum: Wer hat, dem wird gegeben. Wut und Zorn dazu bei Feynsinn.

Und noch etwas ganz anderes: Wer die „Reader“-Funktion in Safari noch nicht ausprobiert hat, der sollte das schleunigst einmal tun! Dank dieser surfe ich mittlerweile wieder mehr mit Safari als mit Firefox.


Jun 25 2010

Nur heute: Großer Nazi-Vergleiche-Ausverkauf

Hokey

Mann Leute, selbst dass die britische Yellow-Press ständig schlechte WKII-Vergleiche und irgendwelche Stahlhelm-Bildmontagen ausbuddelt, halte ich für einfallsloser als einfallslos, aber wenn schon deutsche Blogger damit anfangen… muss doch wirklich nicht sein. Es ist ein Fußballspiel, bei dem 22 bis an den Rand gedopte Männer 90 Minuten hinter einem Ball herrennen. Nicht mehr, nicht weniger. Dabei sollten wir es belassen.

Die Blogosphäre erlebt sowieso gerade eine schwache Stunde: Die Faz sperrt ein Blog und auf Twitter herrscht prompt großes Krakeele. Schon wieder kursiert ein Nazi-Vergleich, diesmal von Sixtus gestreut. Dachte immer, der wäre gebildet, aber leider vergleicht er das Sperren des Blogs mit der nationalsozialistischen Bücherverbrennung und hundert Idioten zitieren das auch noch. Man muss das Vorgehen der FAZ ja nicht gut finden, aber ein wenig Augenmaß beim Suchen von Vergleichen wäre nicht verkehrt.

Besser gefällt mir die Replik bei Tagesschau.de auf Angela Merkel: Wer lebt denn hier über seine Verhältnisse? Diesmal ohne Nazi-Vergleich.


Jun 14 2010

Kann nicht

Hokey

Merkel kann nicht mit Koch.
Merkel kann nicht mit Seehofer.
Merkel kann nicht mit Westerwelle.
Merkel kann nicht mit Guttenberg.
Merkel kann nicht mit Köhler.
Merkel kann nicht mit Sarkozy.
Merkel kann nicht.