Wenn die CDU sich nicht zu schade ist, Kofferschieber (Bundesfinanzminister Schäuble) und dubiose Bargeldzahler (Bundespräsident Wulff), von verlogenen Erfindern jüdischer Vermächtnisse (Bundesinnenminister Kanther) ganz zu schweigen, in ihren Reihenzu dulden, dann sollte sie solche lächerlichen Debatten über wilde Ehen lieber schnell beenden. Sonst könnte man glatt auf die Idee kommen, ihr derbe übers Maul zu fahren.
Category Archives: Politik
In Wahrheit niemandes Präsident
Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, diese Sache mit Gauck: Man hätte 30 Tage Zeit gehabt, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Trotzdem zieht man binnen kürzester Zeit ausgerechnet Joachim Gauck aus dem Hut, den, der besonders der Bundeskanzlerin täglich vor Augen führen muss, dass die SPD vor anderthalb Jahren den besseren Kandidaten aufgestellt hatte. Gleichzeitig macht sie den Kotau vor dem blassen Vorsitzenden einer herabgewirtschafteten 3%-Partei, die ihrerseits Gauck nur als Mittel zum Zweck missbraucht, die Kanzlerin mit einem Koalitionsbruch zu erpressen. SPD und Grüne feixen sich eins, schließlich ist ihr taktisches Kalkül mit Verspätung doch noch aufgegangen – ob Gauck aber wirklich der Präsidentschaftskandidat ihrer Wahl ist, ist umstritten. Und die Linke kann mit Gauck schon gar nichts anfangen.
Was uns als Bürgern bleibt, ist die Folgerung, dass Gauck in parteipolitischer Hinsicht in Wahrheit niemandes Präsident ist. Was kein schlechtes Zeichen sein muss. Was mir an Gauck gefällt, ist, dass er den Eindruck macht, dass er wirklich Lust auf diese Aufgabe hat und sie augenscheinlich nicht bloß als logischen Schritt seiner Karriereleiter betrachtet. Wie er die Präsidentschaft inhaltlich gestaltet, das bleibt abzuwarten. Einige Blogger und Twitterer beschreien schon den Untergang des Abendlandes. Ich denke, wir sollten einfach einmal in Ruhe abwarten, was da kommen wird.
Kein Schnee im Februar
Seit Längerem mal wieder ein arbeitsfreies Wochenende gehabt, Fünfe gerade sein lassen und einfach mal nichts gemacht. Virtuelle Maschinen vom Mac heruntergelöscht; ich brauche weder eine Windows-VM noch eine Linux-VM.
Widme mich ein wenig dem Fotografieren, sofern es die Zeit zulässt, und habe vor einer Woche versucht, die „blaue Stunde“ zu nutzen, da die Lichtverhältnisse im Winter oft eher mager sind. Leider fehlt mir noch ein Stativ, um auch bei weniger Licht längere Belichtungszeiten und höhere ISO-Werte nutzen zu können. Würde mich ja sonst gerne mal mit einer 30-sekündigen Belichtungszeit im Dunkeln auf die Autobahnbrücke stellen. Bei der Gelegenheit bin ich natürlich noch auf der Suche nach Fotoblogs. Zwei schöne habe ich schon gefunden: Das von Jeriko und The Sartorialist.
Vorgestern acht Acta-Demonstranten durch Bielefeld laufen gesehen, vielleicht war das ja nur die Nachhut einer viiiel größeren Demo. In anderen Städten sollen ja durchaus tausende unterwegs gewesen sein.
Ach ja, da war ja noch der Sauerland, den man in Duisburg nun abgewählt hat, was ich für ein ausgezeichnetes Signal halte, dass man politische Fehltritte eben nicht einfach aussitzen kann, wie der unauffällige Herr Wulff das versucht. Umso lustiger, dass ausgerechnet der Wulff Sauerland einst an seine politische Verantwortung erinnerte.
Spott, wem Spott gebührt
Ah,bei der FAZ wagt sich endlich mal einer aus der Deckung und versucht, eine Lanze für Heveling zu brechen, kaum dass der „Schlachtenlärm“ verklungen ist. Was Michael Hanfeld jedoch misslingen muss, angesichts des unerträglichen Texts, den Heveling da verbrochen hat. Trotzdem stilisiert er Hevelings Geseier zu einem Debattenbeitrag:
Man brauche selbstverständlich eine Debatte über Freiheit, Demokratie und Eigentum im Netz, aber diese werde seines [Hevelings] Erachtens oftmals nicht so offen geführt, wie es einer demokratischen Gesellschaft fromme. (FAZ, Anmerkung durch mich)
Oh, die offenen Debatten gibt es – man muss sich nur die Mühe machen, sie zu suchen und zu finden, wie z.B. diesen Spreeblick-Artikel zur GEMA von 2007. Der billig heruntergeschluderte Text Hevelings trägt jedoch wenig zur Erhellung seiner Position bei, wirkt alles andere als „offen“ und hatte offensichtlich genau nicht das Ziel, eine offene Debatte anzuregen. Hanfeld beklagt in seinem Kommentar das mangelnde Niveau der „Netzgemeinde“ (und macht sich Hevelings plumpe Verallgemeinerung zu eigen), doch wer so unbedarft in den Wald hineinbrüllt, der weiß, dass er zurückschallen wird. Nicht zu vergessen die gesellschaftliche Position Hevelings in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft: Von einem Abgeordneten, dessen Profession es sein sollte, Fragen sachlich (sowohl inhaltlich als auch formal!) und stilsicher zu beantworten, erwartet man, dass es zu mehr reicht, als dem Dreschen von hohlen Phrasen. Spott, wem Spott gebührt. Mehr hat Heveling einfach nicht verdient.
Was Hanfeld ganz nebenbei bei seinem Rant gegen die „Netzgemeinde“ zu erwähnen vergisst, ist, dass es eben nicht nur „Knallchargen aus dem Web 2.0“, sondern auch seine Kollegen von der Süddeutschen, der Frankfurter Rundschau, der taz oder auch dem Spiegel sind, die Hevelings Erguss unsäglich bis lächerlich fanden. Schade, dass er da auf einem Auge blind ist.
(Nachtrag: Auch CSU-Mitglied Dorothee Bär ist Hevelings Ausfluss peinlich. Dagmar G. Wöhrl, ebenfalls CSU, steht dem in Nichts nach. )
Nicht die Hevelings, der Wähler ist schuld
Dieser Heveling-Beitrag, ein Kommentar zum Fremdschämen. Mit allem, was dazugehört: Peinlicher Rhetorik, übertriebenen Bildern, billiger Effekthascherei, schweren kulturell-historischen Missgriffen – es gibt hinreichend Fünfzehnjährige, die diesen 39-jährigen Bundestagsabgeordneten in Grund und Boden schreiben könnten. Man vergleiche einmal den Text dieses zweifach examinierten Juristen mit dem der 24-jährigen Piratin Marina Weisband, die noch an ihrem Diplom tüftelt.
Ein peinlicher Mischmasch aus dem „Herrn der Ringe“, einer missverstandenen Französischen Revolution, Pseudointellektualität, einer lächerlichen Kriegsrhetorik und Verunglimpfung der Piratenpartei. Was man von der Polemik gegen die Piraten halten muss, zeigt schon der Vergleich des intellektuellen Nieveaus der beiden oben verlinkten Texte, auch wenn CDU-Abgeordnete ihn für “brillant” halten mögen. Hevelings Text ist zum Lachen und zum Weinen zugleich.
Und für mich war es genau dieser Moment zwischen Lachen und Weinen, zwischen Lachtränen und Kopfschütteln, der die ganze Misere der deutschen Politik in aller Klarheit zum Ausdruck gebracht hat: Schuld sind nicht alleine bräsige Politker, die ihr Amt intellektuell überfordert; Schuld sind nicht in Großvaters Fußstapfen wandernde Polit-Youngsters oder zukunftsängstliche Konservativamateure. Schuld sind auch faule, dumme Wähler, die sich aus Bequemlichkeit nur bei Sonnenschein zur Wahlkabine begeben, ihre Kandidaten nicht einmal per Namen kennen und wählen, was Mama und Papa schon gewählt haben. Schuld sind Wähler, die Wahlplakate bestaunen und nicht Inhalte begutachten. Ihr habt die Hevelings dieser Nation gewählt. Und aufgestellt, liebe CDU. (Es sei ein kurzer Hinweis auf einen schönen Artikel der Süddeutschen erlaubt, der das Missverhältnis zwischen dem Internet und der Bundesregierung auf den Punkt bringt).
Das Schlimme an diesem Fall Heveling ist, dass man als der so großspurig von Heveling geforderte „Citoyen”, also als politischer Staatsbürger, mit dem Eindruck zurückgelassen wird, dass Politiker wie Heveling eben keine Politiker sind und sich eben nicht für das Staatswesen, die Gesellschaft interessieren, sondern Politik alleine als Vehikel zu besseren Pfründen begreifen. Eines der meistgetweeteten Bilder ist nicht umsonst das Hevelings auf der aktuell stattfindenden Musikmesse MIDEM in Cannes, umgeben von Gema- und DMV-Größen. Da wullft wohl einer, muss man denken. Als ob ein Wulff alleine nicht reichen würde.