David Haye – mal wieder ein boxerischer Tiefpunkt

Ich sollte in Erwägung ziehen, zukünftig Boxkämpfe im Fernsehen einfach zu vermeiden. Das hat doch alles keinen Sinn mehr. Wenn nicht gerade ein Klitschko im Ring steht, kann man mittlerweile eigentlich davon ausgehen, dass bei jedem (sogenannten) Kampf ein schlechtes Geschmäckle bleibt. Das war schon immer bei den zahllosen Valuev-„Siegen“ so, und das war auch gestern beim groß angekündigten Haye-Kampf so. Haye, der ja als einziger potentieller Klitschko-Gegener mit guter Chance gehandelt wird, hatte sich im Vorfeld mit seinem Gegner Harrison harsche Wortgefechte geliefert, beide hatten große Töne gespuckt und am Ende?

Am Ende staden sich zwei Boxer gegenüber, die beide zwei Runden lang überhaupt keine Lust hatten zu kämpfen. Am wenigsten Lust hatte dann letztlich der 39-jährige Haye Harrison, der sich in der dritten Runde nach den ersten Haye-Attacken auf den Boden warf, wieder aufstand, nach weiteren Attacken vom Ringrichter aus dem Kampf genommen wurde und so sein Geld leicht verdient hatte. Haye kann nun seinen Kampfrekord damit „schmücken“, seinen Gegner nach drei Runden besiegt zu haben. Ich fand’s enttäuschend und lächerlich. Eines Weltmeisters unwürdig. Letzte Hoffnung: Klitschkos.

Analysten der Banken versagen erneut

Brasilien wird nicht Weltmeister. Mal wieder haben die Analysten versagt. Und lasst mich raten: Fußballspiele zu tippen, ist leichter, als globale Finanzströme zu berechnen…

Deutlich umfangreichere Studien kommen von Goldman Sachs, UBS und Commerzbank. Beispiel Commerzbank: Auf 16 Seiten analysieren die Experten Weltranglistenplatzierung, Turnierbilanz und beachten sowohl Heim- als auch Kontinentvorteil. Das Ergebnis deckt sich mit dem der Deka: Brasilien gewinnt im Finale gegen Spanien und wird Weltmeister. UBS und Goldman schließen sich an: Brasilien! (Capital.de)

Nur heute: Großer Nazi-Vergleiche-Ausverkauf

Mann Leute, selbst dass die britische Yellow-Press ständig schlechte WKII-Vergleiche und irgendwelche Stahlhelm-Bildmontagen ausbuddelt, halte ich für einfallsloser als einfallslos, aber wenn schon deutsche Blogger damit anfangen… muss doch wirklich nicht sein. Es ist ein Fußballspiel, bei dem 22 bis an den Rand gedopte Männer 90 Minuten hinter einem Ball herrennen. Nicht mehr, nicht weniger. Dabei sollten wir es belassen.

Die Blogosphäre erlebt sowieso gerade eine schwache Stunde: Die Faz sperrt ein Blog und auf Twitter herrscht prompt großes Krakeele. Schon wieder kursiert ein Nazi-Vergleich, diesmal von Sixtus gestreut. Dachte immer, der wäre gebildet, aber leider vergleicht er das Sperren des Blogs mit der nationalsozialistischen Bücherverbrennung und hundert Idioten zitieren das auch noch. Man muss das Vorgehen der FAZ ja nicht gut finden, aber ein wenig Augenmaß beim Suchen von Vergleichen wäre nicht verkehrt.

Besser gefällt mir die Replik bei Tagesschau.de auf Angela Merkel: Wer lebt denn hier über seine Verhältnisse? Diesmal ohne Nazi-Vergleich.

Überschriften sind doof

Während die Demoskopen Spitzenplätze nur noch an CDU und CSU-Köpfe verteilen, zumindest in den Top-of-the-Pop-Rankings, gibt Feynsinn der SPD anlässlich einer Meldung des DIW bezüglich Reichen- und Erbschaftssteuer eine volle Breitseite. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte auch noch so viel Wut im Bauch, um solche Polemiken zu schreiben, aber die SPD ist mir eigentlich nur noch gleichgültig. Soll sie doch den Bach runtergehen mit ihren ganzen Agenda-Fatzkes, Ausschussbehinderern und CDU-/FDP-Nachäffern.

Denn irgendwie geht doch sowieso alles einfach immer so weiter wie vorher. Die Großkupferten schreien weiterhin nach unendlichem Wachstum und Lance Armstrong fährt Tour de France. Ist wie bei den Banken: Ab einer gewissen kritischen Größe kann man sich offensichtlich alles erlauben. Ich gebe mal eine Prognose, dass auch der BND-Untersuchungsausschuss nicht mehr neu aufgelegt wird, dazu blocken die ehrenhaften Parteien der Mitte viel zu gerne das Recht aus. Bundesverfassungsgericht hin oder her.

Ach! – so langsam bemerken auch ein paar Zurückgebliebene, dass es etwas wie das Internet gibt. Die Post und Zensurursula haben ganz tolle Ideen entwickelt: Die eine will nun E-Mails ausdrucken und zustellen, die andere verlangt, dass man sich Verhaltensregeln fürs Internet ausdenken sollte. Wie gut, dass wie nicht auf sie gewartet haben. Schnarchnasen.

Klitschko gegen Tschagaev

Ha! Eine rechte Gerade an das Kinn des Sauerland-Boxstalls! Nachdem dessen “Boxer” Niklaj Valuev sich 24 Stunden vor dem Kampf gegen Tschagaev, gegen den er schon einmal verloren hat, mit einer fadenscheinigen Ausrede gedrückt hat und der Gegner von Wladimir Klitschko ebenfalls einen Rückzieher machen musste, stand zunächst zur Debatte, ob Valuev nicht gegen Klitschko kämpfen könne. Wiederum war sich der Sauerland-Boxstall um keine Ausrede zu schade – Valuev (Körpergröße 2,13!) könne sich nicht so schnell gegen einen so großen Gegner wie Wladimir Klitschko umstellen.

Tschagaev kann’s. Es kommt jetzt am 20.6.  zum Kampf Klitschko gegen Tschagaev – gewiss ein besserer, als jeder Kirmesboxkampf mit Valuev im Ring je hätte sein können. Ein Sieg für den Boxsport. Soll Valuev doch lieber weiter in der weiten Taiga Wildschweine jagen…