Wir tünchen die Krise!
Dazu fällt mir nichts mehr ein: Ein Rasengrünmal-Service. (via fefe)
Dazu fällt mir nichts mehr ein: Ein Rasengrünmal-Service. (via fefe)
Ilse Aigner, Bundesverbraucherschutzministerin und Parteimitglied der CSU, hat bezüglich der deutschen Banken eine Erkenntnis:
“Einige haben aus der Krise ganz offensichtlich nichts gelernt”, sagte sie am Freitag der Süddeutschen Zeitung. Auf die Mitarbeiter in den Filialen werde zum Teil noch stärker Druck ausgeübt als vor der Krise. “Sie sollen möglichst viele Produkte verkaufen”, sagte die Ministerin. “Man hat offenbar nicht verstanden, dass es darum geht, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.” (SZ)
Frau Aigner sollte sich fragen, wer hier nichts aus der Krise gelernt hat, sondern sich mal an ihre Ministerinnennase packen. Klar, haben die was gelernt, nämlich, dass man bis zum Bankrott Schulden machen kann und es einem der Staat am Ende dann doch hinten und vorne reinschiebt. Wer leider nichts gelernt hat, sind Politiker wie Frau Aigner, die in der nächsten Krise wieder als erste den Banken unsere sauer verdienten Steuergelder in den Schlund werfen und sich wundern, dass niemand seine Lektionen lernt.
“In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken“, sagte Sinn dem Berliner „Tagesspiegel“ (Montagausgabe). „Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager“ (Hans-Werner Sinn laut FAZ)
Und einer, der seinen mäßigen Verstand dermaßen blanklegt, darf sich mit dem Titel “Präsident des IFO-Institutes” schmücken. Argumentativ eins auf die Kappe bekommt der gute Mann bei Ad Sinsistram, obwohl man dazu eigentlich nichts mehr sagen sollen müsste.
Ich dachte immer, Manager, das wären Stehpinkler, Harteier, Rechtsüberholer. Doch jetzt, wo man sie wirklich braucht, entpuppen sie sich als kleine Heulsusen, denen man im Sandkasten das Förmchen weggenommen hat.
Vielleicht hat der gute Herr Sinn seine Worte aber auch mit Absicht so gewählt – ich würde einem mediengestählten Herrn Sinn so etwas durchaus zutrauen – und wir dürfen gespannt sein, wie die Debatte sich entwickelt und was die feinen Damen und Herren in ihrem Windschatten verbergen möchten.
Mein Pseudo-Portfolio hat alleine heute 800.000€ Plus gemacht! Wertzuwachs von zwölf Prozent.
Junge, Junge, was ist los im letzten Quartal des Jahres 2008? Der Dax rasselt durch die Decke, man schürt massenweise Hilflosigkeitspakete (Merkel bürgt fürs Universum), die man den Superreichen, Reichen und Möchtegern-Reichen vorne und hinten reinschiebt, während man gleichzeitig den Ärmsten die Möglichkeiten auf juristischen Beistand beschneidet. Und dann wird auch noch Marcel Reich-Ranicki für seine zu beglückwünschende Absage an das deutsche Qualitätsfernsehen vom Qualitätsleitmedium Spiegel-Online schwer beleidigt.
Mensch, liebe Spon-Redakteure: Copy&Paste könnt ihr! Das habt Ihr doch schon unter Beweis gestellt, da kann es doch nicht so schwer sein, schnell bei den Kollegen von der FAZ oder der SZ zu spicken und den Namen dann richtig hinzuschreiben einzufügen. Oder?
Tja, trotz allem scheint alles noch ganz normal weiterzulaufen. Sogar die Fernsehwerbung für den Superkredit (“Hey! Beseitigen Sie alle Probleme mit nur einem Kredit!!!einseinself!!) läuft munter weiter, als hätte man nichts gelernt. Wait and see. Es wird dem Abguss gegeben, was dem Abguss gebührt.
Trotzdem: Immer wieder tauchen im Fernsehen empörte Menschen auf, die berichten, wie gemein und hinterhältig diese ganzen fiesen Banker seien, die sie um ihre 20.000 €uro €rspartes gebracht hätten mit diesen Lehmann-Zertifikaten. Ich bin ja kein Banker-Freund, aber jetzt mal halblang, bitteschön! Wer den Hals nicht mehr zubekommt, weil ihm da 9-10% Rendite drinstecken, der soll verdammt noch mal bitte sein gieriges Maul halten, wenn der Risikofall eintritt, auf dem die hohe Rendite basiert. Oder was glauben die eigentlich, warum man da mal eben den zehnfachen Zinsatz eines einfachen Sparbuches bekommt? Weil die einem gerne etwas schenken? Sorry, aber da hält sich mein Mitleid in engen Grenzen.
Interessant finde ich diese neue Entwicklung, dass sich alle einig sind und immer schon alles richtig gemacht haben. Vorher waren sich immer alle nur einig darin, alles richtig gemacht zu haben. Nun mutiert die FDP plötzlich zur “Wir-waren-immer-schon-für-Regulierung”-Partei, während SPD und Grüne sich all der Gesetze nicht mehr erinnern können, die sie in ihrer Regierungsphase durch das Parlament gebracht haben. Ausgleichenderweise fällt auch die damalige Vormachtstellung von CDU und FDP im Bundesrat dem Vergessen anheim, sodass lauter kleine Unschuldslämmchen die Staatsorgane bevölkern.
Gestern hat übrigens ein Büchlein eines dieser Unschuldslämmchen das Licht der Welt erblickt: Mehr Kapitalismus wagen: Wege zu einer gerechten Gesellschaft von Friedrich Merz. Das kommt davon, wenn man die ganze Zeit Bierdeckel bekrickelt… in den Abguss damit!
Jetzt suchen sie alle. Während der Schutt sich auftürmt und Asche und Staub noch die Nase verstopfen, machen sie sich auf die Suche. Nach dem Schuldigen, dem Verursacher. Dem, den man ersatzweise seine Wut um die Ohren hauen kann, den man für seine schlaflosen Nächte bestrafen kann, und dem man schon immer mal eins auswischen wollte.
Und dann greift man ordentlich in die Mottenkiste und packt die alten Zinnsoldaten aus. Feindbilder aus alten Zeiten werden aufgetürmt und gegeneinander in Position gebracht. Der Raubtierkapitalismus hat ein Ende, frohlocken die einen, während die anderen ihn gerade jetzt fordern! Noch mehr Freiheit, der Regularismus sei schuld, wenn jetzt die Staaten eingriffen, sei erst recht Schicht im Schacht. Außerdem hätten die Kommunisten ja schon einige Staatsbankrotte hinter sich gebracht, die sollten mal hübsch still sein. Die Heuschrecken werden zertreten, freut man sich auf der Gegenseite.
So liegen sie in ihren im 19. Jahrhundert gebuddelten Schützengräben, den Stahlhelm feste aufgedrückt, den Blick feste aufs Panier ihrer Ideale gerichtet. Ideale. Idealtypisches Denken, null Realitätswahrnehmung. Dass der ideal gedachte Markt nur eine Idee ist, fällt ihnen nicht ein, dass der ideal gedachte real existierende Sozialismus nur im Reich der Ideen funktioniert, haben sie nicht gemerkt.
Weil sie auch den Menschen idealtypisch zu denken scheinen, weil sie paradiesisch denken, als hätte Gott uns nie aus dem Garten Eden vertrieben. Sünde kennen sie nicht; Machtstreben, Gier, Eifersucht, Neid und Hass, das kennen sie alles nicht – nur ihr Ideal, das sie nicht einmal bereit sind aufzugeben, wenn ganze Bankentürme vor ihren Augen in der selbstgefluteten Sintflut versinken. Hoffen wir, dass auf dem Ararat niemand nach Mose rufen wird. Hoffen wir lieber auf den Regenbogen.
Bei solchen Meldungen verspüre ich als Bielefelder den unwiderstehlichen Drang, schnell mein Geld umzutauschen:
Bielefeld. Mit der Mitteilung, dass der Vorstandsvorsitzende der Bank, Reinhard Eikel, tot ist, wurden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den 24 Geschäftsstellen der Bielefelder Volksbank gestern Morgen geschockt. Eikel (52) hat sich das Leben genommen. (Neue Westfälische)
Achten wir jetzt im Rahmen der Bankenkrise mehr auf Banker-Suizide, oder ist das ein Alarmsignal?
Gold? Schweizer Franken? Dosenbohnen?
Eine solche Finanzkrise habe es noch nie gegeben, erklärte Kanzlerin Merkel im Bundestag. Doch kein Sparer müsse um seine Einlagen fürchten, versicherte sie abermals: „Diese Erklärung gilt.“ (faz.net)
Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen. Und haben diese Typen von der HRE nicht auch vor einigen Monaten noch große Töne gespuckt? Was mache ich denn jetzt mit meinem vielleicht bald wertlosen Geld? Gestern wollte ich ja noch Dosenbohnen kaufen, um Ackermännlein eins auszuwischen, aber mittlerweile stehe ich ja auf dem Standpunkt, mich an Mehdorn für all meine Verspätungen zu rächen.
Ich werde also auf den Börsenstart der Deutschen Bahn warten, alle Bohnen in Bahnaktien investieren und ihr dann das Hartmütchen kühlen! Ha – das wird ein Spaß!
Manchmal schreibt der Zufall köstliche Geschichten: Während sich in Island der erste Staatsbankrott ankündigt, winken CDU und SPD den Einsatz der Bundeswehr im Inneren durch. Natürlich nur wegen 9/11 und Terror und so. Ist das eigentlich ein “besonders schwerer Unglücksfall“, wenn die Leute demnächst scharenweise ihr Geld von der Bank holen wollen?
Aber immer mit der Ruhe, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Irgendwo höre ich immer “Ermächtigungsgesetz”, doch keine Sorge: Parlament und Bundesrat sind durchaus noch aktiv und wach. Ich hoffe, wir werden das jetzt ohne Burgfrieden erleben, wie die Opposition der Regierung die Zehen plattrampelt.
In Island wird es jetzt kalt, mindestens so kalt wie die Fließbänder bei Opel und BMW. Russland wärmt sich derweil die Hände an den Ölreserven, die in Krisenzeiten mehr Brennwert haben, als all die erfundenen Aktienpakete zusammengenommen. Hoffen wir, dass der Winter nicht allzu kühl wird, sonst regiert demnächst Zar Schröder I. von Gazprom unser Deutschland.
Doch bis dahin wurschtelt weiterhin Angela Merkel mit eiskaltem Händchen. Zack! Und schon wieder ein paar Soldaten mehr in Afghanistan. So einfach geht das.Spart Heizkosten im kommenden Winter, macht unabhängiger von Russland und demonstriert Stärke und Einsatzbereitschaft. Außerdem können die kein Geld von der Bank abholen, solange die da drüben sind. Sichert irgendwie auch den Bankenstandort Deutschland. Aber pssss… hier herrscht “Pflicht zum Optimismus“… also diese pessimistischen Ergüsse ja nicht weitergeben… ist ein heißes Thema.
Aber die sollen mal alle machen! Ich kaufe mir jetzt erst mal beim Aldi ein paar Tonnen Dosenbohnen, und wenn der Aktienkurs der Deutschen Bank so richtig am Boden ist, kaufe ich damit alle Aktien auf und entlasse Josef Ackermann mit goldenem Arschtritt. Eiskalt, doch immerhin käme das einer moralischen Wertsteigerung der Deutschen Bank von 25% gleich.