Ein Posten unter vielen

Heute Abend werden wir live am Fernsehgerät erleben dürfen, wie einmal mehr ein untragbarer Politiker sich durch seine Eskapaden hindurchlarvieren wird. Wir werden erleben, wie eine Kanzlerin das alles als nicht besonders bemerkenswert erachten wird. Wir werden eine lahme Ente im Schloss Bellevue sitzen haben, die bestenfalls noch gehaltvolle Reden zur Eröffnung von Kindergärten und Schützenfesten halten kann. Der Filz der schnöden Tagespolitik hat nun – dank Wulff – endlich auch das Amt des Bundespräsidenten erreicht. Wie frisch wirkte dagegen der steife Köhler, der doch immer wieder mit mutigen Worten gegen seine Partei überraschte…

Mit dem heutigen Tag wird Wulffs Klammern am Amt und das Hinnehmen dessen durch seine Partei das Zeichen dafür sein, dass die politische Klasse selbst die Achtung vor dem höchsten politischen Amt im Staate aufgegeben hat. Ab heute wird es nur ein Posten unter vielen sein.

Karrierist for Bundespräsident

Dass Christian Wulff, aktuell zugegebenermaßen nicht ganz erfolgloser Ministerpräsident in Niedersachsen, sich für das Amt des Bundespräsidenten zur Verfügung stellt, zeigt einmal mehr, wie wenig sich die politische Klasse für das Machen, für das Handeln, schlicht: für die Gesellschaft und ihre Menschen interessiert. Denn mit Christian Wulff wird das erste Amt im Staate zum ersten Mal zum höchsten Amt für Karrieristen. Oder aus welchem Gund sonst sollte ein Ministerpräsident sein mit politisch großem Gestaltungsspielräumen ausgestattetes Amt aufgeben, um einen Posten als deutscher Grüßonkel anzunehmen; warum sich aus der aktiven Politik herausziehen und sich dem passiven Redenschwingen zuzuwenden; warum das Gestalten hingeben für ein wenig Klinkenputzen in Schloss Bellevue, wenn nicht alleine für den „Aufstieg“, den Lebenslauf?

Offensichtlich scheinen Wulff die Belange „seines“ Landes nicht mehr besonders zu interessieren, die Karriere, der nominelle Aufstieg, geht vor. Und so einer wird ernsthaft als Bundespräsident aller Deutschen vorgeschlagen?

Wie eine beleidigte Leberwurst das Amt beschädigt

Wie auch immer man ein Amt beschädigen können soll – ich zweifle schwer daran -  aber wenn es jemand beschädigt haben sollte, dann doch der, der als im Amt befindlich über die grundlegendsten Grundsätze dieses Amtes leichtfertig hinwegformuliert hat. Vermutlich nicht einmal aus böser Absicht, sondern eher aus pragmatischem Realismus. Aber die Kritiker haben es gewiss nicht beschädigt, denn Kritik – und überdies Kritik an Kriegseinsätzen -  ist für eine Demokratie evident! Wenn ein (ehemaliger) Bundespräsident seinen demokratischen Kritikern so haltlos über den Mund fährt, dann erst hat er sein Amt entweder missverstanden oder gar beschädigt.

Nichtsdestotrotz wird der Bundeshorst einer der wenigen bleiben, die an der richtigen Stelle auch mal nicht unterschrieben haben. Trotz schwarz-gelber Grundlage war er beileibe nicht der schlechteste Bundespräsident, den man sich vorstellen konnte. Bei Twitter gerüchtet man, Roland Koch… bruuuha… das will ich nicht zuende tippen.