Undemokratische Methoden

Neeee. oder? Unser Kofferfinanzminister hat nicht wirklich empfohlen, die Wahlen in Griechenland zu verschieben? Und heute lese ich die Schlagzeile, man wolle deutsche Beamte in Griechenland zum Steuereintreiben einsetzen? Himmel hilf! Bei so viel unbotmäßiger Einmischung braucht man sich über Nazi-Vergleiche nicht mehr wundern.

Schlimm auch; die Behörde, die auch einst Schäuble in seiner Zeit als Innenminister unterstand, macht durch Totalüberwachung von sich reden:

Im Jahr 2010 wurden dem Zeitungsbericht zufolge mehr als 37 Millionen E-mails und Datenverbindungen überprüft, weil darin bestimmte Schlagwörter – etwa Bombe – vorkamen. (…) Trotz der Überwachung habe es nur in 213 Fällen tatsächlich verwertbare Hinweise für die Geheimdienste gegeben. (Süddeutsche)

Auch Begriffe wie „Atom“ oder „Rakete“ wurden gescannt.

 

Scheinheiligkeit

Wenn die CDU sich nicht zu schade ist, Kofferschieber (Bundesfinanzminister Schäuble) und dubiose Bargeldzahler (Bundespräsident Wulff), von verlogenen Erfindern jüdischer Vermächtnisse (Bundesinnenminister Kanther) ganz zu schweigen, in ihren Reihenzu dulden, dann sollte sie solche lächerlichen Debatten über wilde Ehen lieber schnell beenden. Sonst könnte man glatt auf die Idee kommen, ihr derbe übers Maul zu fahren.

In Wahrheit niemandes Präsident

Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, diese Sache mit Gauck: Man hätte 30 Tage Zeit gehabt, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Trotzdem zieht man binnen kürzester Zeit ausgerechnet Joachim Gauck aus dem Hut, den, der besonders der Bundeskanzlerin täglich vor Augen führen muss, dass die SPD vor anderthalb Jahren den besseren Kandidaten aufgestellt hatte. Gleichzeitig macht sie den Kotau vor dem blassen Vorsitzenden einer herabgewirtschafteten 3%-Partei, die ihrerseits Gauck nur als Mittel zum Zweck missbraucht, die Kanzlerin mit einem Koalitionsbruch zu erpressen. SPD und Grüne feixen sich eins, schließlich ist ihr taktisches Kalkül mit Verspätung doch noch aufgegangen – ob Gauck aber wirklich der Präsidentschaftskandidat ihrer Wahl ist, ist umstritten. Und die Linke kann mit Gauck schon gar nichts anfangen.

Was uns als Bürgern bleibt, ist die Folgerung, dass Gauck in parteipolitischer Hinsicht in Wahrheit niemandes Präsident ist. Was kein schlechtes Zeichen sein muss. Was mir an Gauck gefällt, ist, dass er den Eindruck macht, dass er wirklich Lust auf diese Aufgabe hat und sie augenscheinlich nicht bloß als logischen Schritt seiner Karriereleiter betrachtet. Wie er die Präsidentschaft inhaltlich gestaltet, das bleibt abzuwarten. Einige Blogger und Twitterer beschreien schon den Untergang des Abendlandes. Ich denke, wir sollten einfach einmal in Ruhe abwarten, was da kommen wird.

Chisora vs. Klitschko

690 Euro sollte eine Karte kosten, so berichtete die Reporterin live aus der Halle, bevor sie Timo Glock interviewte, der sich den Spaß für fast 700 Euro gönnte. Der Kampf war wider Erwarten spannend – Chisora war der verdiente Gegner Klitschkos, nachdem er gegen Helenius um seinen Sieg betrogen worden war. Für Helenius hätte ein schwacher Kampf gegen Klitschko womöglich eine längere Warteschleife bedeuten können.

Im Ring sah man dann einen Vitali Klitschko, der gegen den agilen und konditionsstarken Chisora deutliche Probleme hatte. Die Linke kam fast nie, was Klitschko nach dem Kampf mit einer Verletzung erklärte, und zwischen den Runden 5 und 7 musste man wirklich Sorge haben, dass der Kampf ein unschönes Ende für Klitschko nimmt. Zu müde und ideenlos wirkte der Weltmeister, der sich überwiegend im Rückwärtsgang befand und vor den Attacken Chisoras flüchtete. Dieser steckte die harte Rechte mehr als einmal ungerührt weg und brachte Klitschko seinerseits mit wilden, unpräzisen Schwingern in Bedrängnis, aber nicht wirklich in Gefahr.

So war das Ergebnis, ein Punktsieg Klitschkos, am Ende nicht verwunderlich. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass der ältere der boxenden Brüder langsam den Zeitpunkt für den Ausstieg finden muss. Dafür hat David Haye sich wieder ins Gespräch gebracht: Auf der Pressekonferenz nach dem Kampf lieferten sich Chisora und Haye eine Prügelei. Auch wenn diese Art der PR sehr geschmacklos ist, wird daraus wahrscheinlich daraus ein sehr interessanter Kampf im Schwergewicht erwachsen.

Generation Contentdiebe

Begriffe wie „Allianz“ sind in meinem Kopf ja semantisch irgendwo in Richtung „Todesstern”, „Versicherung“, „Rebellion“ – also mit nix Gutem – belastet, dass es mich nicht wundert, dass auch nix Gutes bei der Forderung dieser Allianz, das ACTA-Abkommen zu unterzeichnen, herauskommt, und sie ganz tief in der Klischeeschublade grabbelt, wenn sie gleich mehrere Generationen des Contendiebstahls bezichtigt:

Gerade bei einer Generation, in der viele ohne jedes Unrechtsbewusstsein für »digitalen Diebstahl« aus Schule und Elternhaus in die große Welt des Internets entlassen worden seien, verlange dies viel Aufklärung und vor allem Diskussionsbereitschaft, wie sie die vor knapp einem Jahr gegründete Deutsche Content Allianz bereits bei ihrer Gründung öffentlich angeboten hatte. (Quelle)

Nicht schlecht! Eltern, Lehrer und Kinder gleichzeitig verantworltich zu machen – das wagen nicht viele. Doch kritische Auseinandersezungen mit dieser Presseerklärung gibt es schon genug: Das fängt schon beim Namen an, den Felix aufs Korn nimmt (german inhalte allianz). Sollte man sich merken, falls demnächst jemand von ARDZDF auf die Idee kommt, die deutsche Sprache schützen zu wollen. Stefan Niggemeier verreißt deren Äußerungen gleich komplett und formuliert das Problem der Allianz in einem treffenden Bild:

Sie versuchen, sich vor dem Ertrinken zu bewahren, indem sie sich gegenseitig umklammern und das Wasser beschimpfen.

Dass ausgerechnet die Verwerter sich für Urheberrechte stark machen, stößt auch einigen Urhebern  sauer auf:

Warum spricht die Deutsche Content Allianz von Urheberrechten, und meint Verwertungsrechte?

Da ARDZDF dieser Allianz angehören, dürfen wir keine öffentlich-rechtlich differenzierte Berichterstattung zu Themen wie ACTA mehr erwarten. Das muss nicht schlecht sein, wird es doch zeigen, welches Potential dem Netz ohne Rückgriff auf die Produkte herkömmlicher Medien innewohnt.