Connewitz. Kemper. Kriesel.

Connewitz

Habe ja auch mal Bass in einer Band gespielt und finde es sehr lächerlich, wenn das nun schon als politische Jugendsünde gilt. Andererseits kann ich verstehen, wenn Polizisten sich eher dem rechten Spektrum zuwenden, wenn einer der ihren im Einsatz verletzt wird und die eigene Arbeit zum Dank dafür von linksorientierten politischen Amtsträgern als „ekelhaft“ bezeichnet wird und man die Schuld gefälligst bei sich selbst zu suchen hat. Von Rechts bekommt man erstens keine Schläge und kassiert dann nicht im Nachgang auch noch die verbale Kritik.

Dabei ist das gar nicht so schwer: Wenn da irgendwo ein Mensch herumsteht, egal ob mit Helm oder Irokesenschnitt, dann lasse ich den in Frieden Silvester feiern. Und wenn der arme Kerl sogar noch arbeiten muss, dann biete ich ihm einen alkoholfreien Sekt an – aber eines geschieht garantiert nicht: Ich fühle mich nicht so provoziert, dass ich Streit anfangen, jemanden mit Böllern bewerfen, mit Raketen beschießen oder massiv tätlich werden muss. Polizeistrategie hin oder her.

Wenn man Beispiele für schlechte Polizeiarbeit sucht, dann empfehle ich die letzte Folge von ZEIT Verbrechen: Schreckliches Silvester. Wie das Leben eines unschuldigen Flüchtlings durch unter Druck gesetzte Polizisten im Kontext der überhitzten Debatte um das Silvester 2015 zerstört wurde, das kann man da nachhören.

Kemper

Um Neujahr herum endlich einmal Gelegenheit gehabt, einen Kemper auszuprobieren. Das ist schon eine tolle Kiste, die in unglaublicher Qualität reale Gitarrenverstärker abnehmen („profilen“) und dann wiedergeben kann. Dabei genießt man dann alle Vorzüge des Digitalen: Man kann einen Vox AC30 oder gar einen Marshall JCM 800 auch bei Zimmerlautstärke genießen, ohne dass einem die Ohren bluten. Dazu gibt es noch einen Haufen an internen Effektgeräten von wirklich guter Qualität und man kann sich massenweise kostenlose Profile aus dem Netz herunterladen. Rechnet man den Wert der Verstärker, die das Kistchen bereitstellen kann, zusammen, dann sind die Anschaffungskosten von 1500 – 2500 Euro (je nach Ausführung) gar nicht soo teuer.

Andererseits versprüht die grün-graue Box den kalten Charme einer Beatmungsmaschine im Krankenhaus. Für jede Einstellung muss man sich durch unübersichtliche Menüs quälen. Am Ende wird man bei drei bis vier Hauptsounds landen, mehr realisiere ich mit meinem analogen Board auch nicht. Durch meine Aktivlautsprecher gespielt klang der Kemper schon richtig gut, aber den Druck des 12″-Lautsprechers in meinem Fender Hot Rod Deluxe konnte das nicht ersetzen. Musik hört man ja nicht nur, man fühlt sie auch.

Kriesel

Bin gestern bei dem Vortrag von David Kriesel hängengeblieben, der ein Jahr lang „Spiegelmining“ betrieben hat und auf dem 33c3 davon berichtet. Wer einmal sehen will, wie man mit ganz öffentlichen Daten interne Strukturen und Haltungen offenlegen kann, der sollte sich das einmal anschauen. Wenn man dann noch weiterdenkt, dass über Social Media weitaus mehr solcher öffentlichen Daten abgreifbar sind, dann wird’s richtig gruselig. Und auch die Problematik des Abgreifens „nur“ von Metadaten durch staatliche Behörden thematisiert Kriesel. Gruselig.

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