Schockschwere Not

Da schaut man nichtsahnend aus dem Fenster und dann so was:

Schockschwere Not! Und dann noch Laschet, der jetzt mal – nachdem ihm in den letzten Tagen zu oft der Name „Söder“ genannt wurde – ein langes Wochenende endlich einmal Ruhe haben wollte nachgedacht hat. Man hätte ja nun glauben können, dass Laschet ein wenig in sich kehrt, Argumente abwägt, Lösungen für das Dilemma des endlosen Dauer-Halblockdowns sucht und am Ende mit neuen Ideen oder gewagten Maßnahmen aus der Osterruhe wiederaufersteht. Vom Saulus zum Paulus vielleicht sogar.

Stattdessen: Aufguss des kalten Kaffees. „Brücken-Lockdown“. Was auch immer uns die „Brücke“ suggerieren soll. Schaut man auf die von Laschet vorgeschlagenen Maßnahmen, dann ändert sich eigentlich nichts. Ich weiß ja nicht, was unser Ministerpräsident sich für die Zeit nach Ostern vorgestellt hatte, aber Stand seiner „Brücken-Lockdown“-Idee ist heuer (Quellen 1 und 2):

  • Dauer: lediglich 2-3 Wochen (es sei ja absehbar, dass „schon in ganz kurzer Zeit 20 Prozent, danach 30, 40 Prozent der deutschen Bevölkerung geimpft“ seien)
  • im Bereich Homeoffice müsse mehr getan werden
  • die Gastronomie müsse geschlossen bleiben
  • Freizeitkontakte sollen beschränkt werden
  • zu Schulen und Kitas findet sich m. E. nichts Konkretes.

Abgesehen davon, dass ich von Laschets Mathekompetenzen beeindruckt bin (30 und 40 folgen ja wirklich auf 20), bleibt mir schleierhaft, was für ihn „in ganz kurzer Zeit“ bedeuten könnte. In Laschet-Zeit (365 Tage und bislang nichts dazugelernt) könnte „ganz kurz“ für Menschen mit normaler Lernkurve „ganz schön lang“ bedeuten. Am meisten Bauchschmerzen machen mir diese „2-3 Wochen“. Warum nennt Laschet eine unpräzise Zeitspanne und kein konkretes Zieldatum? Und was soll an diesem Datum erreicht sein? Auf welches Ziel steuern wir zu? Reichen dem Katholiken Laschet ein paar Wochen symbolische Passionszeit zur Läuterung oder wollen wir etwas Konkretes schaffen?

Ich bin gerne bereit, noch zwei Monate richtig hart durchzuziehen, wenn dann endlich die Lage wieder kontrollierbar wird. Aber jetzt für 2-3 Wochen wieder eine dieser Kompromisslösungen durchzuziehen, um dann in vier Wochen auf Deubel komm raus die Inzidenzzahlen wieder hochzujagen, damit wir im Juni erneut halbherzig runterfahren müssen, weil wir mittlerweile eben nicht mehr die Situation wie vor einem Jahr haben, dass die Pandemie vorwiegend in bestimmten Clustern, sondern flächendeckend im ganzen Bundesgebiet verbreitet ist, darin sehe ich wirklich keinen Sinn. Und wie will man mit Gottesdienste feiernden Baptisten oder gar illegal polonaisierenden Covidioten umgehen? Wird die Polizei weiterhin für Fotos mit Querdenkern posieren und lässt sich Demo-Plakate an die grüne Minna kleben? Oder wird man die eigenen Regeln dann auch durchsetzen?

Wenn das so kommt, dass wir auch im Sommer nichts erreicht haben und wegen der kompromisshaften Halbherzigkeit hinter die Ergebnisse aus dem letzten Sommer zurückfallen, dann hole ich nämlich auch irgendwann meine Fackel raus.

5 Gedanken zu “Schockschwere Not

  1. „Ich bin gerne bereit, noch zwei Monate richtig hart durchzuziehen, wenn dann endlich die Lage wieder kontrollierbar wird. “

    Tja, was ist „richtig hart“? Zwei Monate lang, bspw., nicht einkaufen zu können, weil auch Supermärkte schließen müssen oder man das Haus nicht verlasen darf, wäre vermutlich etwas unpraktisch. Schule und Kindertagesstätten schließen (und zwar komplett) wäre kaum „richtig hart“, sondern eigentlich eine Selbstverständlichkeit, solange dort nicht durchgehend Maske, anderthalb Meter Abstand und Lüften für alle Beteiligten möglich ist. Home-Office für alle, also komplette Schließung aller Betriebe, wäre auch unschön, insbesondere wenn es dann kein Wasser, keinen Strom, keine Krankenhäuser und keine Polizei mehr gibt.

    Insofern frage ich mich immer, was denn wohl mit „richtig hart“ gemeint sein mag. Dass man das Haus nicht verlässt, wenn es nicht nötig ist, keine nicht notwendigen Kontakte hat (privat also gar keine außerhalb des eigenen Haushalts, beruflich und beim Einkaufen pp. nur durchgehend mit Maske, es sei denn, man hat einen – gelüfteten – Raum für sich), sollte ja spätestens seit Dezember eine Selbstverständlichkeit sein (und wenn es das nicht ist, dann helfen auch keine strengen Regelungen, denn die lassen sich in der Breite weder kontrollieren noch durchsetzen).

  2. sollte ja spätestens seit Dezember eine Selbstverständlichkeit sein (und wenn es das nicht ist, dann helfen auch keine strengen Regelungen, denn die lassen sich in der Breite weder kontrollieren noch durchsetzen).

    Ich glaube, dass strengere Regelungen helfen, auch wenn sie nicht in der Breite kontrolliert und durchgesetzt werden. Selbstverständlichkeiten sind meist nur für einen selber selbstverständlich, ansonsten gilt: was erlaubt ist, darf man auch.

    Insofern frage ich mich immer, was denn wohl mit „richtig hart“ gemeint sein mag.

    Wie sinnvoll das ist, schwierige Frage; was man damit meint, leicht (siehe: Frankreich, siehe: Chile), aber es ist müßig darüber nachzudenken, solange die Politik das nicht mal ins Auge fasst.

    Aber jetzt für 2-3 Wochen

    Ist mir auch aufgefallen. Klingt sehr nach: Jetzt machen wir das mal 2-3 Wochen, und dann schauen wir mal. Ohne Ziel oder Kriterien. Ich bin ja auch für flexibel, aber das ist eher planlos.

  3. Bin da ganz bei Herrn Rau. Die essentielle Alltagsinfrastruktur muss natürlich bestehen können. Unser erster Lockdown vor einem Jahr war ja durchaus effektiv, wenn auch zu anderen Grundbedingungen – aber in Portugal und Irland scheinen in der aktuellen Lage (bislang) ganz erfolgreich gewesen zu sein. So erhoffe ich mir das zumindest…
    Ich verstehe „hart“ aber auch im Sinne von „die gesamte Gesellschaft gemeinsam“ und nicht so, dass jeder sein Süppchen köchelt und irgendwer sich an der französischen Grenze oder an der windigen Ostsee Rosinchen pickt. Unglückseligerweise haben wir nun Politiker an entscheidenden Positionen (z.B. in NRW), die ihre politische Profilierung mit der Corona-Bewältigung verknüpft haben und sich besonders als vermeintliche „Retter der Wirtschaft“ oder „der Freiheit“ aufspielen woll(t)en. Dass dann immer wieder Einzelinteressen gegen die Gesamtgesellschaft ausgespielt werden, das darf einfach nicht sein. Nicht einmal kalendarisch gesetzte Ruhephasen wie die Osterfeiertage werden dafür genutzt und das verstehe ich nicht.

  4. Unser erster Lockdown vor einem Jahr war ja durchaus effektiv,

    Inwiefern unterscheiden sich denn die Regelungen, bspw., aus dem späten März/April 2020 von denen im Januar/Februar 2021? Ich habe – ohne das jetzt systematisch zu vergleichen – nicht den Eindruck, dass die Regelungen letztes Jahr weitergehend waren; vielmehr sind dieses Jahr zusätzliche Regelungen (Maskenpflicht) hinzugekommen.

    Welche konkreten Regelungen, die im ersten Lockdown 2020 gegolten haben, fehl(t)en denn im Januar/Februar diesen Jahres? Das wäre ja entscheidend, um einen kurzen, effektiven Lockdown erreichen zu können.

    Ich verstehe „hart“ aber auch im Sinne von „die gesamte Gesellschaft gemeinsam“ und nicht so, dass jeder sein Süppchen köchelt und irgendwer sich an der französischen Grenze oder an der windigen Ostsee Rosinchen pickt.

    Meint „die gesamte Gesellschaft gemeinsam“ weitgehend einheitliche Regelungen in ganz Deutschland oder dass sich jeder an die Regelungen hält oder auch darüber hinausgeht, d.h. auch auf erlaubte Kontakte verzichtet (also sich bspw. nicht jeden Tag mit fünf anderen Haushalten trifft, wenn auch immer nur mit einem zur gleichen Zeit)?

    Erfolge verspricht m.E. nur letzteres, aber das lässt sich kaum verordnen.

    Nicht einmal kalendarisch gesetzte Ruhephasen wie die Osterfeiertage werden dafür genutzt und das verstehe ich nicht.

    Aber an den Osterfeiertagen war doch sogar deutlich mehr Lockdown als im letzten Jahr, weil alle Betriebe und Geschäfte zur Gänze geschlossen waren – weil eben Feiertag?

  5. Maske hin, Maske her – der Nichtkontakt ist ja das Entscheidende. Die Maske soll diesen Zustand ja nur zusätzlich unterstützen – mittlerweile scheint sich aber der Glauben durchgesetzt zu haben, dass eine Maske alleine schon ausreicht. Vor einem Jahr, so zumindest mein subjektiver Eindruck, haben wir mehr auf Distanz geachtet und Schulen / Kitas waren zu. Dass klare Regelungen zur Distanzierung fehlen, zeigt ja das Vorhaben der Bundesregierung, das Infektionsschutzgesetz zu verschärfen.

    „Ganze Gesellschaft“ meint: So viele wie möglich! Insbesondere aber, dass politisch klare Linien herrschen und nicht im Saarland andere Regeln gelten als in Bayern oder Schleswig-Holstein oder dass jetzt jede Kommune sich spontan zur „Modellregion“ erklären lässt.

    Ostern (wie alle Feiertags- und Ferienphasen) hätte man m.E. wunderbar für einen (langen!) harten Lockdown nutzen können, da in diesen Zeiten sowieso weniger Pendlerverkehr, Schul- und Kitabesuche sowie eher Urlaubsphasen liegen und in vielen Betrieben auch nicht gearbeitet wird. Natürlich ist es alleine mit Ostern nicht getan, da war ja auch das Unsinnige an der von Merkel später zurückgenommenen Idee einer „Osterruhe“ oder den „2-3 Wochen“ Laschets.

    So wie jetzt wursteln wir hier in NRW nur auf Sicht; da hat sich seit 365 Tagen nicht viel geändert, wenn ein Laschet im Landtag sagt, er hätte gehofft, mit dem warmen Wetter (im März!) würde alles ganz von alleine besser.

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