Das Eva-Prinzip

FOTO: carluk2007

Eva Herman ist eine gebildete, intelligente Frau. Nicht umsonst wurde sie Sprecherin der Tagesschau, moderiert seit zehn Jahren die Talkshow "Herman und Tietjen" und schreibt umstrittene Bücher. Und neuerdings ist sie – wenn man dem Hamburger Abendblatt glaubt – bürgerliche Speerspitze einer Renaissance für Nazi-Ideologie:

In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten
Reich. Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler,
aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der
Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den
gesellschaftlichen Salat. (Hamburger Abendblatt)

Warum Eva Herman beim Thema "Wertschätzung der Mütter" ausgerechnet auf die Nazis kommt, weiß der Geier. Offensichtlich – anders ist es nicht zu erklären – wird die Nazi-Ideologie innerhalb gewisser konservativer Kreise immer noch als positive gedacht. Man bedient sich ihrer mit Selbstverständlichkeit wie aus einem brachliegenden Steinbruch, hübscht das Gefundene ein wenig auf, vereinnahmt es und erreicht damit zweierlei: Ein umfassendes Medienecho für persönliche Belange und eine gesellschaftliche Aufwertung der Nazi-Ideologie.

Mal wieder vergessen
Und wie so oft regiert das Vergessen. Ach nee, man hat schon dolle Sachen mit den Müttern gemacht im Dritten Reich. Wirklich! Denen hat man’s vorne und hinten reingeschoben, Kinderhorte und Einrichtungen geschaffen, und wer fürs reinrassige deutsche Volk ficken Mutter werden wollte, durfte das im "Lebensborn"-Programm auch ohne Trauschein. Und Geld gab’s auch fürs Kinderkriegen. Gut, das Geld bekamen die Männer, aber über solche Spitzfindigkeiten wollen wir nicht zanken. Mutter werden war auch gar nicht mehr so schwer, dank des Abtreibungsverbots.

Na gut, ein bisschen Schwund ist immer, gell, Frau Herman? "Rassenschande" nannte man das, wenn ein deutscher Mann eine einer unerwünschten Gruppe angehörenden Frau zur Mutter machte. Jüdische Mütter hat man gleich in Konzentrationslager deportiert, die Mütter der Kinder politischer Gegner gleich mit, und dass 360.000 potentielle Mütter aus eugenischen Gründen sterilisiert wurden – Schwamm drüber. Der Umstand, dass die Söhne dieser so doll umhätschelten Mütter dann millionenfach als Kanonenfutter an der Front verheizt wurden – nun ja, "Geburtenkrieg" war die Vokabel der Stunde. Und das Leid der ungewollten Mütter durch die tausendfachen Vergewaltigungen im Krieg – wen interessiert das schon? Gell, Frau Herman! Frau Herman?

Das Eva-Prinzip
Eve Herman ist lernfähig. Dass sie öffentlich auf einen Nazi-Vergleich zurückgreift, zeigt in meinen Augen das ganze Eva-Prinzip: Herman nutzt die braune Nazi-Denke bewusst zur Provokation, denn so verkauft sich ihr Schinken nun mal besser. Das weiß sie seit der Aufregung um ihr letztes Machwerk. Diesmal noch ’ne Schippe drauf und fertig ist der Bestseller. Geld verdienen mit Adolf, von dem man sich brav distanziert und dann wieder doch nicht, so einfach ist das.

Im Spiegel-Online nennt man die Offenbarung des wahren Herman-Gesichts "Entgleisung". Ich denke nicht, dass da etwas "entgleist" ist, vielmehr danke ich Frau Herman für die tiefen Einblicke, die man bei ihr als Medienprofessioneller mit Dummheit oder Unbildung leider nicht mehr entschuldigen kann.

(via Feynsinn)

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5 Gedanken zu “Das Eva-Prinzip

  1. Ich mache mir ein anderes Bild von Frau Herrmann.Ohne darüber zu spekulieren, wo ihre Intelligenz an Grenzen stößt, scheint sie mir einem romantisierend reaktionäten Mutterideal derart verfallen zu sein, daß sie ihren Restverstand schlicht ausschaltet. Ich glaube nicht an bewußte Provokation, denn diese Äußerung wird sehr teuer für sie werden. Ihre Reputation als Journalistin ist im Eimer, und als Moderatorin sind ihre Tage womöglich auch gezählt. Sie hat eine Mission. Aber sie wird feststsellen, daß sich außer einem übersichtlichen braunen Mob niemand wirklich dafür interessiert.
    Meine These also nach wie vor: Sie hat den Verstand verloren und es zu spät bemerkt.

  2. Ich habe die Angelegenheit mit Frau Eva Hermanns Buch nur am Rande verfolgt. Wie immer ist soetwas eine Ansichtssache und wenn eine Dame meint, dass diese die Lebensart und Sicht der Dinge einer Mutter um die Zeit von 1939 für sie selbst für sinnvoller erachtet, dann soll Frau Hermann gerne diese Ansicht vertreten. Als Mutter in der aktuellen Zeit heisst es ja noch lange nicht, dass die Ansichten der Ex-Tagesschausprecherin übernehmen muss. Gewisse Ansichtsunterschiede sind durchaus berechtigt, ich habe diese Ansichtsunterschiede gegenüber Frau Hermann ebenfalls.

  3. Upps, da ist mir doch glatt der Werbelink verloren gegangen… was für ein Glück für den letzten „Kommentator“, dass ich nicht sofort den SPAM-Button erwischt habe…

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