„50 Euro Nachnahme, bitte!“

Meinte der Paketzusteller gerade eben, genau bevor mir das Herz kurz stehen blieb. Ich hatte mich schon auf das Öffnen des Pakets gefreut, aber 50 Euro Nachnahmegebühr!? Dabei bestelle ich doch nie per Nachnahme… ach Moment… das Paket muss für die neuen Nachbarn sein. Wobei: Eigentlich sind wir die neuen Nachbarn, denn wir sind ja umgezogen und haben den Umzug fast überstanden. Das Internet hat mich jetzt auch wieder, nebenbei ein kleines Lob an Versatel, die den Umzug des Telefons reibungslos über die Bühne gebracht haben, ganz entgegen den Horrorerwartungen, die ich zuvor hatte. Als passionierter C’t-Leser ist man bei Telekommunikationsanbietern ja auf alles gefasst, und unter sechs Wochen Internetabstinenz machen die’s ja eigentlich gar nicht. Bei uns lief jedoch alles reibungslos.

Obwohl es ganz erholsam war, einmal ein paar Tage (fast) ganz ohne Verbindung zu sein – ich könnte mich schnell daran gewöhnen, glaube ich. Ging ja vorher auch. Obwohl… ich dann nicht unkompliziert nach Tipps suchen könnte, wie ich unseren neuen, alten Apfelbaum vor den bösen kleinen Pilzen rette, die ihn befallen haben. Denn einen Apfelbaum wünsche ich mir eigentlich schon seit Ewigkeiten, weshalb ich nun schnell Gegenmaßnahmen gegen die fiesen Killerpilze ergreifen muss, wenn es nicht schon zu spät ist. 🙁

Bielefeld ist schon eine paradoxe Stadt. Erstens existiert sie gar nicht. Zweitens sind wir nun stadteinwärts gezogen, eine Autobahn ist in Sichtweite, gleichzeitig wohnen wir aber grüner als vorher. Mit Garten (endlich), logo, denn wo sollte sonst der Apfelbaum stehen. Wusste gar nicht, dass Vögel so laut sein können. Wurde schon vor den Fröschen im Nachbargarten gewarnt, die müssen ein ordentliches Konzert quaken können. Frösche waren früher meine Lieblingstiere, hoffe, das bleibt so, ansonsten werde ich mal frische Froschschenkel probieren. Auch auf ordentlich Gartenarbeit werde ich mich wohl einstellen müssen, denn die Vorbewohner haben so gut wie gar nichts im Garten gemacht, weshalb wir hier eine nette kleine Hypothek in Form von Unkraut haben, das gejätet werden muss. Apropos Unkraut…

Schnell noch ein politisch-wirtschaftlicher Rundumschlag

…während meiner paar Tage Internetabtinenz steppen natürlich die Mäuse auf dem Tisch! Die GroKo verballert Wahlkampfgeschenke im großen Stil – die Leute hauen ihr Geld für Neuwagen aus dem Fenster als gäbe es kein Morgen mehr. Kredithaien und Pfandhausbesitzern trieft bei solcher Voraussicht der blanke Speichel aus den Lefzen, die wissen, was die Stunde geschlagen hat. Nächstes Jahr wird bitter, die fettsubventionierte Autoindustrie zieht den anderen Branchen das Geld ab. Die Regierung verdirbt die Preise – nicht für dieses, aber fürs nächste Jahr, und der Gebrauchtwagenmarkt liegt jetzt schon darnieder.

Doch nicht nur das! Da erdreisten sich diese Politdarsteller, mir meine Dosenbohnenvision zunichte zu machen! Räudige Nachgeber! HRE-Aktien für 1,39€ kaufen! Die wären noch tiefer gegangen, da bin ich mir sicher, und dann hätte ich mit meinen Wagenladungen Bohnen zulangen können, aber der Herr Steinbrück muss natürlich Steuergelder verschleudern, davon hat er ja so viel. Für puren Schrott gibt er Milliarden! Besser, er hätte mir ein paar Dosen abgenommen – für die hätte er wenigstens einen garantierten Gegenwert in Form von Metall und Biogas bekommen.

Doch Politiker blühen ja erst in der Apokalypse so richtig auf. Irgendwo im zerstörten Italien soll jemand gesagt haben, das Leben in einem Zeltlager wäre vergleichbar mit einem Campingurlaub. Er sollte vorsichtig sein, denn Wurfgeschosse liegen nun wahrlich zuhauf in den Straßen der zertrümmerten Städte. Und wenn die verbraucht sind, lässt sich’s auch trefflich mit dem Müll werfen, der Italiens Straßen säumt. Doch alleine die Tatsache, dass die Italiener diesen Schmierlappen überhaupt dreimal gewählt haben, spricht leider nicht für ihre Lernfähigkeit. Wir werden mit saurer Miene dabei zuschauen müssen, wie der Patriarch ins Kissen sinkt, bevor er Italien aus seinen Klauen entlässt.

Auch im Sport greift die Finanzkrise und eine Regel scheint sich herauszukristallisieren: Die Großen werden auch mal erwischt. Die ansonst so souveränen Bayern-Profis fangen eine Klatsche nach der anderen, vermutlich sind sie in Gedanken mehr bei ihren Aktien-Depots als auf dem Fußballfeld, wenn die Gegener ihnen Hütte um Hütte geben. Podolski ohrfeigt Ballack, da liegen die Nerven offensichtlich ganz schön blank.

Kaum ist die „Fluch der Karibik“-Euphorie verebbt, langen Piraten vor Somalia richtig zu. Trotz gewaltiger Kriegsschiffe kapern die Jungs alles, was nicht bei drei auf dem Mast ist. Wir warten auf die Bombardierung und Invasion Somalias zum Schutz der Welt vor der terroristischen Piratenbedrohung. Parallel dazu könnte Schäuble Anti-Piraten-Gesetze erlassen, unter die dann natürlich auch Raubkopierer und Musikpiraten fallen würden.

Zum Glück kann mir da nichts passieren, ich habe mich (der Gott der Freiheit möge mir verzeihen) bei Napster angemeldet, das jetzt als schlechter Kulturflatrate-Ersatz herhalten muss. Die Software ist mies, die Empfehlungen dürre, die Bedienung umständlich, aber – verdammt! – ich habe für 10€ monatlich Zugriff auf nahezu jede Band und jedes Lied, das ich hören möchte. Das ist es mir wert.

So, Sendepause. Ich muss jetzt mein Arbeitszimmer aufbauen, einräumen und herrichten. Wünsche allen frohe Ostern, falls ich nicht nochmal schreibe.

2 Gedanken zu “„50 Euro Nachnahme, bitte!“

  1. Glückwunsch für das neue Heim. An solch einer Hypothek knabber ich auch im Jahr 2 immer noch. Aber man sollte das wohl auch nicht zu verbissen sehen, ein paar „Wildkräuter“ haben noch niemandem geschadet – im Gegenteil, viele Tiere freuen sich über Brennnesseln (mit vier „n“?) und guten Dünger geben die auch.

    Schöne Ostern!

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