Feigenbutz außer Gefecht

Das ist unfassbar. Selbst, wenn ein deutscher Boxer geknockoutet wird und die Niederlage selbst schon im Ring fair eingesteht, dann wird vom Management und  hinterher immer noch der Sieg des Gegners in Frage gestellt. Am Ende war es erstaunlicherweise Vincent Feigenbutz, vor dem ich meinen Hut ziehen musste. Aber der Reihe nach.

Das Rematch  Feigenbutz / de Carolis stand noch unter dem Eindruck der letzten Begegnung der beiden, denn da hatte Feigenbutz sehr umstritten gewonnen und sich noch im Ring großmäulig geäußert. Dieses Mal war die Sache von Anfang bis Ende sehr deutlich: De Carolis dominierte fast jede Runde mit seinem Jab und schnellen Schlägen auf Kopf und Körper. Die seltenen Attacken Feigenbutz‘ überstand er gut, pendelte Schlagsalven geschickt aus und hätte nach Punkten haushoch führen müssen. Da es ja schon sprichwörtlich ist, dass man in Deutschland einen deutschen Boxer kaum nach Punkten besiegen kann, war die sicherste Option auf einen Sieg der K.O. In der 11 Runde gelang de Carolis tatsächlich ein deutlicher Wirkungstreffer und er setzte nach, Feigenbutz verpasste hingegen die Chance, sich 8 Sekunden Auszeit zu nehmen, bis der Ringrichter den Schlaghagel beendete und sich dazwischenwarf. Das Ergebnis: Ein Sieg de Carolis‘ und ein vor Wut spuckender Wilfried Sauerland, der irgendwelche Treffer am Hinterkopf gesehen haben wollte. Von Protest war die Rede, Einspruch gegen das Urteil, fünf Leute brüllten auf den Ringrichter ein – eine Blamage.

Der einzige, der seine Niederlage fair eingestand, sich von dem Managementgehabe und den Buh-Rufen des miserablen Publikums nicht aus der Ruhe bringen ließ und trotz der Niederlage entspannt mit seinem Kontrahenten smalltalkte, war Vincent Feigenbutz. Da habe ich ja noch Hoffnung, dass er nicht ausschließlich große Sprüche klopft. Vielleicht sollte der Sauerland-Boxstall diese Niederlage einmal als Anlass nehmen, darüber nachzudenken, ob man 20-jährige Boxer in halbgar zustande kommenden WM-Kämpfen fürs schnelle Geld verheizen will und ob man nicht auch Niederlagen in Würde aushalten kann.

Dieser Beitrag wurde unter Sport veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.