Nennt mich Rivaldo Green

Es passiert ganz schnell. Kaum sehe ich einen Menschen – zack – stecke ich ihn in eine der berühmten Schubladen. In der Regel bin ich genügsam, wenige Anhaltspunkte reichen aus. Nase, Blick, Körperhaltung, Mundwinkel, Körperumfang, Kleidung und ich weiß genau, wer du bist. Und du hast kaum eine Chance, blitzfix bist du intern verschlagwortet, getaggt, abgespeichert. Ich weiß dann genau, wem du ähnlich siehst, ob du eher mit der dicken Nachbarin um den Wurstfingerpreis ringen könntest, Steffi Graf knapp im Nasencontest schlagen könntest oder doch eher ’ne coole Sau a’la Bruce Willis bist. Manchmal kategorisiere ich dich auch eher abstrakt als „typischer Student“ oder „Karrierefrau“, aber auch „Lehrer“, „Dumpfbacke“ oder „netter Kerl“ sind Kategorien, die ich dir möglicherweise antue, wenn du meine Wege kreuzt.

Umso ärgerlicher, dass ich es auf Deubel komm raus nicht schaffe, mich selbst zu kategorisieren und in eine meiner Schubladen zu quetschen! Damn, wie oft habe ich das schon versucht, bin dabei aber nie über ein paar zaghafte Ansätze hinausgekommen. Keine Ahnung, woran das liegt. Vielleicht kenne ich mich zu gut. Bin ich jetzt eher der „typische Student“? Oder doch der „Typ, dem Klamotten egal sind“? Sehen mich Außenstehende eher als „langhaarige 68er-Kopie“, „langhaarigen Metalhörer“ oder „langhaarigen Bombenleger“? Kiffer? Typischer Pädagoge? Musiker? Ich habe keine Ahnung. Aber dank Johnny weiß ich nun mehr…

Denn Johnny führt mich auf eine Seite namens MyHeritage.com, eine Seite, auf welcher man Fotos seines Gesichts hochladen und nach einem (pseudo-?)biometrischen Scan mit einer Celibrity-Datenbank abgleichen kann. Gott sei dank, das Ende der Ungewissheit naht, denn wenn nicht der Computer mit seiner Rechenkunst, wer dann?

Also flugs ein paar Bilder hochladen, den Rechenkünstler ein paar Zaubertricks vollführen lassen und mit schweißnassen Händen auf die Lösung aller Schubladensorgen warten. Zügig füllt sich der als Gesicht getarnte Wartebalken mit Farbe; bald ist es soweit – wer ist mein prominentes Alter-Ego, welche Merkmale werden besonders hervorstechen, mit welchen Berühmtheiten werde ich mich vergleichen dürfen?

Aah. Endlich Gewissheit. Das erste Vergleichsfoto steht. Gut getroffen. Es ist Nathaniel Hawthorne, ein romantischer Schriftsteller und sieht gar nicht übel aus. Eine gewisse Ähnlichkeit mag vorhanden sein. Ich poste aus Prinzip kein Foto von mir, aber ich finde, dieser Hawthorne liegt gar nicht weit vom Stamm. Gut. Aber es gibt natürlich noch mehr Bilder.

Okay, mit freudiger Erwartung auf den Weiter-Button geklickt und – örks… Was ist das? Wieso glotzt mich Nastassja Kinski rehäugig an? Moment mal!? Habe ich da was mißverstanden? Der wollte doch Bilder auf Ähnlichkeiten vergl… ja, will er. Shit! Ich sehe doch nicht aus wie die Kinski, ich bin ein Mann! Ein Mann! Ich seh doch nicht aus wie ein…

…Weib. Kurz und schmerzlos präsentiert mir MyHeritage von da an nur noch Frauen. Sehe ich tatsächlich so feminin aus? Von Grace Kelly über Anne Frank und Alyssa Milano bis hin zu einigen mir unbekannten Damen der Weltgeschichte ist da einiges vertreten.

Geschockt und in meiner männlichen Identität schwer erschüttert lade ich noch einige andere Bilder hoch, auf denen ich meiner Meinung nach einen besonderes männlichen Gesichtsausdruck mache. Die Bandfotos mit dem grimmigen Blick kommen gerade recht, gerne auch das Blödelbild, bloß nix mit Lächeln oder so.

Okay, das Blödelfoto zieht unweigerlich Jason Biggs nach sich, was mich nicht wundert. Junge, ist der hässlich. Die anderen Ergebnisse bauen mich wieder auf. Keine Frauen mehr, nur noch gestandene Kerle. Besonders gefällt mir die vermeintliche Ähnlichkeit zu Johnny Depp. Queen-Basser John Deacon lasse ich mir aus Kulanz auch noch gefallen, ebenso wie Dustin Hoffman (sehe ich schon so alt aus). Aber Pierce Brosnan??? Okay, guter Typ – aber so sehe ich definitiv nicht aus. Und Hugh Grant fasse ich als persönliche Beleidigung auf, damit das mal klar ist!

Wem sehe ich denn nun wirklich ähnlich? Also – bei zweien meiner Fotos tauchte dieser Rivaldo auf, was wohl für ihn spricht, aber Rivaldo… mmmhmmm… ich zweifele daran, dass dieser supersportliche, stoppelköpfige Alpha-Mann auch nur annähernd meinem Phänotyp entspricht. Vielleicht helfen mir die Prozentzahlen unter den Bildchen weiter. Soso… ganze 70%. Das ist nicht schlecht, and the winner is:


Tom Green?

Ääääh… vielleicht hätte ich es einfach bei der Kinski belassen sollen… (so liebes MyHeritage und über den Lars Ullrich werden wir auch noch ein Hühnchen zu rupfen haben…)

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3 Gedanken zu “Nennt mich Rivaldo Green

  1. Tom Green die langen locken verpassen… und… es passt!

    *g* Wozu hat man Freunde?! ;-))

    Gar nicht schlecht getroffen dann, den Tom „Hokey“ Green hast du schon in dir…
    *düdel-dü*

  2. Ich hab den Typ noch nie gesehen, nur bei Wikipedia über ihn gelesen. Menno!

    Der hat wohl auch noch Drew Barrymore abbekommen… uuuäh… neee… Gnade!

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