Werwölfe und naive Bürger

Es gibt das unter Schülern sehr beliebte Gruppenspiel “Werwölfe”. Das Spiel spielt in einem fiktiven Dorf, das jede Nacht durch Werwölfe heimgesucht wird und danach einen Toten zu beklagen hat. Tagsüber müssen die überlebenden Bürger dann versuchen, die Übeltäter zu identifizieren und alle Werwölfe auszulöschen. Das Gemeine: Während der Nachtphasen sehen sich die Werwölfe und können sich tagsüber gegenseitig schützen.

Treffen in einer überschaubaren Gruppe zwei sehr gute Werwölfe aufeinander, ist es für die Gruppe sehr schwer herauszufinden, welche beiden die „Bösewichter“ sind. Gute Werwölfe liefern sich gegenseitig fast ans Messer, simulieren Unstimmigkeiten, helfen sich aber notfalls auch aus der Patsche, sprechen falsche Verdächtigungen aus und beobachten dabei genau, wer ihnen am gefährlichsten wird, um nachts zuschlagen zu können. Manchmal ist es aber auch unauffälliger, den schärfsten Kritiker leben zu lassen – gibt einen besseren Beweis der eigenen Unschuld? Das Schwierige dabei ist, sich gegenseitig zu unterstützen, ohne dabei den Verdacht von zu viel Nähe aufkommen zu lassen.

Solche Werwölfe gibt es auch in der Politik: Unsere aktuellen Werwölfe heißen NSA und BND bzw. US-Regierung und Bundesregierung. Beide werden sich beschuldigen, öffentliche Veitstänze aufführen, die Bürger beschwichtigen, Verständnis zeigen, um sich nachts verschwörerisch zuzublinzeln und über die dummen Bürger zu lachen, die ihnen ihr kleines Stück abnehmen.

Ich wünsche Herrn Friedrich frohes Sightseeing bei seiner Amerikareise, auf der er gewiss viel „Klartext“ reden wird.

Ein Gedanke zu “Werwölfe und naive Bürger

  1. In dem Zusammenhang kann man nur die so spannenden wie in erschütternden Kriminalromane von Wolfgang Schorlau empfehlen. Zum einen lesen die sich leicht und sind somit auch für wenig lese-affine Schüler zu schaffen. Gleichzeitig werden zeitgeschichtliche Bezüge hergestellt und in einer Weise interpretiert, die gelinde gesagt einige Verblüffung auslösen. Da Schorlau nach eigener Aussage NICHT in Grund und Boden prozessiert wird, dürfte er (neben dem Schutz durch das Fiktionale des Romans) sehr sauber recherchiert haben.

    Wer die sechs Bände durch hat, vermag sich über Prism & Co. nicht mehr wirklich zu wundern.

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