Hitlerizer

Lieber Leser, es bleibt Dir überlassen die Überschrift entweder auf das Tool, welches mir die äußere Textgestalt ermöglichte, den geistigen Urheber des Dünn… Textes oder beides zu beziehen.

Alle arbaitsfähägen Langzaitarbaitslosen mössen
säch jeden Morgen bai aina Behörde zom „Gemainschaftsdienst‘ melden
ond werden dort zo rrregelmäßäger, gemainnötzäga Arbait aingetailt –
acht Stonden prrro Tag, von Montag bäs Frraitag! Wa säch verwaigert ond
nächt erschaint, moss mät empfändlächen fänanziellen Ainboßen rrrechnen!

De Langzaitarbaitslosen haben so nächt länga das
Geföhl, öberflössäg zo sain, gewöhnen säch wieda an rrregelmäßäge
Arbait! Posätäva Nebeneffekt: Se können än diesa Zait nächt schwarz
arbaiten! De Folge: Arbait, de getan werden moss, wärd dann wieda nor
von Sozäalversächerten erledägt! Das schafft noie Arbaitsplätze ond
föllt de Sozäalkassen! (Handelsblatt)

Jawoll, aber sowas von jawoll, mein Abgeordneter! Ich fordere darüber die Wiedereinführung der AEL für unwillige Arbeiter, die lieber ’ne Zigarettenpause machen, anstatt vorschriftsgemäß Unkraut in den Fußgängerzonen zu zupfen. Jawoll!

Spart den Kommunen ja auch ’ne Menge Geld, wenn man kostengünstig Zwangsarbeiter ausnutzen kann. Da werden Wettbewerbe wie "Unser Dorf soll schöner werden" ganz schnell zum Wettkampf um die besten Hartz-IV-Sklaven. Denn nur, wer seine Untertanen richtig zum Beete umgraben motivieren kann, wird dann noch gewinnen können. Ich plädiere überdies für staatlich ausgebildete Einpeitscher, vorzugsweise aus den B-Reihen des Deutschen Bundestages rekrutiert. Außerdem könnten ein paar deutsche Autobahnen einen Ausbau gut gebrauchen. Jawoll!

Oh, mein Müller! Was wird das ein Spaß, wenn ich meinen elenden Versagerschülern, je nach Schulform, mit fiesem Lachen mitteilen darf, dass sie geborene Sklaven sind, wenn die Union die überfälligen Schulreformen weiterhin verweigert. Oh, mein Müller, welch Rrrruck wird durch dieses Land gehen, wenn diese Neo-Sklaven durch bewaffnetes Militär bei Stange gehalten werden müssen – dann würden sich auch blödsinnige Mehrausgaben für Rüstung richtig lohnen. Jawoll!

Oh, mein Müller, dass Du Dich in dem gleichen Blatt wie Baring produzierst, macht Dich so sympathisch. Dem deutschen Volk aufs Maul geschaut, das beweist wahre Fähigkeit zum Volkstribun. Vor allem aber wertest Du den ehrbaren Beruf der Müllmanns wieder auf. Denn in Deutschlands goldenster Zukunft werden sich Kinder nicht mehr zurufen "Haha, Dein Papi ist Müllmann!" sondern "Haha, Dein Papi ist ja Zwangsarbeiter!". Jawoll!

Und das perfideste ist, oh mein Müller, dass diese Versagertypen keine Gelegenheit mehr haben werden, sich ordentlich zu bewerben, denn wer die ganze Woche schuften muss, hat dazu wenig Zeit. Umso besser, bleibt das Pack uns doch somit Sklave auf Lebenszeit. Eine ganze Sklavenkaste für den Bundesstaat! Jawoll!

Oh, mein Müller. Jetzt, wo Du das Volk Stimmvieh am Nasenring herumführen willst, kann ich endlich wieder beruhigt meine alten Schallplatten hervorkramen, mich in meinen grün gepolsterten Lehnstuhl unter dem selbtgeschossenen Hirschgeweih setzen und altbekanntem deutschen Liedgut lauschen. Thematisch passend zum Lichtblick, den Du mir heute gegeben hast: "Schwarz-Braun ist die Haselnuss, schwarz-braun bin auch ich."

Hatte ich nicht gewarnt, dass die dummdreistesten Forderungen während der WM kommen würden. Dass sie so beschränkt und frei von jeder Vision und Perspektive sein würden, hatte ich allerdings nicht erwartet… Glückwunsch, Müller, Sie haben meine kühnsten Erwartungen übertroffen! Jawoll. (via 24Stunden.de)

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Ein Gedanke zu “Hitlerizer

  1. in einer zeit, in der die nachrichten von der fussball-WM beherrscht werden, ist es für einen weitgehend unbekannten politiker recht schwer auf sich aufmerksam zu machen. also bedient man sich der alten weisheit “auch schlechte nachrichten s…

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