Dolores O’Riordan.

Akustische Gitarre, ein dominierender Bass und viel Raum für diese feine und doch eindrückliche Stimme mit dem so verlockend anders klingenden Akzent, die über den Instrumenten schwebend und  immer wieder markant ins Kehlige umschwingend die Lieder der Cranberries ausmachte. Dolores O’Riordan ist am 15.1.2018 überraschend verstorben, und es ist vielleicht der erste Tod einer Künstlerin, der mich wirklich berührt.

Erstkontakt im „Beatkeller“ Mitte der 90er in Oeventrop. Ein dunkles Loch, ein dunkles Lied, es riecht nach Abenteuer. Länger ausgehen, Bier trinken, neue Freunde treffen. Und das einzige Lied, von dem ich heute noch sicher weiß, dass es im Beatkeller lief, das war „Zombie“ von den Cranberries. Zu kraftvoll, zu mitreißend, zu ungewöhnlich als Dolores O’Riordan den Refrain ihres bekanntesten Liedes in die Länge zieht und alle mitsingen: „Zombie -ie -ie -ie“. Befremdlich und faszinierend zugleich wirkte ihre Art zu singen auf mich, verschreckend und verlockend.

Erst später sollte ich entdecken, dass ihr bekanntester Song gar nicht so typisch für die irische Band war, wie die meisten glauben. Und doch prägte „Zombie“ das Bild der Cranberries: dumpfe, verzerrte Gitarre, bedrückender Bass, tiefes Moll, schweres Schlagzeug, langsam, deprimierend. Und hoch über all dem Elend singt diese sanfte Stimme melancholisch gegen den ganzen Schmerz und Irrsinn des damals schwelenden Nordirlandkonflikts an. Kämpferisch. Dagegen.

Doch eigentlich waren die Cranberries anders: Selten so drückend wie „Zombie“, eher gelöst, poppig, fast folkig, oft aber auch tief melancholisch und zerbrechlich. Schon auf dem ersten Album „Everybody else is doing it, so why can’t we“ stechen mit den Songs „Dreams“ und dem Welthit „Linger“ eher die positiven, vergleichsweise ruhigen Songs hervor und auch auf dem Folgealbum „No Need To Argue“ steht das sanfte „Ode To My Family“ in Kontrast zum düsteren Superhit „Zombie“, der auf demselben Album erschien. Vom Folgealbum blieb besonders „When You’re Gone“ in Erinnerung, tanzbar, verträumt, schön.

Mit „Bury The Hatchet“ brachten die Cranberries dann das beste ihrer Alben heraus und begleiteten mich mit diesen Songs durch meine Studienzeit. Es sind zu viele tolle Songs, um sie hier alle aufzuzählen, darum habe ich einfach eine kurze Spotify-Playlist erstellt. Meist reichten wenige Akkorde für diese schönen Lieder –  getragen von der Stimme von Dolores O’Riordan und ihrer eindrücklichen Art, zu singen.

Es ist so schade, dass sie viel zu früh gestorben ist.

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