Sittenbild.

„Sittenbild“ war der Begriff, der mir in den letzten beiden Tagen auf Twitter oft begegnete. Meist bezogen auf das konkrete optische Bild, das Strache und Co. während ihres konspirativen Treffens auf Ibiza abgaben: bierbäuchig, machohaft, mit blonder Deko-Tussi, Alkohol und Waffen. Im Reifegrad irgendwo auf einem Stand, den normale Männer mit spätestens 17 hinter sich haben. Und dann gab es da das moralische Sittenbild, das ein Vizekanzler in spe abgibt, wenn er bereitwillig österreichisches Hab und Gut an ausländische Geldgeberinnen verhökert und sich trickreiche Methoden zur Vermeidung von Spendengeldern ausbaldowert.

Und das war der Punkt, an dem ich dann doch noch einmal ins Grübeln kam. Die Rechten und deren Klientel wird es nicht anfechten, dass ein Strache sich wie ein Hinterhofganove aufführt, dass er für ihre Sache lügt und betrügt oder dass er sich unmoralisch verhält. Man kann es leicht bei Trump sehen, dem all die Veröffentlichungen seines widerlichen Verhaltens in keiner Weise geschadet haben. Die Öffentlichkeit akzeptiert offensichtlich ein solches Verhalten mittlerweile.

Schlimmer scheint mir zu sein, dass die etablierten Parteien an diesem Verfall der Sitten Mitschuld tragen. Ein Helmut Kohl und ein Wolfgang Schäuble haben ihr Scherflein dazu beigetragen, dass die Menschen wie selbstverständlich davon ausgehen, dass die Hinterziehung von Parteispenden im politischen Betrieb schlicht Usus ist. Man erinnere sich auch an die Mövenpick-Affäre der FDP. Steuersenkung gegen dicke Parteispende.

Die moralische Bresche, die diese etablierte Parteien im öffentlichen Bewusstsein geschlagen haben, ist nun das Einfallstor für AfD und Konsorten. Diese Lücke zu schließen, wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Hoffen wir, dass sie noch zu schließen ist.

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