Song Contest: Süddeutsche Scheinwelt

Von einer Scheinwelt muss man zumindest schwer ausgehen, wenn man sich folgenden Absatz aus der Süddeutschen zu Gemüte führt:

Insofern muss man sagen, dass Texas Lightning einfach zu gut waren.
Nicht plakativ genug. Zu intellektuell. Es braucht schon etwas
Abstraktionsvermögen, um den Witz und die Poesie von vier norddeutschen
Cowboys und einem australischen Cowgirl zu würdigen. Soviel
Geistesanstrengung kann man an einem Party-Samstagabend nicht verlangen. (Süddeutsche)

*Poch, poch*

Noch ganz wach, da oben? Man kann ja über den Geschmack streiten aber zu intellektuell??? Im Rüschenröckchen mit Cowboymütze und 08/15-Song? Poesie? Witz von vier norddeutsche Kaubois? Sagt mal, piepts bei der Süddeutschen? Über Norddeutsche wird der gemeine Europäer so viel wissen wie Georg Uecker und Thomas Hermanns von guter Musik: nämlich nüscht.

Da passten die Metaller schon eher ins finnische Klischee vom ewig dunklen Land mit der vermutlich gewaltigsten Heavy-Metal-pro-Kopf-Quote in ganz Europa. Und ob aufgesetztes Dauergrinsen wirklich schlimmer ist als ’ne handvoll Schminke und ’ne Gruselmaske, darüber lässt sich trefflich streiten. Ich für meinen Teil habe mich darüber gefreut, dass eine Outsider-Band mit einem (für Jurovischn Grand Prix) nonkonformen Musikstil den halbnackigen Pseudo-Shakiras, dem doppelten Dutzend der weißlich Uniformierten und den Unterhemd-Sunnyboys gezeigt hat, wo die Streitaxt hängt. Ganz zu schweigen von aufgespritzten Wurstlippen, Ketschup-Spanierinnen und Siegel-Brosis für Erwachsene mit Heile-Welt-Garantie.

Dann lieber ehrbaren Metal, der seine Show so offen vor sich herträgt wie der Sänger von Lordi seine Streitaxt. Das war Grand Prix mit Arschtritt. Ich hätte mir nur gewünscht, dass er am Ende noch in den Blumenstrauß hineingebissen hätte…

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