Traurige Wahrheit

Der hier im Spiegel über ALDI beschriebene Vorfall scheint keine Ausnahme zu sein, auch wenn ALDI das gerne so darstellen möchte. Auch die ZEIT berichtet über die unwürdige Behandlung der Discounter-Mitarbeiter.

Meine Frau musste kürzlich mindestens 40 Überstunden ohne Gegenleistung knüppeln. Wie auch ein weiterer Kollege, weil der Marktleiter, der zum fraglichen Zeitpunkt Urlaub hatte, Bockmist gebaut hatte. Das macht insgesamt mindestens 80 Überstunden, die sich der eine der beiden Aldi-Brothers unentgeltlich zwischen die faltigen Arschbacken schieben kann. Steuerfrei. Ich glaube, in der Baubranche nennt man das „Schwarzarbeit“.

Man hört hier sogar von ALDI-Marktleitern, die aus Angst des Sonntags noch in ihren Laden fahren, um dort für klar Schiff zu sorgen, aus Angst vor Kritik bei Prüfungen durch Vorgesetzte. Letztlich aus Angst um die eigene Existenz. Mit denen habe ich allerdings kein Mitleid, sie haben es nicht anders verdient. Einen Tag alle ALDIs bestreiken und die Leitung kriecht auf dem Zahnfleisch. Aber macht ja keiner, VERDI scheint nicht gerade die durchstzungsfähigste Gewerkschaft zu sein. Vielleicht zieht bei denen ja auch die Nutten-Nummer…

Wie auch immer: Da ich mittlerweile weiß, wie die Preise beim ALDI zu Stande kommen, kaufe ich nichts mehr bei dieser Kette, deren Gebaren mich an südstaatliche Sklaventreiber erinnert. Druck, Druck, Druck. Meine Frau ist abends völlig fertig, fängt um sieben Uhr an, kommt um 21 Uhr zurück, fällt totmüde ins Bett. Denn mehr als zehn Minuten Pause sind nicht drin, das Pensum ist sonst nicht zu schaffen, bei drei Leuten in einem riesigen Laden. „Halbtags“ ist offiziell von morgens sieben bis mittags um 14 Uhr, aber ich mache das Mittagessen grundsätzlich erst für 16 Uhr. Früher kommt sie fast nie nach Hause. Das nagt nicht nur am Körper, auch an der Psyche. Ich bin froh, wenn ich mein verdammtes Studium endlich hinter mir habe und mehr zum Verdienst beisteuern kann, damit meine Frau nicht mehr bei diesem scheiß Verein arbeiten muss.

Ich kaufe nichts mehr beim Aldi. Nicht mal geschenkt. Nichts. No Aldi anymore.

No ALDI

Eigentlich ist es eine kaum zu überbietende Peinlichkeit, dass ausgerechnet die beiden reichsten Männer Deutschlands eine solche Mitarbeiterbehandlung nötig haben.

Aber die Telefonnummer vom Gewerbeaufsichtsamt Bielefeld, die habe ich mir jetzt aufgeschrieben. Muss man ja auch erst mal wissen, dass man da was melden kann. Noch einmal so eine unentgeltliche Aktion und dann klingelt irgendwo da ein Apparat.

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4 Gedanken zu “Traurige Wahrheit

  1. Und wenn ich mir dann überlege, dass der Regelsatz für Hartz IV-Empfänger so bemessen ist, dass man sich grade so aus Discountern ernähren kann, wird mir sehr sehr übel. Sobald ich die Tabelle mit dem Regelsatz in Händen halte, schreib ich was drüber.

  2. „Sie verlassen den demokratischen Sektor!“
    Es gibt Dinge, die tut man einfach nicht. Wann immer man es sich erlauben kann, sollte man einen großen Bogen machen um die Discounter „Aldi“, „Lidl“ und „Schlecker“. Wie dort mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgegangen wird, ist würdelos. I…

  3. Doch leider ist in fast jeder Lebensmittel Test Sendung irgend ein Aldi Produkt der Spitzenreiter.

    Und Leider sind Läden wie der Handelshof (Teil aus der Kaufland Kette) Teilweise schlechter im Angebot und dann auch noch übermäßig anderst im Preis.

    Doch irgendwie machen wir ja alle mit, mit dem „Geiz ist Geil“ Zeugs da, oder?

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