Die Reis-Rationierung

n-tv – das ist Nachrichtenfernsehen für Menschen, die ihr Gehirn abends in ein Glas Wasser legen und vergessen, es morgens wieder einzusetzen. Warum? Lebensmittelknappheit!

Da sitzen also gleich zwei Moderatoren in meiner Glotze und erklären mir, dass die Lebensmittelknappheit einen „neuen Höhepunkt“ erreicht habe. Statt mir daraufhin Bilder von verhungernden Kindern und darbenden Menschen in der Dritten Welt zu zeigen, blendet man auf prall gefüllte Supermarktregale in den Vereinigten Staaten der Fettleibigkeit.

Restaurantköche bekämen ihren Reis rationiert, so heißt es. Die Supermarktkette Walmart gestatte ihren Kunden lediglich noch vier Säcke Reis mitzunehmen, künden die Moderatoren mit aufgesetzt besorgter Miene.

Na, da habe ich aber mal Mitleid! Mit den armen US-Kunden, die nur vier Säcke Reis (a geschätzte 500 bis 1000 Gramm!) mitnehmen dürfen! Lächerliche zwei Kilogramm Reis – wie soll der Homo Fastfoodicus damit nur auskommen?

Man muss zu der Erkenntnis kommen, dass die beiden n-tv-Moderatoren in ihrem Leben noch niemals Reis gekocht haben. und wenn, dann nur den portioniert-genmanipulierten aus dem Kochbeutel. Andererseits würden sie Herrn Hokeys Erfahrung einer dreitägigen Reisernährung teilen, weil man sich nämlich beim Abmessen der richtigen Reismenge ganz schnell grob verschätzen kann. Es ist noch gar nicht lange her: „So wenig nur, da muss noch was bei…“, dachte ich mir und voila: Aus den drei kleinen Tässchen war ein Riesenbatzen Reis geworden, der gut und gerne drei volle Tage eine Drei-Personen-Ernährung dominiert hat. Wie oft holt man wohl drei Tassen aus vier Säcken Reis?

Man muss doch wirklich mit dicken Tomaten auf den Augen gestraft sein, wenn man da nicht eine „Mangel“strategie Walmarts erkennt. Denn wann kaufen die Leute schon mal vier Säcke Reis auf einmal? Doch nur dann, wenn sie Angst haben, die Dritte Welt frisst ihnen was weg…

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2 Gedanken zu “Die Reis-Rationierung

  1. Die Leute fahren mit dicken, durstigen Straßenkreuzern zum Einkaufen, und das möglichst viele Kilometer weit. Da tut’s eben kein Beutelchen Reis, das muss schon großkotzig sackweise sein.

    Als wie arm steht man denn sonst da?

    Ansonsten: Bei diesem Sender schaue ich schon seit langem partout keine Nachrichten mehr.

  2. Würde mich mal interessieren, wie viel von dem „Mangelreis“ letztlich im Mülleimer landet, weil ihn keiner isst…

    …oder wieviele US-Amerikaner alternativ verhungern, weil sie nicht genug Reis bekommen haben.

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