Was die Texte taugen…

Schon wieder ein Journalist, der sich in die Hose nässt. Mir ist wirklich kein Blogger bekannt der behaupten würde, was dieser FAZke von sich gibt:

Wie immer, wenn sich ein neuer
Trend abzeichnet, wird schnell gekräht, er bedeute das Ende von etwas
anderem. Vielerorts war zu erfahren, Blogger seien die neuen
Journalisten.
Was natürlich barer Unsinn ist:
Die Stärken von Journalisten sind (oder sollten) zumindest ein breites
Allgemeinwissen, professionelle Recherche, ein gewisses Arbeitsethos
hinsichtlich der Trennung von privaten und öffentlichen Interessen und
ein sicheres Beherrschen der Sprache sein. Die Stärken von Bloggern
dagegen bestehen vor allem in Geschwindigkeit, Vernetzung,
Unabhängigkeit von Werbekunden, der Meinung des Chefredakteurs, der
politischen Richtung einer Zeitung und vielem mehr.
(FAZ)

Soso. "Vielerorts", schreibt er, was ja vielerlei bedeuten kann: Angstverschwitztes Getuschel in der FAZ-Kantine, anonomye Telefonhinweise, heimlich bei der SZ gespickt, aber vielleicht steht’s bei der FAZ auch mit feurigen Lettern an der Klowand geschrieben (Mene, mene…). Qualitätsjournalisten, die das Maul so weit aufreißen, sollten allerdings solche Fehler in ihren Artikeln besser vermeiden oder schnellstens korrigieren… die Pillen könnte jemand in den falschen Hals bekommen.

Eigentlich sollten sich mal die Psycho- und die Soziologen damit befassen, mit der Angst der Journalisten vor den Bloggern. Die sehen sich nämlich gar nicht als Journalisten. Für die ist das ein Zeitvertreib, ein Hobby; eine kleine, mehr oder weniger private Plattform, ein Ort des Gedankenaustauschs, ein Ort, um Dampf abzulassen. Die einzigen, die das Fass immer wieder aufmachen, sind die Journalisten selber. Wer von Bloggern als neuen Journalisten schreibt, hat nichts, aber auch gar nichts verstanden.

Das beweist auch der Absatz über die vermeintlichen Stärken von Journalisten. Das Thema "sichere Recherche" oder "Arbeitsethos" hatten wir schon des Öfteren – und zwar in Bezug auf die Tagesschau, den Focus, beim Spiegel sowieso andauernd oder Abschreibern von Presseagenturmeldungen im Allgemeinen. Auch die FAZ hat es schon erwischt. Von der elenden Pestbeule Bildzeitung schweigen wir an dieser Stelle. Gerüchte besagen, dass die schwerkompetenten Journalisten gerne auch ihre Artikel aus Blogbeiträgen ("Postings", wie der Herr von der Faz zu berichten weiß) zusammenklicken.

Es ist erstaunlich: Als einziges publizierendes Gewerbe versuchen immer nur die Journalisten in regelmäßigen Abständen, Blogs kleinzuschreiben. Wissenschaftler sehen das offensichtlich lockerer – ich habe noch keinen über Blogs jammern gehört. Aber die müssen ja auch keine Angst vor einem Strukturwandel der Medienlandschaft haben…

(via Rebellmarkt und Wirres)

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5 Gedanken zu “Was die Texte taugen…

  1. wissenschaftler haben vor allem angst davor, das wissenschaftliche werke per internet kostenlos einzusehen sind. gerade für uni-profs sind ihre bücher ein sehr angenehmenes nebeneinkommen und es hat schon seinen grund, weshalb es gerade die bücher, von denen in den uni-bibos nur zwei oder drei exemplare stehen, in den vorlesungen hörerscheine verteilt werden.
    man stelle sich nur vor, studenten könnten ganz bequem in die fachliteratur hereinschauen, ohne auf wartelisten für die ausleihe zu stehen. grauenhaft, wer sollte die bücher dann noch kaufen?
    deshalb sind wissenschaftler ein schlechter vergleich, deren einkommen ist noch gesichert. aber ich glaube so mancher journalist, in deutschland wahrscheinlich noch weniger als in den usa, sieht in blogs eine zunehmende konkurrenz. natürlich nicht beim 0815-blog von max mustermann, sondern schon bei den großen fachblogs.

  2. Ersteres hat aber wenig mit Blogs an sich zu tun, sondern ist eher ein Problem des Internets generell. Im Übrigen gibt es immerhin schon Zeitschriften, die man im Volltext, mit Suchfunktion und komplett einsehen kann – wenn man zahlt. Ich verweise da mal auf [url=http://www.jstor.org/]JStor[/url]. Das ist schon verdammt gut.

    Der Vergleich mit den Wissenschaftlern hinkt ein wenig, zumindest, wenn wir beim Thema Blogs bleiben: Denn in Deinem Beispiel geht es darum, dass ein fertiges Produkt (in dem eine Menge Arbeit steckt)illegal kostenlos verteilt wird. Da sehe ich berechtigte Ängste. Aber Blogger, die, je nach Ausbildung, durchaus auch auf wissenschaftlichem Niveau schreiben und argumentieren können, scheinen Wissenschaftlern keine großen Sorgen zu machen. Zumindest ist mir da nichts bekannt.

    Im Fall der Journalisten sieht das genau anders aus: Kaum dass die Blogger aufgetaucht sind, hat das große Geschrei über deren vermeintliche Minderwertigkeit, deren Fehlerhaftigkeit, schlechte Schreibe usw. angefangen. Ich denke, dieses Verhalten sagt mehr über den Journalismus als über die Blogger. Wenn Blogger eine Gefahr sind, sollen die Journalisten das so sagen, und nicht versuchen, Blogs periodisch kleinzuschreiben.

  3. jein, ich habe mich vielleicht schlecht ausgedrückt.

    der wissenschaftler verdient – zumindest schreibenderweise – sein geld in erster linie durch das verfassen von standardwerken. die veröffentlichungen in zeitschriften, magazinen, etc kommen IMO erst danach.
    also gibt es recht wenig grund über die blogger herzuziehen, weil die keine konkurrenz zur eigentlichen geldquelle, der standardwerke, darstellen.
    selbst wenn man einfache veröffentlichungen in zeitschriften nimmt, sind blogger kaum eine konkurrenz. egal wie hochgradig und professionell sie schreiben. in der wissenschaft gibt es noch immer das vorurteil, das quellenhinweise aus renommierten quellen zu kommen haben. verweise auf webseiten (ob nun blog oder etwas anderes) werden immer mit einem stirnrunzeln bedacht. selbst ein link zur wikipedia führt immer wieder zu einem „haben sie da keine bessere quelle zu?“.

    während beim journalisten quellen eher weniger wichtig sind, zumindest für den einfachen leser. und es geht auch eher um schnelle, aktuelle themen.

    wieso soll ein leser die webseite einer zeitung aufsuchen, wenn er die gleichen informationen auch bei den bloggern lesen kann? das interesse sogar noch geld für die zeitung auszugeben, sinkt wahrscheinlich ebenfalls.

    der wissenschaftler weiss aber, das eine veröffentlichung in der zeitschrift als quelle nutzbar wird und er dadurch dem blogger gegenüber einen sehr großen vorteil hat.

    davon abgesehen kenne ich nur sehr, sehr wenige wissenschaftliche blogs, denen man auch wissenschaftliches arbeiten zusprechen kann.
    während jedes zweite blog versucht (!) ein wenig journalistisch aktiv zu sein.

  4. Hallo Kiesow,
    eine ausführliche Antwort bekommst Du natürlich noch. Ich wollte nur schnell – quasi tagesaktuell – anmerken, dass Blogs den wissenschaftlichen Betrieb wohl doch nicht sooo kalt lassen. Zumindest in [url=http://axonas.twoday.net/stories/3257227/]einem Einzelfall[/url] ist das nicht so. 😉 Vielleicht habe ich mich ja getäuscht.

  5. Du hast natürlich Recht, wenn Du darauf hinweist, dass Wissenschaftler unabhängiger sind, was ihre finanziellen Mittel angeht und dass Journalisten ihre Geldquellen versiegen sehen. Allerdings ist das nicht eine durch Blogs, sondern durch das Internet generell angetriebene Entwicklung.

    Das Gejammer über Blogs würde ich anders beurteilen: Blogs sind eine handfeste Bedrohung für den herkömmlichen Journalismus – eben weil sie relativ leicht genau die gleichen „Qualifikationen“ erfüllen (können), die man als „echter“ Journalist so braucht. Dein Hinweis auf die Anzahl der wissenschaftlichen bzw. journalistischen Blogs bestärkt meine These: Es ist viel schwieriger, wissenschaftlich fundiert als „journalistisch“ zu schreiben. Das geht natürlich Hand in Hand mit der existentiellen Angst, weniger zu verdienen, bzw. in den Verlagshäusern weniger Mittel zur Verfügung zu haben – keine Frage.

    Ich hoffe, dass man in punkto „wissenschaftliche Zitierbarkeit“ in Zukunft noch einiges bewegen wird. Denn es wächst an den Unis doch recht schnell ein internetaffiner Nachwuchs heran, der die Vorteile des Netzes auf Dauer nicht missen wollen wird. Wenn sich die ersten Portale (bspw. [url=http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp]solche[/url]) oder andere Webstrukturen als wissenschaftstauglich durchsetzen können, denke ich, dass auch das Netz bald als zitierfähig angesehen wird. Warum dann nicht online publizieren (irgendwo gibt es das auch schon…) und möglicherweise seine Thesen im Blog weiterspinnen (was unter Umständen nicht ganz ungefährlich wäre).

    _Kurz:_ Wissenschaftler brauchen sich nicht über die Unzulänglichkeit der Blogs echauffieren, weil diese tatsächlich unzulänglich sind. Journalisten dagegen beschreien das Ende des Abendlandes, eben *weil* Blogs eine echte Gefahr darstellen. Finanziell, aber nicht kulturell, auch wenn sie das gerne so hätten. 😉

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