Ü30 und so

Ü30Wenn man all diese hart werbenden Plakate hier sieht, müsste man glauben, alle Welt reiße sich um die Generation Ü-30. Ganz anders sieht es aus, folgt man Anita Blasbergs Polemik „Demografie: Die schon wieder“. Sie beschreibt eine von Gerontokraten und Rollatorschubsern bestimmte Welt, eine Diktatur der alten Säcke. Ist ganz lustig geschrieben und weist zwischendurch auf einige bemerkenswerte Beobachtungen hin, z.B:

Als die Regierung die Schulzeit um ein Jahr verkürzte und die Studiengänge straffte, als sie den Wehr- und Zivildienst strich und damit die Lebensarbeitszeit der Jungen um zwei bis vier Jahre verlängerte, war kaum ein Flüstern zu vernehmen.

Als sie das Rentenalter um zwei Jahre anhob, hallte ein Aufschrei durchs ganze Land.

Vieles macht sich der Artikel zu leicht, es soll ja auch eine Polemik sein; aber man schaue auch einmal auf die miesen Bedingungen (für alle Beteiligten) in den Altenheimen.

Die AfD wird gerade großgeschrieben. Auch so eine gerontokratische Entwicklung: Alte Säcke, die dagegen sind und irgendwo im Internet als deutsche „Tea Party“ hochgejazzt werden. Man merkt: Die etablierten Parteien langweilen gerade derart, dass alleine ein Haufen rückwärtsgewandter Opis Nachrichtenwert hat. Was ist eigentlich mit dieser anderen neuen Partei… die wollten doch was? Entern? Ändern? Offensichtlich haben die das Wollen schon lange aufgegeben.

Unterdessen gibt sich ganz Deutschland ungläubig betroffen, weil der Manager eines großen Fußballclubs massiv Steuern hinterzogen haben soll. Ich frage mich schon manchmal, ob ich da auf dem falschen Planeten lebe oder die anderen, aber Uli Hoeneß verhielt sich für mich zu „FairPlay“ in etwa so wie Putin zu „lupenreiner Demokrat“. Es würde mich wundern, wenn Hoeneß und seinesgleichen keine Steuern hinterziehen würden. Und ehrlich gesagt, weiß ich selber nicht, ob ich nicht vielleicht auch den Kanal voll hätte, wenn ich meine Eurostückchen gleich in Millionenchargen an den Staat weitergeben müsste. Da werfen m.E. einige mit Steinen, die nur das Glück haben, dass da kein Glashaus ist.

Das lokale Käseblatt kommentiert heute den Fall Hoeneß und setzt dabei den Begriff „Elite“ implizit mit Geldhaben gleich. Wenn ich die Zeitung nicht immer wieder für mein Pappmaché bräuchte, hätte ich sie schon dreimal abbestellt. Uli Hoeneß verhält sich doch zu „Elite“ wie Oliver Pocher zu „witzig“. Oder wer ist für den Kommentator noch alles „Elite“? Dieter Bohlen? Lothar Matthäus? Die Geissens?

2 Gedanken zu “Ü30 und so

  1. Man könnte von Elite auch von Vorbildern sprechen. Und dann mit Schülern diskutieren (wenn hab ich denn sonst schon, um über ernsthafte Dinge zu reden…), wer de facto Vorbilder für sie sind, und wie Vorbilder ihrer Meinung nach sein sollten. Altbacken, aber immer wieder nötig.

    • Ja, Vorbilder gefällt mir besser als „Elite“ (was für mich irgendwie immer auch einen militärischen Beiklang hat). Vielleicht sind es ja gerade die Lehrer, die die Journalisten dazu verleiten, so langweilige Begriffe wie „Vorbild“ durch das fallhöhere „Elite“ auszutauschen, um sich des moralischen Zeigefingers unverdächtig zu machen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.