Kaum stehen WM oder EM vor der Tür, schon kriechen die ersten Nationalisten-Olme aus ihren Löchern und wollen, dass die ganze Nation mit derselben Blindheit geschlagen wird wie sie. Dafür packen sie dann ihr heißestes Brenneisen aus: Den sogenannten Patriotismus.

Der erste dieser Gattung ist heute beim Spon aus seinem Loch gekrochen, Reinhard Mohr. Ausgerechnet Reinhard Mohr, der nachweislich keinen Sinn für Humor hat und sich sein Deutschlandbild aus RTL-Shows bastelt, glaubt, er müsse heuer die Welt mit einem Patriotismus-Artikel beglücken.

Darum jammert er:

"Seit Monaten scheint es um nichts anderes zu gehen als um Rentnerelend, Massenarmut, Jugendgewalt, Depression und Altersdemenz."

Und so blind, wie Mohr sich in seinen Artikeln offenbart, so blind möchte er gerne auch seine Leserschaft. Die EM scheint ihm ein willkommenes Ereignis, alle Probleme wegzuschieben, wegzureden, wegzukicken.

Oft hört man Klagen über die Abgehobenheit der Politiker vom Volk – mit Mohr muss man feststellen: Auch so mancher Journalist fliegt auf weichen patriotischen Wölkchen fernab von Mittel- oder gar Unterschicht.

Für manchen mag es genug sein, elf überbezahlte Sportler mit schwarz-rot-güldenem Fläggchen auf der Brust zu sehen, um alle gesellschaftlichen Probleme beiseite zu schieben. Wenn Realitätsverweigerung die Nebenwirkung von Patriotismus a’la Mohr ist, dann lehne ich einen solchen dankend ab.

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