Isch 'abe gar kein Untertitel...

Autor: Hokey (Seite 2 von 895)

Kindermund

Die Digitalisierung hinterlässt ihre Spuren:

Tochter² rutscht auf ihren Socken über den Laminat, anstatt ordentlich zu laufen.

Tochter¹: „Warum swypt Tochter² die ganze Zeit?“

Alle haben recht

„Ambiguitätstoleranz“ – das hatte ich mir mal auf die Fahne geschrieben, sollte mir zum geflügelten Wort werden. Und wenn nicht jetzt, wann dann? Es ist frappierend, wie schnell die Stimmung in unserer Republik so deutlich in eine pro-bellizistische umschlagen konnte und dieser Umstand lässt erahnen, dass wir es mit Urteilen über Menschen und Gesellschaften unserer Vergangenheit immer vorsichtig sein sollten. Die warnenden, vorsichtigen Stimmen bekommen in diesen Tagen heftigen Gegenwind, werden gar als „fünfte Kolonne Russlands“ beschimpft – ironischerweise im gleichen Duktus, dessen sich der russische Diktator befleißigt. Gleichzeitig setzen sich Menschen für kriegerische Aktivitäten ein, denen man das bislang nicht in dieser atemraubenden Geschwindigkeit zugetraut hätte, namentlich die Führungsriege der Grünen. Und diese gesellschaftliche Spaltung zieht sich quer durch die Bundesregierung, in der der abwartende Scholz mit seiner SPD öffentlich zur Vorsicht rät, während die kleinen Koalitionspartner gewaltig Druck aufbauen, um den Kanzler zur Lieferung schwerer Waffen zu motivieren. Wessen Haltung ist nun die richtige?

Und während in den sozialen Netzwerken Millionen kleiner Generalfeldmarschälle und Pazifisten schäumend zu wissen vorgeben, was nun der einzig richtige Weg ist, sehe ich nur Ambiguität: Alle haben recht. Mit noch mehr Waffenlieferungen wird keine Kampfhandlung gestoppt, schlimmstenfalls müssen wir uns darauf einstellen, dass der Krieg sich verschlimmert, gar auf die NATO ausweitet und schlimmstenfalls Atomwaffen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig werden in der Ukraine alleine aus imperialistisch-nationalistischen Motiven heraus tausende Zivilisten ermordet und Städte dem Erdboden gleichgemacht. Die Planungen Putins erschöpfen sich anscheinend nicht alleine in der Eroberung des Meereszugangs über die Ostukraine, sondern erstrecken sich auch auf Gebiete in Moldau, dem Baltikum oder Polen, immer mit dem Vorschub, die bedauerliche, unterdrückte russische Bevölkerungsminderheit schützen zu müssen. Schaut man dann in die Geschichte und betrachtet die Appeasement-Politik vor dem Zweiten Weltkrieg, dann sieht man, dass diese angesichts eines fanatischen Kriegstreibers keinen Krieg verhindert hat. Es ist darum verständlich, dass deutliche wirtschaftliche, aber auch militärische Stopp-Signale gesetzt werden müssen. Dass Kiew noch steht, mag eine Folge dieser Unterstützung sein.

Wer hat nun recht? Jeder? Niemand? Wir werden es erst in Zukunft wissen.

Friday against Dreadlocks

Das Wochenende teilweise in Heilbronn am Dieter-Schwarz Bildungscampus verbracht. Dort kurz durch die durchaus nicht so hässlich wie geschilderte Stadt geschlendert und eine Fridays-For-Future-Kundgebung besichtigt. Niemanden mit Dreadlocks gesehen, aber das mag in Heilbronn auch nicht der lokalen Haarmode entsprechen. War aber etwas verwundert über das Ausladen der Künstlerin Ronja Maltzahn durch die Hannoveraner FFF. Es erinnert mich sehr an das Endspiel der Piratenpartei, wo man ein gutes Ziel für die vermeintliche beste moralische Verhalten aufgab und sich gegenseitig – zumindest in meiner Außenperspektive – aus voller Herzenlust mobbte. Wir sollten Cancel Culture keinen Raum lassen. Ich werde meine Sympathie für FFF in Zukunft mit deutlich mehr Vorsicht versehen.

Auch gelernt, wie man „Neckarsulm“ richtig ausspricht.

Watsch’n

Fürs Protokoll: Es war das Wochenende der Ohrfeigen bei kleinen und sehr großen Veranstaltungen. Beide Male bekamen Comedians für ihre vermeintlichen Frechheiten eine kräftige Schelle. Den ersten Fall lohnt es sich nicht, hier zu erwähnen, aber dass Will Smith während einer Oscar-Verleihung so die Nerven verliert, wer hätte das gedacht?

Gib Gas

Krieg in der Ukraine, Nordstream 2 gestoppt und alle Welt spricht vom totalen Embargo. Während die Zeitungen voll sind von Artikeln, wie man für die Ukraine Gas spart, wohin die Preise noch explodieren und auf welche Alternativen clevere Hausbesitzer umsteigen können, steht bei uns ein kleiner Bagger im Garten. Auf dem kleinen Bagger sitzen kräftige Männer und baggern einen feinen Graben, durch den sie eine funkelnagelneue Gasleitung ziehen. Konnte auch unser Vermieter nicht ahnen, dass die Weltlage sich so entwickeln würde… aber es ist schon etwas bitter, wenn man sieht, wie da Dino-Technik ans Haus verlegt wird, die im Prinzip jetzt schon überholt ist.

So lange das unsere einzige Sorge bleibt, ist alles gut. Es kann noch sehr viel schlimmer kommen – wollen wir das Beste hoffen!

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