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Isch 'abe gar kein Untertitel...

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Klimwandel: Ein unverwantwortliches […] Experiment

Habe gestern eine Vorlesung des Klimaforschers Dirk Notz mit dem Titel „Klimawandel: Ein unverantwortliches soziologisches Experiment“ aus der Reihe DLF Hörsaal gehört. Notz ist Professor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, Leiter der Forschungsgruppe „Meereis im Erdsystem“ und einer der Leitautoren des Weltklimaberichtes. Er untersucht das Eis der Arktis und kennt die Situation dort aus eigener Anschauung, und berichtet in seiner Vorlesung, was er aus dem Eis über den Klimawandel lernt. Und wie schon der Biologe Mark Bennecke zuvor hatte Notz nichts Gutes mitzuteilen. Ich paraphrasiere mal: Die letzten zehn Jahre werden, trotz all der Hitzerekorde, die kühlsten sein, die wir in diesem Leben noch erwarten dürfen.

Während ich Notz‘ Worten lausche, zeigen die Nachrichtenseiten schon die ersten Warnungen für den Süden Deutschlands an: Überschwemmungen und „Starkregenereignisse“ deuten sich wieder einmal an, und als ich heute die Meldung lese, dass es in einem der betroffenen Orte nicht mehr ausreicht, sich in obere Stockwerke zurückzuziehen, weil ein Damm gebrochen ist, da wird auch mir im trockenen OWL klar, dass es offensichtlich nicht nur ein herkömmlicher starker Regen war.

Derweil Markus Söder erneut für die Kameras durch den Regen stapft (wie lange wird das noch zur Medienwirksamkeit taugen?) und Sandsäcke organisiert, statt Ursachen zu bekämpfen, ficht die Union einen Don Quichotte-artigen Kampf gegen herbeiphantasierte Hacker, denen sie unterstellt, ihr fabelhaftes Exemplar einer Umfrage manipuliert zu haben. Impetus der sogenannten „Umfrage“: Wir wollen kein Verbrennerverbot! Warum schreiben sie nicht: Wir wollen euch ersaufen sehen!

Denn wer A sagt, der muss auch B sagen, so Notz, die Atmosphäre lässt nicht mit sich verhandeln: Je mehr CO² in der Atmosphäre, desto heißer wird es werden. Notz sagt deutlich, dass es völlig egal ist, ob wir mit dem Finger auf [wen auch immer] zeigen – denn nur, wenn alle ihren Output auf 0 (in Worten: null) senken, schaffen wir die Umkehr. Das CO² treibt die Hitzeentwicklung weiter an, egal ob wir leugnen, andere beschuldigen, ignorieren oder zu blenden versuchen.

Diesmal: Menschen

Im letzten Post hat es noch Brüllaffen in Mexiko erwischt, nun haut die Hitze in Asien Menschen um: Hunderte Menschen in Pakistan erleiden Hitzschlag.

Wie wollen wir darauf reagieren?
„Letztes Jahr hat es doch viel geregnet!“
„Wir hatten ja wohl Schnee!“
„Die sind einfach nicht technologieoffen!“
„Windkraft verschandelt unsere Landschaft!“
„E-Autos sind leider zu gefährlich!“
„Scheiß Woke-Bubble!“
„Sind doch nur 2 bis 4 Grad!“

Irgendwann erreichen die Folgen auch uns. In Form von Hitze, Flut, Trockenheit oder Menschen, die in ihren Heimatländern nicht mehr leben können. Aber dann ist es zu spät. In Pakistan und Mexiko offensichtlich jetzt schon.

Ich ergänze um:
„Wir wissen nicht, welche Mobilität in Zukunft wirklich umweltneutral ist. Mehr Verbrenner bitte!“ (Quelle)

Brüllaffen

Irgendwo auf der Welt ist ein Hubschrauber abgestürzt – die Nachrichten sind voll davon. Auf dem Wichtigkeitsradar ganz oben, Sensation! Dazu saß noch einer drin, dem man’s gönnt. Ein Unterdrücker. Ein Mörder. Die Schadenfreude sitzt locker.

Daneben nur kurz, klein und unscheinbar eine Meldung. Affen fallen tot von ihren Bäumen. Kurz: Mexikanische Brüllaffen dehydrieren und erleiden Hitzschläge. Joa, mei! Was ist das schon gegen einen handfesten Hubschrauberabsturz! Letzterer könnte Umbrüche provozieren, Machtkämpfe in einem unterdrückerischen Regime heraufbeschwören, Instabilität herbeiführen!

Dass die klimatischen Veränderungen auf der Welt bedeutsamere Umbrüche herbeiführen werden als unsere virtuellen Theaterstückchen um Macht und Rechthaberei, scheint uns immer noch nicht so recht bewusst. Derweil bereitet sich das Saarland auf neue Regenfälle vor – und der in nichtssagender Symbolpolitik geübte Kanzler kommt aus den Gummistiefeln bald nicht mehr heraus: Ob erst im Dezember in Niedersachsen oder heuer im Saarland – es reicht bald nicht mehr, alle paar Jahre die Hemdsärmel medienwirksam hochzukrempeln. Des Kanzlers neue Kleider werden alle erkennen, wenn er zum dutzendsten Mal die „volle Unterstützung des Bundes“ versprechen muss und allen klar wird, dass leere Worte und ein paar Millionen Euro gegen dauerhafte Klimaveränderungen nichts ausrichten können.

Denn auch wir sind am Ende nichts anderes als Brüllaffen. Auf selbstgebauten Bäumen.

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