Bohemian Rhapsody

Gestern dann endlich den Film „Bohemian Rhapsody“ nachgeholt. Ich habe bis dato nur begeisterte Rückmeldungen wahrgenommen und muss leider zugeben, nur mittelmäßig begeistert zu sein. Witzig natürlich die Idee, das „20th Century Fox“-Intro im Brian-May-Stil einspielen zu lassen. Toll auch die Schauspieler, die optisch unglaublich nah an ihre realen Vorbilder herankamen. Und Rami Malek spielt Freddie Mercury fantastisch.

Biopic

Dreh- und Angelpunkt des Films ist die Geschichte um das Verhältnis zwischen Freddie Mercury, seinem Freund und Manager Paul Prenter, dem die Rolle des Bösen zugeschrieben wird, und den Guten: den drei restlichen Bandmitgliedern und Mercurys Freundin Mary Austin. Nachdem Mercury sich der Band angeschlossen und von seiner konservativen Familie gelöst hat, beginnt seine Beziehung mit dem Manager Paul Prenter, der seinen negativen Einfluss auf Mercury stetig ausweitet, ihn für sich instrumentalisiert und immer mehr für sich vereinnahmt. Prenters Gegenpole müssen um Mercury kämpfen und dafür sorgen, dass Mercury, der sich auf Geheiß Prenters von Queen für ein Solo-Projekt trennt, wieder zur Band zurückfindet und Kontakt zu seiner besten Freundin findet. Am Ende erkennt Mercury seine AIDS-Erkrankung, deren Verlauf der Film ausspart, denn den Schlusspunkt bildet der Live-Aid-Auftritt 1985.

Nicht für Queen-Fans

Wer den Film guckt, weil er ein Queen-Fan ist, muss enttäuscht bleiben. „Bohemian Rhapsody“ ist ein Biopic und beschränkt sich (leider) nur auf die Geschichte Freddie Mercurys, beschäftigt sich wenig mit der Band als solcher und noch weniger mit der Geschichte der anderen Band-Mitglieder (die vielleicht nicht so interessiert daran waren, dass ihre Lebensgeschichte auf eine Hollywoodleinwand gebannt wird). Die Entstehungsgeschichte der Band wird nur kurz gestreift, als Mercury, May und Taylor sich nach einem Gig auf dem Parkplatz begegnen; Bassist Deacon, der in der Parkplatzszene noch fehlt, ist plötzlich einfach da. Warum man sich von „Smile“ zu „Queen“ umbenennt und wie die Band das diskutiert, wird nicht gezeigt. Es ist halt plötzlich so. Die vielen spannenden Warums und Wiesos der Bandgeschichte spielen in diesem Film keine Rolle.

Mercurys Biografie nimmt den meisten Raum ein. Von den anderen Bandmitgliedern erfährt man gerade mit Müh und Not die Berufsausbildung. Ansonsten Schweigen. Nicht eine Szene widmet sich Brian Mays berühmter „Red Special“, den mayesken Soundkaskaden oder dem berühmten Mini-Amp, der für den großen Studio-Sound verantwortlich sein soll. Welche Musik hören Queen? Welchen anderen Musikern begegnen sie? Der Kosmos des Films ist leider ein sehr kleiner. Die verschiedenen musikalischen Phasen der Band, vom klassischen ausschweifenden Rock der 70er bis in die Pop-Phase der 80er werden kaum thematisiert. Irgendwann fällt mal das Stichwort „Synthesizer“ und „Madonna“, ansonsten gibt es wenig Auseinandersetzung. Elton John? Montserrat Caballe? David Bowie? Mit Ausnahme Elton Johns fallen nicht einmal deren Namen.

Trotzdem ist der Film ein berührender, da man dann doch beim Zusehen und -hören wieder feststellt, was für eine großartige Band Queen waren und wie viele fantastische Songs die vier Briten produziert haben. Das gäbe noch einiges an Stoff her. Es gibt also noch viel nachzuholen und Trilogien standen ja kürzlich noch hoch im Kurs – warum also nicht eine Queen-Trilogie, die sich ausführlich die Band-Geschichte vornimmt?