iRig. Tausend Sounds. Beispiele.

Yeeeha! Das iRig ist angekommen, leider hatte ich bis heute aber kaum Zeit, es ausreichend zu testen. Doch heute ist ja Samstag, es regnet ohne Unterlass und was hätte man da schon Besseres zu tun? Also flugs das iRig angeschlossen.

Die unkomplizierte Variante

Am leichtesten geht es so: Man schließe das iRig an ein iPad an, lade eine App mit Ampsimulation (z. B. Amplitube oder BIAS FX) und lege los. Am iPad überzeugt mich der Sound über die Kopfhörer am meisten, was daran liegt, dass am iPad die Pegel offenbar leichter auszusteuern sind. Der Sound ist klar und nuancenreich, und Veränderungen der Verzerrung durch feine Lautstärkeunterschiede sind leicht auszumachen. Kurz: Alles ist perfekt. Bei der Ampsimulation habe ich mich für BIAS FX von Positive Grid entschieden, für welches 10€ wirklich kein Geld sind, wenn man bedenkt, welche Soundvielfalt man geliefert bekommt. Selbst der schrottigste Plastikeffekt aus dem Gitarrenladen wird mindestens das Doppelte kosten.

BIAS FX versucht, das Bühnensetup eines Gitarristen zu simulieren. Das Gitarrensignal geht ins iPad und wird dann der Reihe nach durch verschiedene simulierte Effekte und Verstärker geschickt:

 

Amp-ipad

Im Screenshot sieht man oben die Signalkette. Die ausgegrauten Effekte sind deaktiviert, alle anderen sind aktiv. Die Effekte vor dem Amp („69 Plexiglas“, imitiert einen Marshall Plexi) verändern das Signal, bevor es in den Amp geht, alle anderen verändern das Signal, das aus dem Amp heraus kommt. Ein Reverb-Effekt (Hall) zum Beispiel sollte immer am Ende der Kette stehen, denn die schöne Hallfahne würde ja von allen anderen Effekten verunstaltet.

Positive Grid hat bei der Gestaltung seiner App auch an die Gitarristen gedacht, die gerne auf einem echten Pedalboard herumsteppen würden und bietet dem User die Möglichkeit, die Effekte wie auf einem Pedalboard anzuzeigen. Das erleichtert das Ein- und Ausschalten der Effekte  etwas:

pedalboard-ipad

Noch besser gefällt mir die Ansicht, die für die Midi-Automation gedacht ist. Schließt man ein Midi-Board per Bluetooth an das iPad an, kann man die simulierten Effektgeräte tatsächlich per Fußtritt ansteuern. In dieser Ansicht kann man auch mehrere Effekte gleichzeitig rein- oder rausnehmen oder das gleich das komplette Preset wechseln:Midi-ipad

Ist aber zugegebenermaßen optisch nicht so sexy wie die Pedalboardansicht.

Die Bandbreite an Effekten und Verstärken ist immens. Von Fender- und VOX-Simulationen über die Marshall-Klassiker bis hin zu einem Peavey 5150 oder auch moderneren Amps wie dem Mesa Boogie Rectifier kann man mit der App alle Stilrichtungen bedienen. An Effekten gibt es alles, was das Herz begehrt: Diverse Kompressoren, Booster, Verzerrer, Modulationseffekte und verschiedene Hall-Varianten lassen keine Wünsche offen. Lediglich auf das Wah muss man verzichten; zwar gibt es ein Cry Baby, aber ohne Fußpedal ist ein Wah doch ziemlich witzlos.

Die etwas kompliziertere Variante

Für das MacBook gibt es das gleiche „groß“. Noch mehr Amps, mehr Effekte (und mehr Prozessorpower im Hintergrund). Allerdings fällt es mir auf dem MacBook bisweilen schwer, die Lautstärke so einzustellen, dass der Sound deutlich  und klar vermittelt wird, ohne dass es ein fieses Feedback gibt. Entweder ist der Sound zu leise, was das Spielgefühl stört, oder er ist zu laut und es wird unangenehm für die Ohren. Erstaunlicherweise entsteht kein Fiepen, wenn ich über offene Boxen spiele! Eigentlich sollte es ja umgekehrt sein. Wahrscheinlich mache ich irgendetwas falsch…

Auf dem Mac kann man übrigens auch leichter aufnehmen als auf einem dauerüberfüllten 16GB-iPad, und ich habe heute schnell mal ein paar Soundbeispiele eingespielt, denn es ist tatsächlich äußerst erstaunlich, was man mittlerweile per Software simulieren kann. Ich habe darum einfach mal vier verschiedene Sounds eingespielt. Bei dem ersten wird die Verzerrung nur durch Lautstärkeunterschiede an der Gitarre verändert von fast clean (Volumenregler halb aufgedreht) bis hin zu angezerrt (Volumenregler ganz auf) und ordentlich crunchy (stärkerer Anschlag). So viel Dynamik hätte mein alter V-Amp nicht geschafft.

Die restlichen Sound zeigen dann nur noch kurz das Spektrum von einem 80er-Cleansound mit Modulationseffekten, einen Metalsound und eine akustische Verstärkersimulation (Meas Boogie Triple Rectifier mit einem vorgeschalteten TubeScreamer). Vielleicht schaffe ich es demnächst auch einmal, BIAS FX in einem kompletten Mix einzusetzen.