Hokeys Blog

Isch 'abe gar kein Untertitel...

Beginn einer kleinen Odyssee

Das konnte im Oktober, als wir unsere Flüge buchten, ja noch keiner ahnen, dass ein Referendum über [ja, worüber eigentlich genau?] in Griechenland genau einen Tag vor unserer Ankunft in Kreta anstehen würde, und es war auch nicht abzusehen dass die griechischen Banken den Griechen nur noch 60 Euro am Tag auszahlen würden. Vielleicht sollen es bald sogar nur noch 20 Euro sein – selbst mit „großem“ Geld kommt man dann nicht mehr allzu weit, weil niemand mehr wechseln kann. Mit EC-Karte könne man zahlen oder per Kreditkarte, doch wer wird noch eine bargeldlose Zahlung akzeptieren, wenn er nicht an sein virtuelles Geld herankommen kann und der Wechsel zur Drachme droht? Ich würde auch auf Barzahlung bestehen – und diese griechische Krise ist ein Lehrstück für den kleinen Bürger, warum er sich nicht auf hanebüchene Pläne in Wirtschafts- und Politikerkreisen einlassen sollte, eine rein bargeldlose Zahlung zu akzeptieren.

Und während die griechische Bevölkerung die ersten Auswirkungen der Krise zu spüren bekommt, avanciert Wolfgang Schäuble zu einem der beliebtesten Politiker Deutschlands. Da packste dir an‘ Kopp!! Ausgerechnet Koffer-Schäuble, der mit seinem Beharren auf einem rigiden Sparkurs zu den Würgern der griechischen Wirtschaft gehört. Aber eigentlich logisch: das mit dem Sparen, das versteht die schwäbische Hausfrau, nur dass sie keine Volkswirtschaft und keinen Staatsapparat am Leben erhalten muss.

Nun denn, die Flüge sind bezahlt, das Ferienhaus auch, der Mietwagen wartet (ob wir genug Sprit haben werden?) – also wird die Reise auch angetreten. Und Stress hatten wir schon im Vorfeld genug, denn drei der insgesamt sieben Mitreisenden sind wegen Krankheit kurzfristig abgesprungen und Ersatz musste her. Dafür, dass es eine Woche vor Reiseantritt allerdings nicht sehr einfach ist, jemanden zu finden, der menschlich passt und sowohl Zeit als auch Lust hat für eine gewisse Zeit mit einer Familie mit zwei Kindern nach Kreta zu fliegen, haben wir Glück gehabt: Nun sind wir zu Acht und die erste Familie bleibt nicht auf ihren Kosten sitzen, wo die Erkrankung schon schlimm genug ist.

Unfassbar umständlich war nur der Prozess der Umbuchung, der sich über zwei Tage, mehrere Stunden und widersprüchliche Angaben der Callcenter-Mitarbeiter hinzog. Von „Alle Tickets müssen neu gekauft werden“ bis hin zu „Kein Problem“ war alles drin, konstant blieb nur, dass es nie mit einem Anruf getan war. Da wurden plötzlich Kinder zu Erwachsenen und Erwachsene zu Jugendlichen, mehrere Mails erreichten ihr Ziel nicht, die Angaben in meiner Online-Maske unterschieden sich deutlich von denen, die die Mitarbeiter in ihrer Maske sehen konnten. Wie auch immer, es scheint nun alles zu funktionieren.

Bouldern

Gestern zum ersten Mal gebouldert, weshalb mir nun alle Armmuskeln schmerzen. Bouldern ist ein Klettersport, der an relativ niedrigen Wänden in einer Höhe von bis zu 4 Metern stattfindet, in welche sogenannte „Steine“ mit einer bestimmten Farbe eingelassen sind, an welchen man sich bis zum höchsten Stein hochhangeln muss. Die Farben stehen für die verschiedenen Schwierigkeitsstufen: Weiß steht für sehr leicht, Schwarz sehr schwer und alle anderen Farben befinden sich irgendwo dazwischen. 

Es ist beim ersten Mal gar nicht so leicht, in all dem Farbenwirrwarr eine Strecke auf Anhieb zu finden und zu erkennen, ob man nun im Sitzen oder im Stehen starten muss. Beim Klettern selbst ist viel Technik dabei, man muss kraftsparend klettern, möglichst am langen Arm, und die Beine belasten, wenn möglich. Und es hat Spaß gemacht und ich bin, glaube ich meinen Mitkletterern, auch schon ganz gut reingekommen. Eine orange Strecke mit Übergriff und ums Eck habe ich schon hinbekommen, allerdings fühlten sich meine Arme danach an, als wären sie gelatinös. Gegen Ende schwanden die Kräfte dann derart, dass ich an einer weißen Traverse kapitulieren musste. 

Sehr angenehm war die Atmosphäre in der Boulderhalle. Die Menschen dort waren sehr zugänglich, sodass man auch mit Fremden schnell ins Gespräch kommen konnte. Nach erfolgreich absolvierten Strecken faustet man sich ab, und sogar fremde Personen machen das, wenn man eine schwere Strecke geschafft hat. Und schwere Strecken gibt es auch für die guten Kletterer mehr als genug. Eine gelbe Route musste ich fünf Mal von vorne beginnen, bevor ich sie durchklettern konnte. Aber das macht auch den Reiz aus, sich in dieser Unendlichkeit an Strecken immer wieder eine neue Herausforderung zu suchen. 

Wäre schön, wenn ich das Bouldern als Ergänzung zum Laufen beibehalten könnte, denn dann hätte ich neben dem Ausdauersport noch einen Kraftsport und dann fehlt es mir eigentlich nur noch an Beweglichkeit (Yoga?). Aber teuer ist es schon, wenn man pro Session Ü-10 Euro für Schuhe und Eintritt hinblättern muss, da amortisiert sich ein Paar Laufschuhe schneller. 

Keimfreie Gesellschaft

Die Familie sei die Keimzelle des Staates! – das versicherte mir mein Großvater schon vor 18 Jahren mit der Gewissheit des Nazizeit-Sozialisierten, und heute, im Jahr 2015, bricht ein FAZ-Kommentator eine Lanze für die „Keimzelle“ des Staates. Ich breche ab! „Der Fortschritt braucht Vater, Mutter, Kinder“, kommentiert Reinhard Müller, und bei der „beabsichtigten Gleichstellung von Ehe und ‚Homo-Ehe’“ geht es auch ihm „um die Keimzelle der Gesellschaft“.

Kernaspekt gegen die Homo-Ehe ist für Müller die Fähigkeit einer Hetero-Ehe, aus sich heraus Kinder produzieren zu können:

„Zwar bringt auch nicht jede Ehe Kinder hervor, wie Karlsruhe messerscharf beobachtete, doch ist die Verbindung zwischen Mann und Frau nun einmal die einzige, die Kinder hervorbringen kann.“

Und nun? Was nähme uns da die Homo-Ehe? Würden wegen der Homo-Ehe scharenweise Heteros zu Homos? Werden Kinder wegen der Ehe gezeugt? Oder präziser: Würden wegen der Homo-Ehe weniger Kinder in Hetero-Ehen gezeugt? Was für ein ausgemachter Blödsinn!

Da Müller offensichtlich gute Argumente für seine „Niedergang-des-Abendlandes“-These fehlen, rührt er in der Samenbank:

„Der neue, überparteiliche Leitsatz, der womöglich bald auch im Grundgesetz steht, lautet: Familie ist da, wo Kinder sind. Aber die Samenbank ist nicht die Keimzelle der Gesellschaft.“

Ehe sollte da sein, wo zwei Menschen sie haben wollen. Ob mit oder ohne Kinder. Ob diese nun adoptiert oder anderweitig gezeugt worden sind. Sie alle bleiben Menschen. Einfach Menschen.

Und die haben es verdient, so behandelt zu werden wie die restlichen Menschen auch.

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