Der Sound des Computers: Ein Highlight aus der Demoszene

Da kaum ein Jugendlicher sich Mitte der 90er die ganzen tollen und teuren Computerspiele leisten konnte, fanden sich andere Wege, um an neue Games heranzukommen. Es gab immer irgendwen, der das neueste Spiel schon hatte, sodass man mit einer Hand voll Leerdisketten schnell der nächste sein konnte, der sich in ein neues Computer-Abenteuer stürzen durfte. Doch neben den Computerspielen wurde noch ein anderes Kulturgut auf den Disketten mitgeliefert: Die Demo.

Demos waren kleine Kunstwerke, die die Cracker der Spiele vor dem Start des eigentlichen Spieles ablaufen ließen – einerseits, um zu dokumentieren, dass sie diejenigen waren, die das Spiel als erste gecrackt hatten, andererseits um zu zeigen, dass sie mehr konnten als bloß einen Kopierschutz zu knacken. Dabei übertrafen die Cracker sich bisweilen selbst und entstand im Laufe der Zeit eine Szene, die sich bis heute Wettbewerbe um die beste Demo liefert.

Möglichkeiten ausschöpfen

Die Ergebnisse dieser Wettbewerbe landeten manchmal auf den ausgetauschten Disketten. Und so konnte es passieren, dass der unbedarfte PC-User plötzlich vor seiner Daddelkiste saß und aus dem Staunen nicht mehr herauskam bei all dem Feuerwerk, das die Demo-Entwickler ihm um die Augen und die Ohren hauten. Die meisten Demos dürfte ich mittlerweile vergessen haben, aber eines der großartigsten ist mir in Erinnerung geblieben, nämlich „Second Reality“ von der Future Crew. Heute kann ich einfach ergooglen, dass die Truppe das Demo 1993 veröffentlicht hat, damals habe ich einfach nur staunend zugesehen, was die mit meinem Computer alles machen konnten:

Das war eine der Demos, die mich stundenlang vor den Computer gefesselt haben – und zwar sowohl optisch als auch musikalisch. 1993 war das ganz großes Kino und der Gruppe gelang dazu noch ein Hammer-Soundtrack, der es auf mein Computer-Mixtape schaffte. Und während ich mir all das so anschaue, wundere ich mich ein wenig, dass ich nie wirklich etwas mit Techno anfangen konnte – obwohl alle bisher gezeigten Computer-Soundtracks weit entfernt sind von dem Müll, den die Produzenten dann Mitte der 90er unter der Überschrift „Techno“ in Komplizenschaft mit freien Bauchnabeln unters Volk kübelten.  Einige grafische Effekte habe ich damals versucht nachzuprogrammieren, mal mit mehr, mal weniger Erfolg. 😉  Glücklich, wer heute lebt: Auf Github kann man in den Quellcode schauen.

Cracktros

Ein Kracher wie Second Reality war für einen normalen Standarduser aber ein Glücksfall. In der Regel musste man sich mit den etwas sparsamer programmierten Cracktros begnügen, die meist nur eine kurze Laufsequenz vor dem eigentlichen Spiel hatten und sich üblicherweise mit buntem Lauftext oder ähnlichem begnügten. Bekannt dürften vielen Usern die Cracktros von Skid Row (Youtube), TRSI (Youtube) oder anderen bekannten Crackergruppen sein.

Und wo es gerade in den Kommentaren angesprochen wird: Ja, da wird man schon ein wenig nostalgisch – aber das geht nicht nur mir so. Mehr dazu im nächsten Beitrag!

5 Gedanken zu “Der Sound des Computers: Ein Highlight aus der Demoszene

  1. Ich find es ja hart, wie die damals so was einfach in Assembly rausgehauen haben. War gar nicht so einfach damals. Vor allem speicher management auf DOS oder AmigaOS

    • Ja, Assembler habe ich ehrlich gesagt nie geschnallt, das war mir dann eine Spur zu hart. Meine Basic-Programme hatten schon genug Programmierfehler, da brauchte ich nicht noch etwas Schlimmeres. 😉

  2. Ferienzeit macht produktiv, was? 😉

    Schöne Themen! Da muss ich doch glatt mal gucken, welche Spiele ihren Dienst noch am Amiga verrichten 🙂
    Ist ja bald Wochenende…

    • Das meiste habe ich schon anno 2006 vorgeschrieben bzw. vorstrukturiert. Musste jetzt eigentlich nur drübergehen und Videos mit einer besseren Auflösung suchen.

      Für meinen Amiga habe ich leider keinen Monitor mehr. :-/

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