„Leistung aus Leiden schafft: Deutsche Bank“

…kommentiert Webrocker bei Nerdcore. Denn die Deutsche Bank wirbt fleißig mit Agriculture-Fonds, damit wir am Hunger, nein, natürlich nur an den steigenden Lebensmittelpreisen verdienen partizipieren können. 

Allerdings habe ich noch nicht ganz verstanden, was daran jetzt genau kritikwürdig ist? Dass jemand an Lebensmitteln verdient? Das Ding ist schon seit Jahrtausenden gegessen, lässt sich nicht zurückdrehen. An Lebensmitteln verdient man bekanntlich am besten und die Branche hat verdammt gute Zukunftsaussichten bei über 6 Milliarden Menschen weltweit.

Oder geht es um die Unverschämtheit, uns mit dieser offenen Werbung, die die Deutsche Bank zynischerweise auf Brötchentüten drucken ließ, unsere kapitalistische Monsterfratze im Spiegel vorzuhalten? Wir, die wir bei Aldilidlpluspenny auf billigsten Lebensmitteln bestehen, für unsere Sonntagsbrötchen verbrannte Arbeiter "in Kauf nehmen" (im Wortsinn) und lieber Gammel schlucken als den Bauern nebenan zu unterstützen?

Wir stehen mittendrin, sind verstrickt im Geiz ist konsumgeil, niedrigen Löhnen und im Verdienenwollen. Abgestimmt wird mit den Füßen. Wer was dagegen hat, sollte sein Konto bei der Deutschen Bank kündigen. Aber er sollte dann auch Discounter meiden, sich überlegen, wessen hippen Schuhe, Klamotten und Accessoires er noch zu kaufen bereit sein darf. Wessen Werbegelder er für sein Blog bezieht. Und sollte sich auch Gedanken darüber machen, von welchem Computer aus er seine moralischen Ergüsse bloggt. Das ist nämlich alles verdammt kompliziert. Mir ist es, das wird mir immer deutlicher, zu kompliziert, um triftige moralische Urteile zu fällen, die nicht auf mich zurückfallen.

Aber Wut habe ich trotzdem.

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Ein Gedanke zu “„Leistung aus Leiden schafft: Deutsche Bank“

  1. Der entscheidende Unterschied ist doch der, dass man sich – als Konsument – seiner eigenen Verstricktheit in diese (mit Absicht geschaffenen) Zusammenhänge bewusst sein kann, auch wenn man abgesehen von komplettem Aussteigertum in deutscher Sack und Asche kaum etwas fundamental ändern kann.

    Oder man begrüßt und bewirbt eben – wie u.a. besagte Bank – freudig solche Zusammenhänge nicht als bedenklichen Zustand der Welt, sondern als willkommene Gelegenheit zur gewinnbringenden Spekulation. Die Welternährungssituation als lukratives Geschäftsmodell.

    Die Wut, die du ansprichst und trotz allem hast – wie ich auch -, ist letzten Endes Ausdruck für die Existenz eines Potenzials, etwas zu ändern, wenn sich eine brauchbare Möglichkeit dazu ergibt, aus der o.a. Zwickmühle sprich Verstricktheit herauszukommen.

    Besagte Bank(en) und Krisenspekulanten nebst involvierte Politiker dagegen werden freiwillig nie etwas an derart gewinnbringenden Zuständen ändern.

    Es ist schlicht eine Frage der Haltung.

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