Wir empfehlen den Duden und Karl May, Herr Schäuble

Nun probt auch Herr Schäuble den Aufstand der Unanständigen:

[Schäuble] fügte
hinzu: "Es werden auch blonde blauäugige Menschen Opfer von
Gewalttaten, zum Teil sogar von Tätern, die möglicherweise nicht die
deutsche Staatsangehörigkeit haben. Das ist auch nicht besser." (Spiegel)

und legitimiert damit nachträglich die Gewalt gegen den farbigen Deutschen, der immer noch mit dem Tode ringt. Mit seiner trotzigen Phrase "Das ist auch nicht besser" scheint Schäuble darauf hinweisen zu wollen, dass er die Berichterstattung mal wieder gemein und unfair findet, weil die bösen Medien immer nur gegen die Rechten poltern würden. Herr Schäuble sollte in einem nahegelegenem Altenheim vielleicht seinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen lassen: Der Fall Sürücü ist vor noch nicht mal 24 Stunden mit allen Klischees durch die Medien gereicht worden. Mal abgesehen von den täglichen Meldungen von türkischen Messerstechern in der Tageszeitung, aber es geht hier jetzt nicht um die Verbreitung von Stereotypen gegen Ausländer durch die Medien, sondern um unseren, meiner Meinung nach, durchgeknallten Spendenschieber.

Diesem möchte ich die Lektüre von Karl May schwerstens ans Herz legen. Kinder, die Karl May lesen, erwerben bei der Lektüre nämlich ein gewisses Sprachgefühl für gewisse abwertende Wörter. "Rothaut" wäre so eins. Oder "Bleichgesicht". Aber, Herr Schäuble, auch das Wort "Nigger" galt schon vor über 100 Jahren, denn der Herr May lebte noch zu des Kaisers gesegneten Zeiten, als Schimpfwort für dunkelhäutige Menschen, die man damals regulär "Neger" nannte. Merke: Nur böse Sklavenhalter und Rassisten düfen in Herrn Mays Werk "Nigger" sagen. Die anderen sagen "Neger". "Nigger" ist ganz böse gemeint, das wussten schon die Menschen, die noch die Monarchie liebten und später ein paar böse Kriege führten.

Natürlich gibt so etwas, das man "Bedeutungswandel" nennt. Wörter ändern ihre Bedeutung und das wissen Sie sehr gut Herr Schäuble, denn die Okkupation bestimmter Wörter ist ihr täglich Brot als Politiker. Nun verhält es sich mit dem Wort "Nigger" allerdings nicht so. Mein Duden aus dem Jahr 2001 sagt mir, dass das Wort Nigger, ich zitierte:

"diskriminierend für Schwarzer"

gemeint ist. Wenn also jemand heutzutage auf der Straße einen anderen Menschen in aggressivem Tonfall mehrfach als "dreckiger Nigger" beschimpft, dann legt das nahe, dass dieser Mensch, wir folgen Karl May, ein Rassist ist und, wir folgen dem Duden, diesen Menschen aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe diskriminiert. Solche Menschen nennt man heute "Rechtsradikale". Die suchen sich ihre Opfer nicht zufällig, sondern ganz gezielt nach bestimmten phänotypischen Merkmalen, Herr Schäuble. Da spielt es dann nämlich plötzlich doch eine Rolle, ob man blond und blauäugig ist oder nicht.

Ehrlich gesagt, Herr Schäuble, habe ich noch von keinem Ausländer gehört, der sich gezielt blonde und blauäugige Opfer gesucht hat. Und das macht einen feinen, aber gewalt(tät)igen Unterschied.

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