Greta.

Da gab es unlängst diesen jungen Mann, ein Teenager, wie man so landläufig sagt, der auf die auf den ersten Blick etwas vermessen scheinende Idee kam, die sieben Weltmeere mit einem Filter vom Plastikmüll zu befreien. Während ich mich noch zweifelnd am Kopf kratzte, hatte irgendwer das Projekt des Niederländers Boyan Slat schon finanziert und mittlerweile dümpeln die Filter im Meer herum und filtern fleißig Müll.

Mit Greta Thunberg ruft eine junge Frau, eine Teenagerin, wie man so landläufig sagt, zu nichts weiter als Demonstrationen für eine Veränderung der Klimapolitik auf – und erntet weltweit Hass und Diffamierung. 

Und jetzt stellt sich schon die Frage, wo nun der Grund für all den Hass liegt, den man einer 16-Jährigen entgegenbringt: Fällt es leichter, einer jungen Frau mal ordentlich übers Maul zu fahren, die uns an unsere ethisch-moralischen Ansprüche nicht nur erinnert, sondern dazu auffordert, diese einzuhalten, weil sie ein Mädchen ist? Der junge Mann aus dem ersten Beispiel hatte ja durchaus auch eine zunächst merkwürdige Idee, aber ist doch was mit Technik! Lass ihn mal Hörner abstoßen – und wenn’s klappt, ist’s ja auch gut! 

Oder jaulen wir gerade so, weil Menschen wie Boyan Slat unseren Müll brav hinter uns aufräumen, während wir weitermachen können wie bisher? Finden wir Projekte wie „The Ocean Cleanup“ so dufte, weil sie uns nicht an unsere eigene Verantwortung erinnern, sondern uns eher darin bestärken, dass wir alles laufen lassen können: Irgendwann kommt schon jemand mit einer technischen Lösung, die uns in letzter Minute von der Verantwortung befreit, unser Handelnd hinterfragen zu müssen.

So leicht lässt uns Greta Thunberg nicht aus der Verantwortung: Sie ruft zu Protest und Demonstrationen auf. Und ja: Es bedeutet am Ende, nicht mehr in den Urlaub zu fliegen, das Auto abzuschaffen und auf seine Umwelt Rücksicht zu nehmen, auch wenn andere das nicht tun. Das tut weh, fordert Eigenverantwortung und provoziert so den Protest der Bequemen.

Thunbergs Aktion wird leider scheitern, wenn sie auf einige Jugendliche beschränkt bleibt. Wir Erwachsene sollten uns langsam Greta aktiv anschließen, sonst mag es bald zu spät sein.

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