Scheiß Tag!

Oder: Wie man jemandem seine Ausbildungsstelle versauen kann.

 

Stellen wir uns vor, jemand macht gerade seinen Zivildienst in einem Krankenhaus, wo er Kranke, Alte und Schwache in ihren Betten von A nach B und von B nach C schiebt. Er hat Gefallen an dieser Arbeit mit hilfsbedürftigen Menschen gefunden und möchte sich gerne dort zum Krankenpfleger ausbilden lassen. Er hatte ganz gute Chancen, dort übernommen zu werden, bis ihn nach einer Tour mit einer dementen alten Frau die Polizei abfängt.

Wo denn die rote Tasche der Oma dort sei? Darauf folgten Spinddurchsuchung, Leibesvisitation, Hose runter. Wo ist die rote Tasche? Wo waren Sie mit der Patientin? Ah – danke, das war schon ein Geständnis. Wo haben Sie die Tasche versteckt? Wieviel verdienen Sie hier überhaupt? Zahlen Sie noch Kostgeld… alles klar… da kommt so ein bißchen Extrageld doch gerade recht, nicht wahr? Wo ist die Tasche jetzt? Geben Sie’s schon zu! Los, geben Sie’s zu! Was haben Sie denn überhaupt im Portemonnaie? Wo ist die Tasche? Geben Sie’s zu! Sagen Sie einfach, wo die Tasche ist! Das macht uns die ganze Sache leichter. Erleichtern Sie ihr Gewissen!

Mein Bruder rief mich heute mittag völlig aufgelöst an. Man habe ihn beschuldigt, einer 85 Jahre alten Frau die Tasche gestohlen zu haben. Und dann – siehe oben. Er hat die Tasche nicht genommen. Er wusste nicht, dass er einfach nichts hätte sagen brauchen, dass er einen Anwalt hätte kontaktieren dürfen. Hat ihm niemand gesagt. Dafür redet jetzt das ganze Krankenhaus über ihn. Die angestrebte Stelle rückt in weite Ferne. Und irgendwo versäuft gerade jemand lachend das Geld der alten Oma.

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3 Gedanken zu “Scheiß Tag!

  1. Allerdings ein Scheißtag. Ich habe so etwas selber noch nicht im Entferntesten erlebt, weiß aber, wie leicht ich nervös werde, und wie aufgelöst ich in dieser Situation auch wäre. Ich hoffe, das Krankenhaus beruhigt sich noch.

  2. Das hoffe ich auch. Einige Tage Gerede wird er wohl in Kauf nehmen müssen, hoffentlich wirkt sich das nicht auf die Ausbildungsstelle aus. Besonders ärgerlich ist das, weil er auch bald fertig ist mit seinem Zivildienst. Und die Polizei scheint solche Situationen ja auch gerne auszunutzen, wenn man mal im Lawblog guckt. Naja – im Nachhinein kann man immer tolle Ratschläge geben, aber in der Situation selbst reagiert man ja doch wieder anders. Warten wir mal ab, was weiter passiert…

  3. Tjo, Morgen kommt der Stationsleiter von mir mal dazu, der hatte ein paar Tage frei. Der wird dann auch mal Dampf machen…

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