Friedrich, Haltung annehmen!

Friedrich, Grundkenntnisse auffrischen! In Ihrer Partei schwafelt man doch sonst so gerne von „Grundwerten“ und hält das
Nationale so gerne hoch. Man singt auf Parteiveranstaltungen das Lied der Deutschen und dann salbadern sie solch ein zähes Zeug:

Herkömmlicher Datenschutz, durch nationale Gesetze organisiert, stößt an seine Grenzen“, sagte der CSU-Politiker. „Die Zeiten des Biedermeier sind vorbei.“ Das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, wie es das Verfassungsgericht im Volkszählungsurteil festgehalten habe, sei „eine Idylle aus vergangenen Zeiten“. (taz)

Ja, haben Sie denn in Geschichte gar nichts gelernt? Fallersleben dichtete ihr Lieblingsliedchen 1841 zur Zeit des Biedermeier. Das kommt nicht von ungefähr, Friedrich. Denn das Nationale, den deutschen Nationalstaat, den gab es damals noch gar nicht, das hätten die Fortschrittlichen damals nur gerne gehabt. Man versprach sich davon nämlich mehr Einigkeit, mehr Recht, mehr Freiheit. Aber da war auch das System Metternich als Reaktion auf die freiheitlichen Ideen der Aufklärung und die Französische Revolution, da war der Polizeistaat, da war Bespitzelung, da war brutale Unterdrückung der Rede- und Pressefreiheit! Deshalb zogen sich die Menschen ins Biedermeierliche zurück und hielten lieber still, anstatt den Schergen des Obrigkeitsstaates in die dreckigen Hände zu fallen und gefoltert zu werden. Mensch, Friedrich, überlegen Sie doch mal! Die Historie endet nicht bei Adenauer!

Und diese furchtbare Zeit des Biedermeier dämmert uns gerade aufs Neue, und Sie haben ihre Hände im Spiel, Friedrich. Sie sind einer der neuen Metternichs. Sie reden mit den neuen Foltermeistern. Aber: Sie können etwas verändern!

Vorschlag, Friedrich:

  • Treten Sie den neuen Foltermeistern in den Arsch! Und wenn es nur symbolisch ist!
  • Gewähren Sie Edward Snowden politisches Asyl – und ignorieren Sie Auslieferungsverträge. Mann, die nehmen Sie doch gar nicht ernst! Zeigen Sie denen, was ’ne Harke ist.
  • Sorgen Sie dafür, dass jeder Bundesbürger die kostenfreie Möglichkeit einer sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung seiner E-Mails geboten bekommt!
  • Unterlassen Sie und Ihre Kabinettskollegen es, das Internet als Hort der Kinderschänder und Raubkopierer darzustellen: Sorgen Sie lieber dafür, dass die Menschen dieses Landes ordentlich über die wirklichen
    Gefahrenpunkte (unsichere HTTP-Verbindungen, Phishing, Trojaner, Viren, Cloud-Dienste, soziale Netzwerke) aufgeklärt werden.
  • Starten Sie eine Kampagne und klären Sie auch die nicht computeraffinen Bürger dieses Landes über
    Verschlüsselung auf.
  • Lassen Sie mal mehr Beamte Streife laufen, statt auf Facebook freiheitsliebende Bürger zu stalken. Bei einem Bekannten wurde erst letzte Woche am hellichten Tag eingebrochen.

Und entwickeln Sie mal endlich eine eigene Haltung, Friedrich. Das ist ja nicht mehr mitanzusehen!

3 Gedanken zu “Friedrich, Haltung annehmen!

  1. Komm, lass ihn doch, den armen Mann – er ist doch rein formal auch gar nicht zuständig.
    Die taz verwendet an anderer Stelle ein schönes Bonmot:
    „Friedrich, der auch schon das Auffliegen der rechtsextremen NSU-Terrorzelle samt einer Unzahl von Verfassungsschutzpannen weggesteckt hat, ist in dieser Geheimdienstaffäre der nützliche Idiot der Regierung.“
    http://www.taz.de/!119855/

    An den „nützlichen Idioten“ dachte ich sofort, als ich deinen Spruch von „Mann, die nehmen Sie doch gar nicht ernst!“ gelesen habe.

    Er plant, diese Rolle auszufüllen bis zum Schluss. Spar dir die Luft, sondern schicke lieber ein paar Mails mit „Wir zünden die 8om8e morgen früh“ durch die Gegend, um die Jungs von der NSA sinnvoll zu beschäftigen.

    Grüße,
    stephan@spamschlucker.org

    • Wohl wahr, das Fass, was denn bitteschön der Außenminister so dazu zu sagen hätte, wurde ja mit reichlich Verspätung immerhin mal kurz angezapft. Merkel ist ja schon länger in der Schusslinie.

      Mails mit derlei Inhalten schicke ich nicht, aber ich schaue mich in den nächsten Tagen nach einem (gerne auch kostenpflichtigen) E-Mail-Anbieter um, der mir Besseres bieten kann als der Rest.

      Ansonsten schicke ich fleißig meinen Public Key herum und surfe per TOR, alleine, weil ich es kann und es den Schnüfflern das Leben ein klein wenig schwerer macht. (Und die dürfen das alles gerne in ein paar Jahren entschlüsseln, denn ich habe ja nichts zu verbergen!)

  2. Ein kleines Körnchen Wahrheit wohnt wohl fast jeder Aussage inne. Auch der des Innenministers. Die Zukunft wird erweisen, welchen Zumutungen der durchschnittliche Nutzer bei der alltäglichen Mediennutzung bereit ist, auf sich zu nehmen. Entscheidet sich die Mehrheit für die althergebrachte Bequemlichkeit, ist wohl wirklich Schluss mit der informationellen Selbstbestimmung. Die fügt sich nicht mit kostenlosen (unverschlüsselten) E-Mails, kostenloser Cloudnutzung, kostenlosen Apps, ständiger GPS-Ortung, kostenloser Lieferung usw. usf. Entscheiden sich die Masse anders, dürften neue Marktlücken entstehen: Beispielsweise für (teurere) Smartphones mit kostenpflichtigen Betriebssystemen, die nicht mit einer hidden agenda, wie die Datensammlung eine ist, unter Volk gestreut werden. Wer nach nicht-erpressbaren Unternehmen ruft, muss selber den ersten Schritt selber gehen.

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