Das Zwitschern aufgeben

Ja, so ist das mit der neuen Langsamkeit: Kaum nimmt man sich diese zum Vorsatz, schon lädt man sich eine neue Twitter-Software runter und schwelgt in den Möglichkeiten der hektisch kurzatmigen Kommunikation. Ist Twitter überhaupt Kommunikation? Oder nicht doch nur das Säuseln all derer, denen nichts besseres einfällt als ermüdende Meldungen wie „Sitze im Bus“? Ist Twitter nicht das Spamorama des kleinen Mannes, wo jedermann und jedefrau ungestört absondern kann, was ihm oder ihr gerade durch den Kopf fleucht?

Ich schwanke sehr, was Twitter angeht. Hal Faber zitiert heute Torsten, der Twitter in 140 Zeichen als die „Zigarettenpause für Online-Junkies“ bezeichnet oder auch als „140 Zeichen Ego-Trip“. Da ist doch etwas dran, oder? Ist Twittern nicht ebenso Zeitvergeudung wie Zigarettenrauchen? Inhaltsleerer Nonsens, der niemandem hilf, niemandem nützt und am wenigsten dem, der sein Ego-Zeug da reinhackt?

Dann könnte ich es ja im Sinne der neuen Langsamkeit einfach löschen, meinen Account links liegen lassen und dieses Online-Rauchen aufgeben. Aber ganz so leicht ist es auch nicht. Führt man nicht doch Diskussionen über Twitter, bekommt Impulse und Anregungen? Natürlich nicht von den Blippern und Twitpickern oder den Bus-Sitzern und Gerade-Irgendwas-Essenden, aber doch z.B. von den Lehrern, die neue Software ausprobieren oder Hinweise auf lehrertaugliche Hardware geben. Twitter als ein Raum, in dem man einfach eine Frage hineinwirft, die ein Sachkundiger schnell beantworten kann – das ist etwas, das ich ungerne aufgeben möchte. Ich denke, es ist eine Frage der Dosis und des „wie“: Blase ich jedes Gedankenbläschen in den Twitter-Äther oder nutze ich das Medium produktiv und kreativ?

Aber ist Twitter wirklich sinnvoll, wägt man (Zeit-)Kosten und Nutzen gegeneinander auf? Wie oben gesagt, ich bin mir nicht sicher und tendiere eher zum Nein. Konsequenterweise müsste ich dann ja meinen Twitter-Account löschen, aber wie das so ist mit Zigarettenpausensüchtigen… geht das gar nicht so leicht, man könnte ja was verpassen.

Verzicht. Vielleicht gehört der auch zur neuen Langsamkeit. Muss man sich dran gewöhnen.

Ein Gedanke zu “Das Zwitschern aufgeben

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