Isch 'abe gar kein Untertitel...

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Die digitale Straße von Hormuz

Wer in den letzten beiden Tagen das Drama um Anthopics „Claude Code“ mitbekommen hat, der konnte erahnen, wohin unsere Reise geht. Was ist „Claude Code“?: Wer einen bezahlten Claude-Account abonniert, der erhält Zugriff auf die durchaus mächtigen Werkzeuge Claude Chat, Claude Cowork und Claude Code, alles KI-Anwendungen des Entwickler Anthropic. Chat ist letztlich etwas wie ChatGPT, wogegen die anderen beiden Anwendungen sich auf das Organisieren von Büroaufgaben (Excel&Co.) sowie das Programmieren spezialisiert haben. Und Claude Code ist verdammt gut, was das Programmieren angeht und scheint meinem laienhaften Eindruck zufolge in den letzten Monaten der Goldstandard für KI-unterstütztes Programmieren gewesen zu sein. Das galt aber nur bis gestern, als sich plötzlich auf Reddit die Meldungen überschlugen, dass bei Claude Code die Token-Abrechnung anscheinend völlig außer Rand und Band sei, sodass viele User nach angeblich teils nur einer einstelligen Zahl von Chatnachrichten ihr komplettes Nutzungskontingent aufgebraucht hatten. Und das sogar bei Max-Usern, die 200$ im Monat zahlen.

In den Berichten wurde schnell klar, wie verzweifelt und vor allem abhängig viele User mittlerweile von KI-Anwedungen sind: Teils basieren ganze Geschäftsmodelle darauf, dass eine KI die Arbeit macht – und wehe, sie macht es nicht! Claude kann in Sekunden das generieren, wofür ein Programmierer lange tippen müsste und ist so eine unglaubliche Kostenersparnis. Die Wogen scheinen sich wieder gelegt zu haben und vielleicht war die Episode um Claude nur ein dummer (und teurer!) Bug, aber man kann das Ganze leicht weiterspinnen und sich die Frage stellen, wie abhängig wir zukünftig von KI-Anbietern sein wollen. Ich habe mich oft gefragt, wer überhaupt irgendwann einmal in der Lage sein sollte, Riesen wie Google oder Meta die Stirn zu bieten… und da wären wir! Bald werden wir alle von irgendwelchen Chatbots abhängig sein, ohne die wir uns das Arbeiten nicht mehr vorstellen können, ohne die wir unfassbar träge wirken werden, auf deren Ratschläge wir nicht mehr verzichten wollen und die auch institutionell in unseren Alltag eingebunden sein werden, sei es im Handy, auf der Arbeit, einfach bei jeder Suchanfrage oder auch im Auto. Diese KI-Anbieter haben die Macht, uns mit ihren Tokens an der Nase herumzuführen, Preise nach Belieben festzulegen und uns jederzeit am langen Arm zappeln zu lassen, denn wenn wir einmal von der Leichtigkeit, mit der KI-Assistenten uns die Arbeit abnehmen, angefixt sind, kommen wir davon nicht mehr los. Es ist eine digitale Straße von Hormuz, mit immensem Energieverbrauch, immensen Kosten und gleichzeitig einer immensen Abhängigkeitsspirale.

Gegen dieses Oligopol werden uns Google, Meta und Co. in der Rückschau noch wie brave Waisenknaben vorkommen.

Willkommen 2026…

Was für ein Start ins neue Jahr. Obwohl pünktlich zu Silvester mit einer Magen-Darm-Erkrankung beglückt, gehöre ich dennoch zu den glücklicheren Seelen dieses neuen Jahres: Weder habe ich mich totgeböllert, wie zwei arme Teufel in meiner Heimatstadt, noch musste ich in einer schicken Schweizer Bar verbrennen. Der US-Präsident wirft mir keine Bomben auf den Kopf und entführt nicht mich und auch nicht meine Frau.

Und heute ist erst der 3. Januar! Willkommen 2026, du tolles, neues Jahr voller guter Nachrichten! Wie sind wir gespannt, was der morgige Tag bringen wird …

Kein Ende der Gewalt

Die Ermordung eines rechtsradikalen Influencers in den USA schlägt in der internationalen Medienberichterstattung hohe Wellen. Zufällig wurde exakt dieser Influencer mir vor einigen Tagen das erste Mal in den YouTube-Stream gespült, wo man diesen durchaus sehr eloquenten und intelligenten jungen Mann in Debatten gegen Studenten und Professoren an britischen Universitäten beobachten konnte. Nun ist er, der doch das gesprochene Wort bevorzugte, tot, hinterrücks ermordet. Und die ganze Schäbigkeit des Intern… von Social… der Menschen ergießt sich über das arme Mordopfer, das – trotz aller verachtungswürdigen Thesen, die es verbreitete – das schlichte Recht zu leben hatte.

Und schon liest man auf Seiten der Rechtsradikalen vom „Reichstag’s Fire moment“, und die Sorge vor noch mehr Gewalt scheint nicht unbegründet. Einzelne Kommentatoren rufen zu einem maßvollen Umgang miteinander auf, doch wo soll das herkommen in einer Gesellschaft, in der nahezu jedes populäre Event, jede kulturelle Leistung – vom Sport bis über Musik, Kino oder Computergames – von physischer oder psychischer Gewalt geprägt ist; schwere Waffen frei im Umlauf sind – und die politische sowie die meinungsbildende Elite höchstselbst Gewalt propagiert und befeuert?

Während Vladimir Putin, Kim-Yong Un und Xi Jingping ein nicht zu unterschätzendes Triumvirat bilden und in Polen erste Drohnen einschlagen, leistet sich die (Noch-)Weltmacht USA einen zermürbenden innenpolitischen Kleinkrieg um politische Macht. Wer weiß, wo das noch endet.

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